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Meerbusch
Wo Meerbuschs Künstler kreativ sind

Meerbusch: Wo Meerbuschs Künstler kreativ sind
Metallbildbauer Bernd Zanders thematisiert in seinen Skulpturen die Flüchtlingssituation ebenso wie das Leistungsstreben. FOTO: Dackweiler, Ulli (ud)
Meerbusch. Am Wochenende zeigten 38 Künstler in ihren Ateliers Malerei, Fotografie, Metall-, Holz- und Steinbildhauerei und Handwerkskunst Von Monika Götz (Text) und Ulli Dackweiler (Fotos)

Wer sich an diesem Wochenende in Meerbuscher Ateliers umsah, bekam nicht nur einen Eindruck von der Vielfalt künstlerischer Techniken, Formen und Ausdrucksweisen. Er konnte auch die Gelegenheit nutzen, mit Künstlern ins Gespräch zu kommen.

Klaus Domdey und Angelika Kraft in der Atelier-Galerie in Lank. FOTO: Dackweiler, Ulli (ud)

Bernd Zanders beispielweise, der zu den 38 Teilnehmern der Aktion "Arbeitsplatz Kunst" zählt, spricht offen darüber, warum er in seine Metallkompositionen ganz viele Emotionen steckt: "Der Mensch und die Welt sind mein Thema. Ich kritisiere unter anderem das Umweltverhalten, das Karrierestreben, die Flüchtlingssituation." Seine Figuren in Strichmännchen-Art aus naturbelassenem Eisen - "Ich bin kein Schrott-Künstler" - drücken durch ihre Haltung aus, was sie empfinden: "Das übe ich vor dem Spiegel." Umgesetzt auf die Figuren wird für den Betrachter deutlich, wie viel Leid Flüchtlinge ertragen müssen. Sie laufen abgekämpft, die Schwächeren stützend und Kinder tragend um die Erdkugel: "Man muss der Figur ansehen, dass sie müde ist."

Gabriele Mock (links) und Erika Schlee im Strümper Atelier. FOTO: Dackweiler, Ulli (ud)

Der Metallbildbauer, der 28 Jahre in Bösinghoven gearbeitet hat, ist seit Herbst 2013 wieder in Osterath, wo er aufgewachsen ist. Seine Arbeiten sind ganzjährig an der Krefelder Straße 77 zu besichtigen. Um Malerei geht es in Strümp. Dort hat Erika Schlee ihr Atelier geöffnet und gibt den vielen Besuchern Gelegenheit, ihre abstrakten, durch kräftige Strukturen auffallenden Bilder aus der Nähe zu betrachten und nachzufragen, welche Technik zu derartiger Optik führt: "Sie entsteht durch viele Farbschichten, ergänzt durch Pappe, Sand und Papier." Sie kratzt auch schon mal Spuren in die Masse oder schneidet Seh-Schlitze hinein: "Dahinter lege ich schwarzes Papier." Im Atelier auf dem Hof Essers fühlt sich die ehemalige Schulsekretärin sehr wohl: "Das ist ein idealer Ort, um kreativ zu sein." Ähnlich inspiriert fühlt sich Gabriele Mock. Im Atelier der Freundin erklärte sie, wie sie aus bis zu 300 Teilchen bestehende Ketten und Armbänder aus Fahrradschläuchen herstellt: "Ich nenne das 'Fietsketting'. Das aufgeschnittene Material wird dekorativ zusammengefügt und sieht einer Fahrradkette ähnlich." In die Zwischenräume setzt sie auch mal eine Perle oder ein Stückchen Metall und kreiert damit ein ausgefallenes Schmuckstück.

Außergewöhnlich in der Farbgebung sind auch die Keramiken, die Angelika Kraft zur Arbeitsplatz-Aktion im Kunstraum "Atelier Galerie Kraft" in Lank-Latum zeigte. "Um diese warme Farbe zu erhalten, müssen die Ton-Objekte separat und bei einer besonderen Brenntemperatur in den Ofen", erklärt sie den Arbeitsvorgang. In ihrer Galerie stellt Klaus Domdey Öl- und Acrylmalerei sowie Collagen in Mischtechnik aus. "Ich habe viel Freude an der Farbe, in der Begegnung mit mir selbst und in der Sehnsucht nach Klarheit", sagt Domdey. Die Klarheit arbeitet er in grafisch angelegten Bildern heraus. Sie zeigen akkurat abgegrenzte Flächen und Formen. Manchmal benutzt er dazu eine Rakel, ein Abstreifholz gegen überschüssige Farbe.

"Wir haben eine Menge Anregungen bekommen", sagen Sonja und Hans-Walter Henze, die sich im Atelier umsahen. Die Arbeiten von Klaus Domdey sind bis 12. Juli, freitags/samstags, von 13 bis 18 Uhr, im Atelier Galerie Kraft, Hauptstraße 20, zu sehen.

Quelle: RP
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