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Mönchengladbach
Auf Schatzsuche unter der Ueddinger Linde

Mönchengladbach: Auf Schatzsuche unter der Ueddinger Linde
Sechs Meter hoch, zweieinhalb Meter Umfang und fast 500 Jahre Lebensalter: Schon der Anblick der Linde hat etwas Sagenhaftes. FOTO: detlef ilgner
Mönchengladbach. Zum Auftakt der Heimat-Serie geht es unter die Erde: Vor rund 400 Jahren sollen Soldaten unter einem Baum einen Schatz vergraben haben. Noch heute, so die Sage, beschützen ihn Geister. Von Tim Specks

Noch hat ihn niemand entdeckt, aber irgendwo muss er doch sein. Tief unter der Erde, versteckt zwischen den dicken Wurzeln der Linde, die dort seit Hunderten von Jahren über ihn wacht. Wie genau er aussieht, wie schwer er ist, ob sich die Suche nach ihm überhaupt lohnt, das weiß niemand so genau. Er, das ist der Schatz, den hessische Soldaten vor fast 400 Jahren unter dem mächtigen Baum An den Hüren in Uedding vergraben haben sollen - zumindest, wenn man einer Sage Glauben schenkt, die seit Jahren in Gladbach erzählt wird.

Einer, der bei der Suche nach dem Schatz helfen könnte, ist Hans-Peter Bolten. Der 63-Jährige ist erster Vorsitzender der Heimatfreunde Neuwerk - mit Sagen und Geschichten über die Linde aus dem Ueddinger Feld müsste er sich also auskennen. Wer ihn aber auf den vermeintlichen Schatz anspricht, dem bringt er vor allem ein müdes Lächeln entgegen. "Diese Geschichte hält sich seit Langem", sagt Bolten. "Einen Beweis jedoch gibt es dafür nicht." Warum aber hält sich die Sage vom Schatz unter der Linde dann so hartnäckig?

Das könnte an der Geschichte liegen, die um ihn herum erzählt wird. Sie beginnt im 16. Jahrhundert. "Damals stand neben der Linde eine kleine Kapelle", erzählt Hans-Peter Bolten. Das Huppertz-Hilligen-Hauß, so der Name der Kapelle, gehörte zum Huppertz-Hof in Uedding - bis sie hessischen Soldaten zum Opfer fiel. "Angeblich haben die Hessen die Kapelle nach dem 30-Jährigen Krieg niedergebrannt", sagt Bolten. Nachdem die Soldaten die Kapelle zerstört hatten, sollen sie - so will es die Sage - an ebendieser Stelle einen Schatz vergraben haben. Was genau aber dort versteckt ist, darüber ist bis heute nichts bekannt.

So hartnäckig wie die Geschichte vom Schatz hält sich in Uedding auch das Gerücht, die Suche nach ihm sei extrem gefährlich. "In besonders dunklen Nächten soll an der Stelle, an der der Schatz vergraben ist, eine blaue Flamme brennen", sagt Geschichts-Experte Bolten. Und damit nicht genug: Wer nach dem Schatz sucht, wird angeblich von Geistern heimgesucht. "Das ist natürlich nicht beweisbar", sagt Bolten. Dem Mythos des Schatzes unter der Linde aber tut dies sicher keinen Abbruch.

Bis heute hat niemand eine blaue Flamme auf dem Ueddinger Feld lodern sehen, noch erzählte bislang jemand von Begegnungen der übernatürlichen Art. Die einzig echte Spur zurück zum Dreißigjährigen Krieg ist ein Bildstöckchen, das unscheinbar neben der alles überragenden Linde steht. Nachdem die Kapelle Mitte des 17. jahrhunderts zerstört worden war, stellten einige Ueddinger an dieser Stelle ein Bildstöckchen auf. "Es war aus Holz - deswegen musste es immer wieder durch ein Neues ersetzt werden", sagt Bolten. Zuletzt war das 1946 der Fall. "Alteingesessene Ueddinger" so Bolten, "stifteten ein Bildstöckchen aus Eichenholz." Darauf zu sehen ist ein Marienbild.

Trotz der vielen Mythen, die sie umgeben, ist die Linde heute aus der Wahrnehmung vieler verschwunden. "Früher stand sie einsam auf dem Feld, jeder konnte sie sehen", erinnert sich Bolten. Heute ist sie umgeben von Häusern und dem Ueddinger Friedhof - und für manchen ein überdimensionaler Dorn im Auge. "Viele beschweren sich über die Linde und sie steht tatsächlich etwas ungünstig, wenn man zum Beispiel zum Friedhof fahren will."

Nicht nur der Mythos der Linde, auch der Baum selbst hat mittlerweile mit den Zeichen der Zeit zu kämpfen. Zwischen 400 und 500 Jahre ist er alt - das geht auch an einem Lebewesen mit zweieinhalb Metern Umfang nicht spurlos vorbei. "Immer wieder musste sie beigeschnitten werden. Nachdem ein Auto sie gerammt hatte, drohte sie sogar, umzustürzen", erinnert sich Bolten. Auch dank des Einsatzes der Stadt aber habe sie bis heute die Jahre überdauert. Trotz der Probleme, die die Linde den Ueddingern hin und wieder bereitet - sie zu fällen, kommt für Bolten nicht infrage: "Sie gehört einfach zum Dorf." Und wer weiß - vielleicht taucht er ja irgendwann doch auf, der Schatz unter der Linde.

Quelle: RP
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