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Mettmann
Kreis sucht dringend 80 neue Notfallsanitäter

Mettmann: Kreis sucht dringend 80 neue Notfallsanitäter
Jessica Cosenza, Lehrerin an der Akademie, "versorgt" einen Patienten. Die Puppen, an denen geübt wird, sind bis zu 30.000 Euro teuer. FOTO: Köhlen
Kreis Mettmann. Der Kreis hat den Bedarfsplan für den Rettungsdienst erneuert. Fast 80 Stellen müssen in nächster Zeit neu besetzt werden. Darunter sind 56 Notfallsanitäter, die auf den Krankenwagen gebraucht werden. Von Oliver Wiegand

Wer krank wird und schnelle Hilfe braucht, ruft den Notarzt. Doch meist ist es gar nicht ein Arzt, der als Erster beim Patienten eintrifft, sondern es sind zwei Rettungsassistenten. Deren Ausbildung dauerte bislang zwei Jahre. Im Jahr 2014 ist allerdings ein neues Gesetz in Kraft getreten, eine Ausbildung zum Rettungsassistenten ist seitdem gar nicht mehr möglich.

Grund: Der Rettungsassistent ist durch die Ausbildung zum sogenannten Notfallsanitäter abgelöst worden. Problem: Weil seit mehr als zwei Jahren nicht mehr ausgebildet wird, fehlen entsprechende Nachwuchskräfte auf dem Markt. Das ist auch im Kreis Mettmann zu spüren.

Vor wenigen Wochen hat der Kreistag den neuen Rettungsdienstbedarfsplan beschlossen. Mithilfe eines externen Gutachters ist man zu dem Ergebnis gekommen, dass in den zehn Städten des Kreises Mettmann mehr als zehn Rettungswagen fehlen, damit man im Notfall innerhalb von acht Minuten beim Patienten sein kann. Für die zehn neuen Rettungswagen wird natürlich Personal gesucht, das auf dem Markt derzeit kaum zu bekommen ist.

In Fachzeitschriften werden sogar Wechselprämien von bis zu 2000 Euro für potenzielle Bewerber geboten, damit die Stellen wieder besetzt werden können. Im Kreis Mettmann werden in den kommenden Jahren etwa 80 Stellen neu besetzt werden müssen. Darunter sind 56 Notfallsanitäter, die auf den Krankenwagen gebraucht werden.

Nach jahrelangem Tauziehen um die Kostenübernahme durch die Krankenkassen und die Ausbildungsziele ist die Ausbildung zum neuen Beruf des Notfallsanitäters nun endlich möglich. Im Kreis Mettmann wird damit zum 1. September dieses Jahres begonnen. Die Ausbildung findet in der Bildungsakademie des Kreises in Mettmann statt.

"Wir rechnen zum Start im Herbst mit 20 neuen Notfallsanitätern, die wir in den kommenden Jahren ausbilden werden", sagt Schulleiter Bodo Keißner-Hesse. Die Ausbildung zum Notfallsanitäter dauert drei Jahre - beim Rettungsassistenten waren es zwei Jahre. Direkt bei der Bildungsakademie bewerben können sich Interessenten nicht. Die Ausbildung läuft über die Feuerwehren des Kreises Mettmann. Derzeit werden etwa auf der Webseite der Stadt Erkrath Ausbildungsstellen zum Notfallsanitäter angeboten. In anderen Städten läuft die Bewerbung ähnlich.

Unterrichten wird die neuen Sanitäter unter anderem John Bastian Etti, der als pädagogischer Mitarbeiter bei der Bildungsakademie angestellt ist und selbst über jahrelange Erfahrung im Einsatz verfügt. Er weiß, dass dem Notfallsanitäter wesentlich mehr Kompetenzen zugesprochen werden, als das bislang bei Rettungsassistenten der Fall war. "Als Rettungsassistent hatte ich acht Medikamente zur Verfügung, als Notfallsanitäter bis zu 25", erklärt Etti. Unter anderem können Notfallsanitäter dann auch bei Bluthochdruck, Atemnot und allergischem Schock eingreifen. Darüber hinaus sollen sie in der Lage sein, auch per Venenzugang Medikamente zu geben. Wichtig: Notfallsanitäter können miteinscheiden, ob ein Notarzt hinzugezogen werden muss.

Damit das alles klappt, werden die angehenden Notfallsanitäter in der Bildungsakademie unter anderem an Puppen ausgebildet. "Hier üben wir Beatmung und Defillibration nach Herzstillstand", sagt John Bastian Etti. Die Puppen sind wahre Alleskönner. Sie machen Geräusche und zeigen auf den entsprechenden Geräten auch Blutdruck und Herzfrequenz an. Eine Puppe kann bis zu 30.000 Euro kosten. Die Geräte, mit denen geübt wird, sind die gleichen, die auch auf den Rettungswagen verwendet werden.

Klar ist: Die Zahl der Einsätze wird in den kommenden Jahren weiter ansteigen und die Einsätze werden komplexer. Das liegt unter anderem an der wachsenden Anzahl älterer Menschen, an strukturellen Veränderungen in der ambulanten und stationären Versorgung, am Abbau von Einrichtungen für die hausärztliche Notfallversorgung und an der Zusammenfassung von Klinikstandorten.

Quelle: RP
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