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Mönchengladbach
Barbershop-Rock ohne Stock

Mönchengladbach. Die Oldieband Los Seniores spielt Goldie-Hits der Rock 'n' Roll-Ära. Da zwei Friseurmeister im Team mitspielen, proben die jung gebliebenen Senioren regelmäßig in einem Friseursalon. Sonntag spielen sie im Graefen + König. Von Dirk Richerdt

Günter Langanke markiert mit dem Schlägel vier Zähler auf dem Rand seiner Snaredrum, dann setzen alle ein: "You can dance", eröffnet Sänger Reiner Kehren (69) den Song "Keep a-knockin" von Little Richard. Der Sound dringt roh und ungeschminkt aus den kompakten Kofferverstärkern, vor allem aber grundehrlich. Danach stimmen die vier älteren Herren mit "Hello Josephine" einen Titel von Fats Domino an. Alle vier haben Mikrofone vor sich, denn die vier Mitglieder der Band Los Seniores singen auch.

Wir sind nicht in der Hamburger Kultrockkneipe Onkel Pö mit ihrer Rentnerband, die Udo Lindenberg so gern besungen hat, sondern im Kleinen Salon, einem Friseurgeschäft an der Sandradstraße in der Gladbacher Altstadt. Hier schneiden tagsüber der Inhaber, Friseurmeister Reiner Kehren, und sein Kollege Günter Langanke ihren Kunden die Haare. Doch einmal in der Woche werden die Frisierstühle beiseitegeschoben, die Haarschneider und Föne vom Stromnetz getrennt und stattdessen Verstärker eingestöpselt. Dann proben Los Seniores für ihren nächsten Auftritt. Umrahmt von nostalgischen Bildern, Fotos, sprießendem Grün und Dekoration.

Vor sechs Jahren, berichtet Rhythmusgitarrist Dieter Jennessen, fand sich auf Initiative der beiden musikbegeisterten Friseure und Jennessens das Kernteam der Band zusammen, die sich seither in der Region Mönchengladbach mit ihrem in keck variiertem Spanisch geschriebenen Namen viele Freunde gemacht hat. Kommenden Sonntag, 18 Uhr, werden sie im Altstadt-Lokal Graefen + König ihr Programm "Rock am Stock live" präsentieren. "Wir wollen mit diesem Konzert Menschen jedes Alters ansprechen", erklärt Clubinhaber Uwe Schmitz. Das soll einmal im Monat zur Tanztee-Zeit wiederholt werden. "Wir nehmen dafür keinen Eintritt", betont Schmitz, "jedenfalls nicht bei den ersten vier Konzerten." Der Begriff Tanztee ist nostalgisch, passt aber zum Konzept: "Das hat eine lange Tradition", erläutert Uwe Schmitz, "zum Tanztee gingen früher sonntagnachmittags die Menschen, um gute Bekannte zu treffen." Und um ausgelassen zu tanzen. Am 17. Januar ist das im Graefen + König am Alten Markt möglich, von 18 bis 21 Uhr.

Dass die Seniores allesamt im Rentenalter sind, versucht das muntere Quartett in der Besetzung Lead-Gitarre (Reiner Kehren), Rhythmusgitarre (Dieter Jennessen), Bass (Michael Reiner) und Schlagzeug (Günter Langanke) gar nicht zu vertuschen. "Zusammen bringen wir mehr als 280 Jahre zusammen", hat Jennessen errechnet, ein Durchschnittsalter von 70 plus. "Je oller, je doller", gibt Friseurmeister Kehren, der an seiner E-Gitarre mit Plektrum souverän sogar kleine virtuose Kunstwerke zupft, als Motto aus. Wenn sie musizieren, spürt man den vier reifen Herren an, wie viel Spaß ihnen das bereitet. Das ist ihr Jungbrunnen. Und schon haut Langanke wieder auf Tomtom, Snaredrum und Hi-Hat und bestätigt so den Songtext: "Everybody's going out and having fun" von Johnny Cash. So soll es sein.

Quelle: RP
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