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Mönchengladbach
Ein Bingo, bei dem alle gewinnen

Mönchengladbach: Ein Bingo, bei dem alle gewinnen
Sie verbringen Freizeit zusammen und sorgen für eine interessante Partnerschaft (v.l.): Schulleiter Lutz Wormuth, Miguel (14), Marlis Hecker (75), Nico (14), Schulsozialarbeiterin Julia Prill, Nico (15) und Heimleiterin Iris Hanka. FOTO: Jörg Knappe
Mönchengladbach. Seit 20 Jahren pflegen die Anne-Frank-Schule und das Altenheim Eicken ihre Partnerschaft. Von Sabine Winkler

"Die 21... die 67 und die ... 18..." -"Bingo!," ruft es laut aus den Reihen. Die Trommel mit den nummerierten Holzkügelchen dreht sich immer weiter, es geht Schlag auf Schlag. In der Cafeteria des Städtischen Altenheims Eicken ist diese Atmosphäre jeden Donnerstag Alltag. Ab 10 Uhr ist Bingo-Zeit. Mit dabei sind immer sechs Schüler der achten Klasse und ein Begleitlehrer des Förderzentrums Nord.

"Bingo fasziniert. Die Bewohner lieben es!", stellt Iris Hanka, Einrichtungsleiterin in Eicken, fest. Dass Bingo der Renner bei den Senioren ist, war nicht immer so. Seit nun 20 Jahren kooperiert das städtische Altenheim mit dem Förderschulzentrum Nord, damals Anne-Frank-Schule. Zu Beginn haben die Schüler mit den Altenheimbewohnern Spieleabende und Ausflüge, etwa Spaziergänge im Wald, gemacht. "Auch Computerkurse in den 90er Jahren waren dabei," erinnert sich Hanka. Marlies Hecker ist 79 Jahre alt und lebt seit 13 Jahren im Eickener Heim an der Thüringer Straße. Sie hat die Zusammenarbeit mit der Anne-Frank-Schule seit Anbeginn kennengelernt. "Ein Tag ohne Bingo geht gar nicht," freut sich die Rentnerin. Sie findet es gut, mit den jungen Menschen zusammen zu kommen. "Wenn Ferien sind und die Mitarbeiter Bingo machen, dann ist das einfach nicht das Gleiche", findet sie. Das generationsübergreifende Angebot hat auch Nico Lampka neugierig gemacht. Der 14-jährige fährt mit seinen fünf Klassenkameraden jeden Donnerstag zur dritten Stunde mit dem Bus nach Eicken. Hier sagt er Bingo-Zahlen an und verteilt Gewinne. "Man muss manchmal aufpassen. Der eine oder andere möchte auf keinen Fall neben bestimmten Leuten sitzen", lacht der Teenager.

Pädagogisch begleitet werden die Schüler, die sich freiwillig melden, von Julia Prill. Sie ist Schulsozialarbeiterin und seit einem Jahr Teil dieses beispielhaften Projektes. "Es wollen viel mehr mitmachen, als Kapazitäten da sind", weiß sie, "aber es ist wichtig, dass es eine feste Runde ist, auf die sich die Bewohner verlassen können." Das kann Lutz Wormuth, Leiter der Anne-Frank-Schule bestätigen. Ihm geht es vor allem darum, Kompetenzen seiner Schüler zu stärken."Sie lernen, auf Menschen zuzugehen, laut und deutlich zu reden", berichtet er.

In den 20 Jahren kam es deswegen oft zu Praktika, Ausbildungen und Ehrenämtern. Wie bei Lara Berg, die die Bewohner in Eicken seit letztem Sommer mit betreut. Eigentlich wird jedes Schuljahr die Schülergruppe für das Projekt neu gemischt. Lara durfte aber noch einmal mitmachen. Inzwischen führt sie zusätzlich ein Ehrenamt aus und geht mit den Senioren kegeln. "Ich möchte in dem Beruf arbeiten. Ich mag es, wenn ich mich mittags mit den Menschen unterhalten kann und sie sich freuen", erklärt die Schülerin. Heimleiterin Iris Hanka hofft, dass das Projekt möglich lange fortgeführt wird. Mindestens die nächsten 20 Jahre: "Ob wir dann noch Bingo spielen oder mit Tablets da sitzen, wird sich zeigen.

Quelle: RP
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