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Mönchengladbach
Im Krankenhaus Neuwerk lernten Hebammen und Ärzte aus Fehlern

Mönchengladbach. Teamtraining und Fehlerberichtssysteme - das kennt man aus der Luftfahrt, aber seltener aus der Medizin. Doch das ändert sich. Am Samstag boten die Trainerinnen Christiane Schwarz und Patricia Gruber im Krankenhaus Neuwerk eine Fortbildung mit Simulationen möglicher Notfallsituationen an. Für die Hebammen und Ärzte dort war es die erste praktisch orientierte Veranstaltung dieser Art. Dabei geht es darum, aus Fehlern zu lernen und die Schuld beim System und nicht beim Mitarbeiter zu suchen. Von Nele Elson

Denn die physische und psychische Belastung in medizinischen Berufen ist hoch: etwa durch 48-Stunden-Dienste bei Ärzten und Personalmangel. Außerdem müssen Hebammen und Ärzte im Kreißsaal im Team arbeiten und schwierige Entscheidungen treffen. "Wir trainieren mit dem gesamten Team, um uns zu verbessern", sagte Chefarzt Dr. Ralf Dürselen.

Zum Lernen aus Fehlern kamen in den vergangenen Jahren sogenannte Fehlerberichtssysteme wie das Critical Incident Reporting System (CIRS) hinzu. Dabei handelt es sich um eine Datenbank oder Plattform, in der Fehler vermerkt werden. Das CIRS geht auf den englischen Psychologen James Reason zurück, dessen Forschung als Schweizer-Käse-Modell bekannt wurde. Das Modell vergleicht Sicherheitsebenen mit den Scheiben eines Käses. Die Löcher im Käse stehen für die Unvollkommenheit von Sicherheits- und Schutzmaßnahmen. Diese Schwachstellen bzw. Löcher können unerwartet ihre Größe und Lage verändern. So kann eine Kette menschlicher Fehler zu einem Zusammenbruch des ganzen Systems führen.

Für die Übung im Neuwerker Krankenhaus spielte eine der Trainerinnen eine Schwangere. Mit einer Pumpe wurden Herztöne des Kindes simuliert, die "Schwangere" wurde an den Tropf gehängt. Sie simulierte starke Schmerzen. Die Hebammen und Ärzte nahmen nun den Platz der Handelnden bei der Geburt ein. Dabei machte die "Oberärztin" so ziemlich alle Fehler, die man begehen kann: Sie schrie die Patientin an "Du musst jetzt mitmachen, sonst stirbt dein Kind" und verließ den Kreißsaal einfach, als es ihr zu viel wurde.

Die Hebammen mussten in dieser Situation ihre Hemmungen verlieren, eigenbestimmt handeln und die Anweisungen der "Ärztin" ignorieren. "Die soziale Angst ist größer als die Angst vor dem Tod", stellte Dürselen fest. Während der Simulation flüsterte die "Assistenzärztin" der "Oberärztin" ins Ohr: "Das machen wir lieber nicht." Die Hebammen handelten so, wie sie bei einer Geburt handeln sollten. Es wurden neben Vorträgen noch weitere Simulationen geübt. Diese wurden im Team ausgewertet.

Patricia Gruber und Christiane Schwarz arbeiteten viele Jahre lang als Hebammen und haben noch einmal studiert. Schwarz promovierte im vergangenen Jahr. Während sie einen pädagogischen Hintergrund als Hebammen-Lehrerin hat, verfügt Gruber über den arbeitswissenschaftlichen Hintergrund. Die beiden lernten sich 2007 kennen und stellten fest, dass sich ihre Arbeitsweisen gut ergänzten. Im vergangenen Jahr führten sie 110 Übungen durch.

Quelle: RP
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