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Meerbusch
Strümper Brauch: Fackeln für das Königspaar

Meerbusch: Strümper Brauch: Fackeln für das Königspaar
Die Schwarzen Husaren um Hauptmann Hanno Kleutges (50) haben mit ihrer "Feuertonne" den Vogel abgeschossen. Drei Mann haben drei Tage an dem Vehikel bearbeitet, das von einem LED-Schlauch beleuchtet wird und mit Rauchbomben bestückt wird. Denn eine Feuertonne muss schließlich richtig Qualmen. Warum die 1953 gegründete Truppe diese Fackelidee umgesetzt hat? "Weil wir es können", so der Wahlspruch der 21 Reitersoldaten. FOTO: Falk Janning
Meerbusch. Die Strümper Schützen begleiten seit wenigen Jahren am ersten Abend das Königspaar nach Hause - ein stimmungsvolles Spektakel. Von Mike Kunze

Es ist ein noch junger Brauch bei den Strümper Schützen: Seit 2010 veranstalten sie den einzigen Fackelzug der Stadt. Mit bunten Motiven und immer ausgefalleneren Ideen entwickelt sich das Lichterspektakel mit vorangehendem Dorffest zu einem wahren Leuchtturm des alle drei Jahre stattfindenden Schützenfestes.

Die Ideen entstehen oft aus einer Laune oder sind Weiterentwicklungen älterer Modelle. Nicht selten sollen die Großfackeln auch für Überraschungen im Regiment oder sogar in der eigenen Truppe sorgen, so dass immer wieder auch Geheimprojekte den Weg auf die Strümper Straßen finden.

Markus Knechten (36) ist Hauptmann der Marine-Kompanie und lehnt ganz erholt an dem prachtvollen Schiff, das ganz frisch überholt worden ist. Noch vor drei Jahren war die "Hannelore" erheblich kleiner. Mit an Bord sind diesmal der Nachwuchs und zwei Pappkameraden, die zu Ehren zweier Schützenlegenden installiert wurden: Ex-Fahnenoffizier Udo Willing und Ex-Vereinsarchivar, die beide rund zwei Jahrzehnte in Amt und Würden gewesen sind. FOTO: Falk Janning

Nach der viel bestaunten Aufstellung am Schmitterhof geht es für gewöhnlich zur königlichen Residenz, wo die Majestäten mit einer Serenade in die wohlverdiente Nachtruhe entlassen werden, so auch am vergangenen Mittwoch wieder, als nach dem Auftakt des Schützenfestes König Karl-Wilhelm und Königin Dagmar eskortiert wurden.

Für Karl-Wilhelm Steinfort ist 2016 in jeder Hinsicht ein königliches Jahr. Der Strümper Monarch kann rundum glücklich sein, weil einfach alles passt. Seit 40 Jahren ist der Mitinhaber eines Landhandels schon bei den Buschender Schützen, seine Frau Dagmar erfüllt ihm den großen Wunsch König zu sein und Sohn Andreas (33), ebenfalls Schütze mit Leib und Seele, wird im Rahmen des heute mit einer Party weitergehenden Schützenfestes zum General befördert. Darauf ist der königliche Vater natürlich besonders stolz, zumal der Junior auch im Vorfeld des Schützenfestes das Königshaus hervorragend unterstützt hat.

Die Grenadiere Fahnenleutnant Christoph Ziebarth (25, l.) und Hauptmann Sebastian Baumeister (38) bewachen ihre Fackel. Das Innenleben des überdimensionierten Bollerwagens besteht aus einer Autobatterie und vier 50-Watt-Halogenstrahlern. So bringt die 1995 gegründete Truppe seit 2013 die vier Kompaniewappen in den Vereinsfarben Blau und Rot auf den vier Seiten der Großfackel zum Leuchten, erklärt Kompaniechef Baumeister. FOTO: Falk Janning

Trotzdem war es für Karl-Wilhelm Steinfort ein weiter und beschwerlicher Weg bis auf den Strümper Königsthron. Nur alle drei Jahre bietet sich die Gelegenheit, den Holzvogel zu erlegen und das prachtvolle Königssilber zu erringen. Beim ersten Anlauf im Jahre 2000 war es der damalige General und Präsident Karl-Heinz Rütten, dem sich der Buschender geschlagen geben musste. Erst im vorigen Jahr klappte beim zweiten Versuch alles. Mit dem 46. Schuss erfüllte sich ein ganz besonderer Wunsch.

Steinfort wurde 1958 im Lanker Krankenhaus geboren und wuchs in Strümp auf. Mit 15 Jahren begann er seine Lehre im Landhandel Bommers in Osterath, dem er bis heute die Treue hält. Als 1990 die Osterather Zweigstelle im Rahmen der Ortskernsanierung aufgegeben wurde, wirkte Steinfort in der Hauptstelle in Neuss-Holzheim weiter. Vor zehn Jahren übernahm der frühere Azubi das Geschäft zusammen mit seinem Kompagnon Christian Lohkamp. Beide haben sich auf Futtermittel, besonders Hafer für Galopper, spezialisiert und nebenher ein Grünes Warenhaus eingerichtet.

Daniela I. Thönnissen (55) wusste zwar, dass die kleinen Fackeln von vor drei Jahren auch diesmal wieder dabei sein würden. Dass ihr zu Ehren Michaela Trautmann aber innerhalb einer Woche auch eine echte, einen Meter große Marketenderin aus Pappmachee gebastelt hat, war eine gelungene Überraschung. Die Marketenderinnen sind schon seit 63 Jahren fester Bestandteil des Strümper Schützenfestes. In diesem Jahr sind sie zum ersten Mal mit eigener Königin und Fackel aufgezogen. FOTO: Falk Janning

Die beruflichen Weichen waren also seit längerem gestellt, aber auch Ehefrau Dagmar musste ja noch zustimmen. Die 54-jährige gelernte Speditionskauffrau steht in Diensten der Stadt Duisburg und hatte das Hobby ihres Mannes bisher zwar toleriert aber noch nicht so recht geteilt. Trotzdem wollte sie ihrem Karl-Wilhelm seinen großen Wunsch gerne erfüllen. Was dann geschah, erfreut den Monarchen ganz besonders: "Dass ich mich zu 100 Prozent auf meine Frau verlassen kann, habe ich immer gewusst", sagt Steinfort, "aber dass sie in einem Jahr Königshaus mit so viel Spaß bei der Sache ist", habe ihn freudig überrascht.

Das Königsjahr ist für das Paar schon jetzt zu einem einmaligen und ganz besonderen gemeinsamen Erlebnis im Kreise der großen Schützenfamilie geworden, obwohl noch zwei Regentschaftsjahre vor den beiden liegen.

Eine gemeinsame Leidenschaft des Paares ist seit fünf Jahren auch die jährlichen Kreuzfahrten, die sie auf alle sieben Weltmeere führen. Zum Abschalten gehen die beiden aber auch mal getrennte Wege. Königin Dagmar kniffelt einmal die Woche leidenschaftlich mit ihren Mädels, während König Karl-Wilhelm seit 1979 Kegelbruder und Mitgründer der "Piefeköpp" ist. Ursprünglich Fußballer vom SSV Strümp sind die Herren, ergänzt um etliche Neuzugängen, einmal im Monat im Keller von Haus Baumeister bei Schützenkamerad Mattias Vieten zu finden.

Entspannung pur verspricht aber zunächst der Kurztrip am Wochenende per Kutsche durch das Königreich Strümp. Besonders freut sich auf die Fahrt in der herrschaftlichen Kalesche übrigens Enkelkind Melina (8). Die darf ihre Großeltern dabei nämlich begleiten.

Quelle: RP
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