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Mönchengladbach
Armut im Alter geht auch junge Menschen an

Mönchengladbach. Das Bündnis für Menschenwürde und Arbeit organisiert am 16. April eine Konferenz zum Thema Altersarmut. Von Angela Rietdorf

Als Sprachrohr für die Menschen, die im reichen Deutschland in Armut leben, versteht sich das Bündnis für Menschenwürde und Arbeit, das 2005 in Mönchengladbach gegründet wurde. "Wir wollen mehr Gerechtigkeit für die, die am Rande der Gesellschaft leben", sagt Renate Müller vom Bündnisrat. Zu dieser Gruppe am Rande gehören in zunehmendem Maße alte Menschen. Deshalb will das Bündnis Öffentlichkeit für dieses Problem schaffen und organisiert eine Konferenz. Das Besondere: Es sollen nicht nur Experten zu Wort kommen, sondern auch Betroffene und junge Leute.

In Mönchengladbach leben mehr als 54.000 Menschen über 65 Jahre. Mehr als 4400 davon beziehen die Altersgrundsicherung, die zwischen 320 und 399 Euro beträgt. So berichtet der Bündnisbrief. "Vor 25 Jahren betraf die Altersarmut eine eher kleine Gruppe", sagt Renate Müller. "Aber politische Entscheidungen, die in den 1990er Jahren getroffen wurden, führen nun zu einem immer größer werdenden Problem." Im großen Niedriglohnsektor und der Senkung des Rentenniveaus sieht sie Gründe für die wachsende Armut im Rentenalter. "Geringverdiener müssen mehr als 63 Jahre arbeiten, um eine Rente zu erhalten, die auch nur der Grundsicherung entspricht", sagt sie. Und die Riesterrente erreiche diejenigen nicht, die es nötig hätten.

In der am 16. April stattfindenden öffentlichen Konferenz soll der Blick aus verschiedenen Perspektiven auf die Altersarmut gerichtet werden. "Wir wenden uns gezielt an Betroffene, von denen einige aus ihrem Leben erzählen werden, aber auch an Initiativen und Verbände", erklärt Wolfgang Fels, der Geschäftsführer des Bündnisses. Den Veranstaltern ist es wichtig, auch die jungen Leute zu erreichen. So sollen auch Schüler des Gymnasiums am Geroweiher an der Konferenz teilnehmen. "Der Konflikt zwischen Alt und Jung wird künstlich herbei geredet", meint Fels. "Eigentlich sind es die Jungen, die es am meisten angeht, obwohl das Thema für 16-Jährige natürlich noch sehr weit weg scheint." Es seien schließlich die Jungen, die den politischen Druck machen müssten, wenn sich etwas ändern soll.

In der Konferenz wollen sich die Teilnehmer mit der vertiefenden Analyse der politischen Entscheidungen beschäftigen, die zur Altersarmut führen, aber auch Alternativen erarbeiten und eine Erklärung formulieren. "Altersarmut ist kein rein materielles Problem, sondern es geht auch um die Menschenwürde", stellt Wolfgang Fels fest.

Die Veranstaltung findet am kommenden Samstag zwischen 9.30 und 15.30 Uhr in den Räumen des Volksvereins an der Geistenbecker Straße statt. Sie soll für ein Thema sensibilisieren, das auch andere Gruppen wie die Katholische Arbeitnehmerbewegung oder die Gewerkschaften gerade wieder entdecken. "Wir werden auch nach der Konferenz an dem Thema dranbleiben", verspricht Fels.

Quelle: RP
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