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Meerbusch
"Wir sind dabei, die Erde zu überfordern"

Meerbusch: "Wir sind dabei, die Erde zu überfordern"
Ex-Ministerin Bärbel Höhn hielt in der Bethlehemkirche eine Kanzelpredigt zum Thema Verantwortung für die Schöpfung. FOTO: hjba
Meerbusch. Als Gastrednerin der evangelischen Kirchengemeinde Büderich erinnerte Grünen-Politikerin Bärbel Höhn an die Klimaziele.

Auch wenn das Rednerpult in einem Kirchenraum steht, dreht sich bei der Politikerin Bärbel Höhn alles um Nachhaltigkeit. Aber die studierte Mathematikerin und Volkswirtschaftlerin sowie ehemalige Landtagsabgeordnete, Landesministerin und Bundestagsabgeordnete schlug in der Kanzelrede in der gut besetzten Bethlehemkirche - unter den Anwesenden war auch Oliver Keymis, Meerbuscher Vizepräsident des Landtags (Grüne) - den Bogen zum 500-jährigen Luther-Jubiläum 2017: "Die Reformation fand in einer Zeit der Krise und des Umbruchs statt. Heute geht es um ganz andere Fragen. Aber wir befinden uns ebenfalls in Umbruch- und Krisenzeiten."

In der Rede zum Thema "Verantwortung für die Schöpfung" erinnerte Bärbel Höhn: "Wir sind dabei, unsere eigene Lebensgrundlage zu zerstören, die Erde zu überfordern - dabei haben wir keine zweite in der Hinterhand." Der "Earth Overshoot Day" dokumentiere den Tag, an dem die Bevölkerung ihr Jahresbudget an Ressourcen aufgebraucht hat: "Dieser Tag fiel 1987 auf den 19. Dezember, mittlerweile liegt er Anfang August."

Im Detail kamen die "unsinnige Politik" in Sachen Atomenergie, der "dramatische Verlust von Insekten" sowie die hohe Nitrat-Belastung des Trinkwassers durch die hohe Tieranzahl zur Sprache. Dabei gebe es auch für Bürger einfache Gegenmaßnahmen: "Weniger Fleisch essen, bewusster, bessere Qualität, mit mehr Genuss." Grundsätzlich sei die Umsetzung der von der UN beschlossenen Nachhaltigkeitsziele und des Klimaabkommens dringend einzuhalten: "Industrieländer wie Deutschland müssen Wirtschaft, Strom, Wärme, Verkehr und Landwirtschaft bis 2050 klimaneutral umgestellt haben."

Höhn ergänzt: "Die Generation, die die Klimakrise verursacht hat, muss die Klimakrise jetzt auch lösen." Selbst eine einzelne Gemeinde könne etwas tun, könne sich an Projekten beteiligen, um Wasser, Strom und Abfall zu sparen. Schließlich gehe es auch um Gerechtigkeit. Deshalb haben sich Ökologen Gedanken gemacht, wie die Langfristperspektive gestärkt werden kann: "Es ist unsere Pflicht, unseren Kindern und Enkelkindern eine Welt zu übergeben, die nicht voller Belastungen ist." Fragen, die sich aus der lebhaft vorgetragenen Rede ergaben, beantwortete Bärbel Höhn im Café Leib und Seele. Nächsten Sonntag geht es in der Christuskirche mit der Kanzelrede von Bernd Tönjes weiter.

(mgö)
 
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