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Einwurf
Wülfrather Träume und die harte Realität

Mettmann. Nach der 2:4-Niederlage beim TuS Essen-West sind die Chancen des 1. FC Wülfrath auf den Verbleib in der Landesliga weiter gesunken. In 28 Begegnungen holten die FCWFußballer gerade einmal sechs Siege und drei Unentschieden - also lediglich 21 von 84 möglichen Punkten. 19 Niederlagen sprechen eine deutliche Sprache. Der Abgang der Wülfrather in die Niederungen der Bezirksliga ist wohl nur eine Frage der Zeit.

Ende März noch schien der Klub die Talfahrt stoppen zu können. Unter der Regie von Mesut Güngör, der kurz vor der Winterpause auf Zjelko Nikolic folgte, gab es endlich zwei Siege in Folge. Doch der Coach warf danach die Brocken hin, weil der FCW-Vorstand eine Personalentscheidung nicht mittragen wollte - die Suspendierung von Engin Kizilaslan, der nach Ansicht von Güngör schlechte Stimmung im Team verbreitete. In einem offenen Brief stellte Michael Massenberg seinerzeit fest, dass der Vorstand nach vielen Gesprächen keinen Handlungsbedarf sah, "den erfahrenen Spieler abzumahnen oder gar zu suspendieren". Der Vorsitzende ergänzte: "Der Trainer stellte uns letztendlich vor die Wahl: Entweder der Spieler geht oder ich." Güngörs anschließenden Rücktritt bedauerte Massenberg, stellte aber fest: "Der Vorstand kann sich nicht erpressen lassen." Massenbergs Fazit: "Nicht der Spieler hat die Unruhe gebracht, sondern der Trainer."

Auf den Abschied von Mesut Güngör folgte die 0:4-Abfuhr in Nievenheim. Und inzwischen scheint auch wieder Ruhe in der Mannschaft eingekehrt. Eine trügerische, denn sportlich ist der FCW mit vier Niederlagen in Folge unter der Führung des Sportlichen Leiters Joachim Dünn keinen Schritt weitergekommen. Elf Punkte trennen die Wülfrather vom VfL Jüchen-Garzweiler, der aktuell auf Rang 14 steht - jenem Platz also, der die Rettung verspricht. Noch sechs Begegnungen sind zu absolvieren, doch in der momentanen Verfassung der FCW-Fußballer käme eine Siegesserie einer Sensation gleich. Einzig der Heimauftritt am letzten Spieltag gegen Schlusslicht TSV Ronsdorf gehört aktuell in die Kategorie machbar.

Der Wülfrather Klub, der zu seinen Glanzzeiten den Aufstieg in die Oberliga schaffte, eilt also mit Riesenschritten der 7. Liga entgegen. Immerhin haben die Verantwortlichen des 1. FCW für die neue Saison bereits einen Trainer verpflichtet. Der soll heute der Mannschaft vorgestellt werden. Einen Namen nannte Joachim Dünn in seiner Pressemitteilung noch nicht. Damit gibt der Sportliche Leiter Spekulationen Raum und eröffnet einen Nebenschauplatz, der wieder Unruhe in den Verein bringt. Vielleicht ist diese interessante Vorgehensweise aber auch nur das letzte Aufflackern eines Fußball-Klubs, der noch immer von den guten alten (Verbandsliga-) Zeiten träumt und verdrängt, dass er längst sehr hart auf dem Boden der Realität gelandet ist.

Birgit Sicker

Quelle: RP
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