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Meerbusch
Plakatwand wird zum interaktiven Kunstwerk

Meerbusch: Plakatwand wird zum interaktiven Kunstwerk
Rubbeldiekatz: Das interaktive Kunstwerk hat Künstler Viktor Nono mit einer grauen Farbschicht überstrichen, die man abkratzen kann. FOTO: Dackweiler, Ulli (ud)
Meerbusch. Kunst-Dilemma in Büderich: Das neue Motiv der "Künstlerwand gegen Fremdenfeindlichkeit" muss zerstört werden, um erahnt zu werden Von Martin Röse (Text) und Ulli Dackweiler (Fotos)

Vier große graue triste Platten - das ist das neue Motiv der "Künstlerwand gegen Ausländerfeindlichkeit" auf dem Dr.-Franz-Schütz-Platz in Büderich. Oder richtiger: Das war das Motiv. Der Neusser Künstler Viktor Nono hat sie gestaltet und die Meerbuscher vor ein Dilemma gestellt: "Ich habe ein eigentlich sehr hübsches Bild gestaltet und es dann mit einer abzurubbelnden grauen Farbe überstrichen", erklärte er bei der Vorstellung des neuen Wandmotivs den rund 50 Gästen am Samstag. Das Problem: Wird die graue Farbe abgerubbelt, wird das Kunstwerk zwar in groben Zügen ersichtlich - aber gleichzeitig auch zerstört.

Jochen Schmitz-Linkweiler im Gespräch mit Künstler Viktor Nono. FOTO: Dackweiler, Ulli (ud)

"Schrödingers Katze" hat Viktor Nono sein Werk genannt, in Anlehnung an ein Gedankenexperiment des Wiener Wissenschaftstheoretikers Erwin Schrödinger, der damit zwei sich eigentlich ausschließende Daseinszustände vereinte. Bei Schrödinger geht's um eine Katze in einem Tresor, die gleichzeitig lebt und tot ist, bis sie durchs Öffnen der Tresortür definitiv stirbt.

Mit einem leichten Erstaunen beobachtete der Künstler, wie nach seiner Erklärung etliche Gäste damit begannen, die graue Farbe abzurubbeln - mit Schlüsselbärten, Münzen, gar mit einem Schaber samt Holzstiel. "Ich bin wohl nicht richtig verstanden worden", sagte Nono, während (das Publikum) "Schrödingers Katze" abkratzte. Freilich hatte er der fröhlichen Kunstzerstörung selbst Vorschub geleistet: Den Schaber brachte Viktor Nono mit.

Mit Schlüsseln und Münzen kratzen die Besucher die graue Farbe ab. FOTO: Dackweiler, Ulli (ud)

Die Interpretation des schemenhaft durchschimmernden Werks - es zeigt die Silhouette eines Menschen mit einem Stab in der Hand - überließ der Künstler dem Publikum.

Meerbuschs Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage erinnerte in ihrer Rede an die Ursprünge der Künstlerwand im Jahr 1993, als bei einem Brandanschlag mit rechtsextremistischen Hintergrund in Solingen fünf Menschen türkischer Abstammung starben. "In Meerbusch ist kein Platz für Extremisten, weder von Rechts noch von Links", betonte sie. Der Meerbuscher Künstler Helmut Martin-Myren hatte die Idee zu der Plakatwand, später führte der mittlerweile verstorbene Künstler Winfried Schmidt-Linkweiler die öffentliche Ausstellungsreihe fort. "Viktor Nono hat mir bei der Sichtung des Nachlasses meines Bruders geholfen", berichtete Jochen Schmitz-Linkweiler, der sich seit dem Tod seines Bruders um die Künstlerwand kümmert.

Schon nach wenigen Minuten schimmert das Motiv durch. FOTO: Dackweiler, Ulli (ud)

Übrigens: Noch sind graue Flächen zum Freirubbeln vorhanden.

Quelle: RP
 
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