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Kontrolle auf der A61 bei Mönchengladbach
Polizei nimmt Lkw-Fahrer in den Fokus

Polizei kontrolliert Lkw an der A61 bei Mönchengladbach
Polizei kontrolliert Lkw an der A61 bei Mönchengladbach FOTO: Reichartz
Mönchengladbach. Bei einer Schwerpunktkontrolle von Lkw an der A61 in Mönchengladbach-Rheydt stellte die Autobahnpolizei am Montag 190 Verstöße fest. Größtes Problem ist zu geringer Abstand. Düsseldorfs Polizeipräsident Wesseler will verstärkt gegen Sünder vorgehen. Von Andreas Gruhn

Der Lkw taucht erst im letzten Moment auf. Selbst von diesem guten Aussichtspunkt, einer Brücke über der Autobahn 61, war er lange nicht zu sehen. Weil er so dicht hinter einem vorausfahrenden Lkw fuhr, dass er wie ein Anhänger aussah. "Grob geschätzt waren das vielleicht zehn Meter", sagt Michael Storck von der Autobahnpolizei und erklärt seinem Polizeipräsidenten Norbert Wesseler aus Düsseldorf, wie solche Fahrer erwischt werden. Eine Kamera zeichnet den rechten Fahrstreifen von der Brücke aus auf, eine zweite macht Nahaufnahmen von unten - und zusammen wird so das Vergehen und das Kennzeichen aufgezeichnet. Das reicht für ein Bußgeld.

Am Montag erwischt die Autobahnpolizei bei einer großangelegten Schwerpunkkontrolle auf der Autobahn 61 in Rheydt in nur sechs Stunden insgesamt 103 Lkw-Fahrer, die 30 Meter oder näher zum Vordermann auffuhren. Vorgeschrieben sind mindestens 50 Meter Abstand. "Zu geringer Abstand ist das größte Problem auf den Autobahnen. "Die Folgen sind gravierend", sagt Stephan Voßenkaul, stellvertretender Leiter der Mönchengladbacher Wache der Autobahnpolizei. "Wir haben immer wieder schwere Unfälle mit Lkw-Beteiligung", sagt der zuständige Düsseldorfer Polizeipräsident Norbert Wesseler und zählt auf: In den abgelaufenen 21 Monaten ereigneten sich auf den 175 Autobahnkilometern der Mönchengladbacher Wache fast 1000 Unfälle mit Lkw-Beteiligung. Dabei starben drei Menschen, mehr als 100 wurden verletzt, 44 von ihnen schwer. "Deshalb ist es absolut notwendig, regelmäßig zu kontrollieren", sagt Wesseler.

Dabei geht es aber nicht nur um den richtigen Abstand. Auch Lenk- und Ruhezeiten der Fahrer, der Zustand der Fahrzeuge, die korrekte Beladung, das Gewicht, ob die Maut bezahlt wurde - Autobahnpolizei, Bundesamt für Güterverkehr und die Lebensmittelüberwachung der Stadt suchten zusammen über sechs Stunden nach den Fahrern, die sich nicht an die Vorschriften halten. Und das sind nicht wenige. 77 Fahrer haben die Lenk- und Ruhezeiten nicht eingehalten. Ein Tiertransport aus den Niederlanden mit Schweinen auf der Ladefläche ist überladen. Ein Grill-Wagen hat die Hygienevorschriften nicht eingehalten - der Grill auf der Ladefläche brät während der Fahrt bei Tempo 80 weiter Hähnchen. Vier Lkw sind erheblich überladen, der Spitzenreiter ist 30 Prozent zu schwer. Zwei Fahrer haben gar keine Fahrerlaubnis. Und insgesamt sechs Fahrer dürfen nicht weiterfahren wegen erheblicher Verstöße. Insgesamt stellen die Beamten etwa 190 Verstöße in sechs Stunden fest.

Diese Bilanz zeigt, warum Frank Kubicki, neuer Leiter der Düsseldorfer Verkehrsdirektion und damit auch Chef der Autobahnpolizei, die Lkw-Kontrollen zu einem neuen Schwerpunkt macht. "Es ist unglaublich, was sich in manchen Fahrerkabinen so abspielt", sagt Kubicki. "Das müssen wir mit besserer Überwachungstechnik dringend mehr in den Fokus nehmen."

Denn die Bereitschaft und der Einfallsreichtum bei Unternehmern, mit technischen Tricks zu manipulieren, sei groß, demonstriert die Polizei. Da wird ein Fahrtenschreiber etwa mit einem Knopf, der wie ein Fensterheber aussieht, ausgeschaltet und dafür ein Reservegerät mit einwandfreien Daten aktiviert. "Das können wir auf Autobahnen nicht hinnehmen", sagt Norbert Wesseler.

Wie diese Daten aussehen, zeigt Christian Peters von der Mönchengladbacher Wache. Ein USB-Stick mit spezieller Schnittstelle wird am Computer ausgelesen. Und schon werden die Lenk-, Ruhe- und Arbeitszeiten der vergangenen vier Wochen auf die Minute angezeigt. Dieser Fahrer eines litauischen Lkw hat mehr als 20 Verstöße in nur vier Wochen angehäuft - macht mehr als 1000 Euro Bußgeld für den Chef. "Die Fahrer", sagt Stephan Voßenkaul, "sind das schwächste Glied in der Kette."

Quelle: RP
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