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Mönchengladbach
Der Traum vom Hilfsprojekt in Afrika

Mönchengladbach: Der Traum vom Hilfsprojekt in Afrika
Elvira und Foday Jatta (Bild unten links) setzen sich seit Jahren für Projekte in Afrika ein. FOTO: Jatta
Mönchengladbach. Das Ehepaar Jatta unterstützt seit Jahrzehnten Menschen in Gambia. Es zahlt Schulgeld, stiftet Alltagsgegenstände und unterstützt einen Jugendfußballclub. Jetzt träumt es von einer Ölpresse, die Afrikanern zu einem Job verhelfen könnte. Von Gabi Peters

Elvira und Foday Jatta sind seit 22 Jahren verheiratet. Die Mönchengladbacherin hatte ihren Zukünftigen anderthalb Jahre zuvor auf einem Reggae-Festival in Wildenrath kennengelernt. Foday Jatta kommt aus Gambia und hat längst die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen, aber durch seine große Familie ist er immer in seinem Heimatland verwurzelt. Und auch Elvira Jatta hat ihr Herz für Afrika entdeckt. "Ich bin in Gambia unwahrscheinlich herzlich aufgenommen worden", sagt Elvira Jatta. Die Menschen dort seien sehr höflich. Man merke, dass das Land einmal eine britische Kolonie war. "Die Menschen dort haben viel von den Engländern übernommen", berichtet sie.

Hungern bräuchte in Gambia niemand, aber die Menschen dort hätten nicht viel. Reis sei das Grundnahrungsmittel, dazu gebe es meistens selbst angebautes Gemüse und Trockenfisch. Fleisch werde höchstens an Feiertagen serviert. Die Familien seien sehr groß. "Mein Mann hat 200 Verwandte", erzählt Elvira Jatta. Eigentlich bestehe Schulpflicht in Gambia, die Grundschule sei auch kostenlos, aber der Besuch von weiterführenden Schulen koste viel Geld. Die meisten könnten sich das nicht leisten.

FOTO: Jatta

Seit 20 Jahren zahlt das Ehepaar Jatta das Schulgeld für die Mädchen der Familie in Gambia. Es hat Geld für neue Schulbänke gesammelt, unterstützt einen Jugendfußballclub, indem es das Startgeld für Turniere zahlt. Es schickte einen alten, aber funktionstüchtigen Traktor per Container nach Gambia. Und es bringt immer wieder einmal Kleidung und Alltagsgegenstände in Foday Jattas alte Heimat. "Wir haben die Garage voll von Dingen, die Menschen hier in Deutschland aussortiert haben, die in Gambia dankend angenommen werden: Töpfe, Pfannen, Schränke, nur kein Glas und Porzellan. Davor haben die Menschen in Gambia Angst, weil sie kaputtgehen können", sagt Elvira Jatta. Immer wenn genügend Geld beisammen ist, schickt das Ehepaar einen Container. Im Moment ist es noch nicht soweit. "So ein Container ist teuer", sagt Elvira Jatta. Sie arbeitete früher als Lehrerin und hat mit ihren Klassen viele Afrika-Projekte gemacht. "Ich war manchmal erstaunt, was die Schüler dabei alles erarbeitet haben. Dabei haben sie Dinge recherchiert, die noch nicht einmal ich wusste."

Foday Jatta gehört zum Volk der Mandinko. Dort sei es Tradition, dass die jungen Männer nach der Ernte auf Wanderschaft gehen, um Geld für die Familie zu verdienen, sagt Elvira Jatta. Heute wollten viele nach Europa und nähmen dafür eine gefährliche Reise über das Mittelmeer in Kauf. "Gerade sind wieder zwei Männer, die wir kannten, dabei gestorben. Sie waren 18 und 20 Jahre alt."

FOTO: Jatta

Elvira Jatta will nicht, dass die jungen Männer ständig ihr Leben aufs Spiel setzen. Am besten, man schafft Arbeitsplätze im Land, dachte sie sich - und suchte nach Ideen. Eine hat sie schon. Sie hat mit dem Moringa-Baum zu tun. Das Gehölz wächst auch in Gambia und soll eine echte Wunderwaffe sein. "Die Rinde, die Blätter, die Wurzeln, die Blüten - alles ist verwertbar", sagt Elvira Jatta. Und angeblich helfen Extrakte des Baumes gegen 300 Krankheiten. Zuerst hatte die Mönchengladbacherin die Idee, getrocknete Blätter für Tee zu verkaufen. Doch dafür brächte sie ein Bio-Zertifikat. "Das ist zu teuer für uns", sagt sie. Jetzt will sie es mit dem Öl versuchen, das aus den Samen des Baumes gewonnen wird. Das gibt es bereits in Deutschland in ausgewählten Geschäften zu kaufen.

Mit den Ältesten im Dorf haben Elvira und Foday Jatta schon über die Idee gesprochen. Sie seien begeistert gewesen. Nun will die pensionierte Lehrerin es erst einmal im Kleinen mit einer Öldruckpresse versuchen. "Ich habe noch keine Ahnung, wie viel Samen man für wie viel Öl man braucht und wie man in Gambia an leere Flaschen kommt", sagt sie.

FOTO: Jatta

Sie sei zwar noch unerfahren, aber "ich habe auch Angst, dass ich zu alt werde". Und es nichts mehr wird aus dem Projekt, das möglicherweise Arbeitsplätze für die Menschen in Gambia schafft, erklärt Elvira Jatta.

Aber erst einmal müssen Elvira Jatta und ihre Mann Geld zusammen bekommen - um die Ölpresse zu kaufen und um endlich den Container mit den Hilfsgütern auf den Weg nach Afrika zu schicken.

Nähere Informationen unter elvira-jatta@t-online.de.

Quelle: RP
 
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