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Mönchengladbach
Fotografie jenseits der Fotografie

Mönchengladbach. Kein Mensch, den die Besucher der Fotoausstellung "Kreationen und Blessuren" sehen, existiert. Die Porträts zeigen Mischwesen aus vielen Studierenden der Kulturpädagogik, die diese Bilder unter der Leitung von Prof. Dr. Theodor M. Bardmann geschaffen haben. Von Ansgar Fabri

Wer die Ausstellung in der dritten Etage des Gebäude S der Hochschule (Richard-Wagner-Straße 101) besucht, spürt auf den ersten Blick, dass etwas nicht stimmt, noch bevor er erkennt, was unstimmig ist: Köpfe wirken deformiert, Gesichter verschoben, Augenpaare weisen verschiedene Farben auf. Bei anderen Bildern ist das Abnorme offensichtlich: Frauen mit Bärten, Männer mit Busen. "'Composit Portraits' heißt dieses Konzept", erklärt der Student Paul Schmoranze: "Wir haben Personen zerlegt und neu komponiert. Wir haben Fotos bemalt, zerstochen und verletzt. Wir haben dem Vorhandenen Schmerz zugefügt, um Neues daraus zu schaffen." Die drastische Beschreibung trifft es: Auf einem Bild richtet ein Mann eine Pistole auf seinen Mund, die Leinwand, auf der sich das Foto befindet, ist am Hinterkopf zerfetzt. Durch andere Bilder ziehen sich Wollfäden, die auf der Rückseite des Bildes ein neues Motiv ergeben.

"Fotografie jenseits der Fotografie", so beschreibt der Soziologe und Fotograf Bardmann die Idee und erklärt den größeren Zusammenhang, in dem er die Arbeiten sieht: "Gentechnik, Schönheits-OPs und Bildbearbeitungen - die Räume der Gestaltbarkeit unserer Körper sind enorm gewachsen. Die Ausstellung ist eine Möglichkeit sich damit auseinanderzusetzen."

Quelle: RP
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