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Mettmann
103 Jahre - vom Kind zur hochbetagten Frau

Mettmann. Die Mettmannerin Hildegard Mathey ließ sich mit 103 Jahren für die Caritas-Ausstellung "100 Jahre Leben" porträtieren. Von Sabine Maguire

Sie hatte gerade ihren 103. Geburtstag gefeiert, da wurde es noch mal turbulent im Leben von Hildegard Mathey. Die alte Dame ließ sich für ein Fotoprojekt ablichten, das die Caritas in den 150 Pflegeeinrichtungen des Erzbistums Köln in Auftrag gegeben hatte. "100 Jahre Leben" - so der Arbeitstitel, der eigentlich schon alles verrät. Denn die Protagonisten blickten allesamt auf ein Jahrhundertleben zurück.

Und Hildegard Mathey - die damals gerade im Caritas-Altenstift in der Schumannstraße eingezogen war - gehörte zu den über Hundertjährigen, die auch noch viel zu erzählen hatten.

Mittlerweile sind die Aufnahmen "im Kasten" und werden gemeinsam mit den dazugehörenden Lebensgeschichten in einer Ausstellung gezeigt. Ein Besuch lohnt sich nicht nur wegen der eindrucksvollen Bilder, die der Fotografin Nathalie Dampmann gelungen sind. In Verbindung mit den Geschichten, die dazu erzählt werden, ist quasi ein Gesamtkunstwerk entstanden, das man nah an sich heranlassen sollte. Denn es gibt vieles, bei dem es sich lohnt, genauer hinzuschauen

Zuweilen mag man sich fürchten vor dem, was im hohen Alter auf einen zukommen könnte. Hört man allerdings dem zu, was Hildegard Mathey vor Monaten ihrer Interviewpartnerin beim Fotoshooting in die Feder diktiert hat, so stellt sich vor allem ein Gefühl ein: Demut vor dem Erlebten inmitten von zwei Weltkriegen und persönlichen Schicksalsschlägen. In ewiger Sorge um den Ehemann, der spät aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekommen war, musste Hildegard Mathey ihn dennoch irgendwann gehen lassen.

Später starb auch noch plötzlich die Tochter. "Das habe ich nie verwunden" gewährte die alte Dame damals einen Blick in eine trauernde Seele, die den Verlust der Mutter und der Schwester zu verkraften hatte. Es ist nun einmal so, dass man in einem langen Leben viele derjenigen Menschen gehen lassen muss, die einem lieb und teuer waren. Verzweifelt war Hildegard Mathey darüber dennoch nicht. Allabendlich schaltete sie den Fernseher ein, um sich über das Weltgeschehen zu informieren. Die 103-Jährige erzählte: "Ich mache Kreuzworträtsel zum Fitbleiben, da muss man ja ein bisschen Grips für haben. Ich lese gerne, aber nichts Lehrreiches mehr." Früher habe sie Klavier gespielt, Leichtathletik gemacht und sei Fahrrad gefahren. Das alles sei jedoch lange vorbei.

Das Leben im Altenstift sei etwas, dass sie habe genießen können. Auch wenn sie das Essen meistens nachwürzen musste, wie sie humorvoll berichtete. Sie habe auch im Alter keine Schmerzen gehabt, das sei ihr sehr wichtig gewesen.

Ihre Neffen und einige Verwandte waren zur wichtigsten Konstante im Alltag geworden. Daraus - und aus den vielen kleinen Dingen des Lebens - habe sie Kraft geschöpft. Das zu erkennen ist wohl ein Geschenk, das einem inmitten eines Jahrhundertlebens zuteil werden kann. Am Ende hat die Kraft dann doch nicht mehr gereicht, um die Ausstellungseröffnung am vergangenen Montag noch miterleben zu können. Hildegard Mathey ist vor einigen Wochen gestorben - kurz nachdem sie ihre Lebensgeschichte erzählt hatte.

Quelle: RP
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