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Mettmann
Flüchtlinge ziehen an die Seibelstraße

Mettmann: Flüchtlinge ziehen an die Seibelstraße
Marco Sucic in der Küche der Unterkunft an der Seibelstraße. In beiden Stockwerken gibt es eine Küche. Die Grundreinigung steht in dieser Woche an. Die Brandschutzauflagen sind alle erfüllt. FOTO: Dietrich Janicki
Mettmann. Ab der nächsten Woche soll es losgehen. Die beiden Turnhallen am KHG werden freigeräumt, bleiben aber zunächst eine Reserveunterkunft. Wann Unterkünfte an der Gruitener Straße gebaut werden, steht noch nicht fest. Von Christoph Zacharias

Die Stadt Mettmann hat ein über 2000 Quadratmeter großes Bürogebäude an der Seibelstraße angemietet, in das ab Montag Flüchtlinge einziehen. Wie Marko Sucic, Leiter der städtischen Sozialabteilung, mitteilt, wird zunächst die kleine Gymnastikhalle am KHG - dort wohnen rund 30 Menschen - freigezogen. Sie leben seit Mai auf engstem Raum. Die Räume sind nicht einzeln zu lüften, eine Holzwand, die oben offen ist, trennt die Zimmer, eine Hohlblocksteinwand dient als Fenster, Lampen mit diffusem Licht als Beleuchtung.

Die Flüchtlinge ziehen ab dem 25. Januar mit Sack und Pack, mit ihren Spinden und Kühlschränken an die Seibelstraße. Dort stehen neue Etagenbetten zur Verfügung. Gymnastik- und Sporthalle sollen in den nächsten drei Wochen sukzessive geräumt werden. Allerdings werden die Trennwände und die Betten noch nicht entfernt. "Wir brauchen die beiden Hallen als Reserve, falls wir weitere Flüchtlinge zugewiesen bekommen. Und davon gehen wir aus", sagt Sucic.

Die Doppelstockbetten stehen bereits in den Zimmern. FOTO: Janicki, Dietrich (jd-)

Die Räume in der Seibelstraße sind bezugsfertig. In dieser Woche erfolgt die Grundreinigung. Kein Vergleich zu den Unterkünften an der Talstraße, Kleberstraße und Laubacher Straße. Etwa 120 Menschen sollen künftig an der Seibelstraße wohnen, maximal können 180 Menschen aufgenommen werden. Vorwiegend alleinstehende Männer. Platz für Familien gibt es ebenfalls. Personengruppen aus der Kleberstraße und Talstraße plus Bewohner der Laubacher Straße sind die neuen Bewohner. Dafür existiert mehr Platz für Familien an der Kleber- und an der Talstraße. "Es gibt Zwei-, Drei- und Vierbettzimmer, je nach Größe der Räume an der Seibelstraße", sagt Sucic. Die Zimmer sind hell und können einzeln belüftet und verdunkelt werden. Auf jeder Etage gibt es eine Küche, einen Sozialraum und Toiletten, im Erdgeschoss befinden sich die Duschen. Im Keller stehen Waschmaschinen und Trockner zur Verfügung. Neu ist eine Security-Mannschaft, die an der Seibelstraße eingesetzt wird. Sie soll für Ruhe und Ordnung in der Unterkunft sorgen.

Ob und wann Holzbauten für Flüchtlinge auf dem Sportplatz an der Gruitener Straße errichtet werden, ist offen. "Wir erwarten zunächst von der Verwaltung eine entscheidungsreife Vorlage für den Planungsausschuss", sagte gestern CDU-Fraktionsvorsitzende Ute Stöcker. Die Stadt wollte ursprünglich ein über 2000 m2 großes leerstehendes Bürogebäude an der Gold-Zack-Straße anmieten. Doch der Eigentümer habe sich für einen anderen Mieter entschieden, heißt es aus der Stadtverwaltung. "Die Seibelstraße ist irgendwann belegt, dann brauchen wir Wohnraum für Flüchtlinge, vor allem für Familien", betont Sucic.

"Ich kann die Bedenken der Anwohner in Mettmann-Süd gegen Unterkünfte auf dem Sportplatz verstehen", sagt Stöcker. "Aber wir brauchen Unterbringungs-Möglichkeiten." Insgesamt, so Stöcker, fehle es in Mettmann an preiswerten Wohnungen - nicht nur für Flüchtlinge.

Hintergrund: Flüchtlinge in Turnhallen

Die Hephata verfügt am Benninghof über einen großen leerstehenden Gebäudekomplex, der mit einfachen Mitteln als Flüchtlingsunterkunft umzubauen wäre, sagt die Verwaltung. Doch die Evangelische Stiftung zeigt bislang wenig Bereitschaft, das Hauptgebäude zur Verfügung zu stellen. Für unbegleitete Jugendliche und für Familien hat Hephata allerdings am Benninghof eine Bleibe geschaffen.

Der Mettmanner Bauverein will einen Teil der leerstehenden Wohnungen an der Georg-Fischer-Straße der Stadt als Unterkunft für Flüchtlinge vermieten. Mittelfristig wollen Stadt und Bauverein gemeinsam ein Wohnprojekt in Mettmann auf den Weg bringen: Bezahlbarer Wohnraum für Personen mit einem geringen Einkommen, egal ob anerkannter Flüchtling oder für andere Menschen.

Quelle: RP
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