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Mönchengladbach
Kampf der Kliniken gegen Computer-Viren

Mönchengladbach: Kampf der Kliniken gegen Computer-Viren
Auch im Elisabeth-Krankenhaus wird die Visite digital unterstützt: Alexandra Kamenoobrodska, Ärztin im Zentrum für Geriatrie, und Chefarzt Dr. Thomas Jaeger mit dem Visitmobil. FOTO: Isabella Raupold
Mönchengladbach. Digitale Patientenakte, Visite mit Computer oder Tablet - je digitaler Krankenhäuser arbeiten, umso größer ist der Aufwand, die Systeme vor Attacken zu schützen. Auch die Gladbacher Kliniken sind mitunter Ziel von Hackern. Von Andreas Gruhn und Angela Rietdorf

Ein neuartiger Virus beschäftigt derzeit auch die Mönchengladbacher Krankenhäuser. Dabei handelt es sich aber nicht um eine für Menschen gefährliche Erkrankung, sondern um den digitalen Virus, der über mehrere Tage das Neusser Lukas-Krankenhaus und weitere Kliniken im Lande lahmgelegt hat. Die gefährlichen E-Mails mit dem infizierten Anhang erreichten auch die Kliniken Maria Hilf. Dort ist nach Auskunft des Geschäftsführers Andreas Lahm aber kein Schaden entstanden. Dabei wurde aber offensichtlich, wie geschickt der Virus getarnt ist: nämlich als E-Mail, die einen Faxversand imitiert, und auch der Absender hatte eine ähnliche Adresse wie die im Maria Hilf übliche. "Die im Anhang enthaltenen Makroviren sollten wahrscheinlich eine Schadsoftware herunterladen", sagte Lahm. "Das wurde durch unsere Firewall aber unterbunden."

Auch in den anderen Krankenhäusern der Stadt hatte der Virus offenbar keinen Erfolg. Der Fall zeigt aber, wie wichtig es ist, dass sich die Kliniken gegen digitale Attacken wappnen. Dazu wird großer Aufwand betrieben. Die Kliniken Maria Hilf unterhalten eine große IT-Abteilung, die alle Sicherheitseinstellungen stets auf dem neuesten Stand halten muss. Die Schutzvorrichtungen wie separate Antiviren-Programme, aktuellste Virendefinitionen und Firewalls erfordern sehr hohen Aufwand der Anwender. "Das ist auch manchmal lästig, aber es bleibt keine Alternative", sagt Lahm. Die Datenbanken im Maria Hilf sind streng separiert. "Deshalb kann ich mir bei uns einen Komplettabsturz nicht vorstellen", sagt Lahm. Im Elisabeth-Krankenhaus ist Ralf Klinger als Leiter der IDV-Abteilung (Individuelle Datenverarbeitung) dafür zuständig, die Kliniksysteme virusfrei zu halten. "Ohne Internet und Mailing geht es nicht mehr", sagt Klinger. Auch die Visite findet in sehr weiten Teilen digital statt: Dazu gibt es auf jeder der 20 Stationen mindestens zwei Wagen mit Computer, genannt Visitmobil. Dort können Arzt und Schwester die Patientenakte abrufen - ganz ohne Papier. "Wir haben einen hohen Grad der Digitalisierung erreicht", sagt Klinger. Das gilt für nahezu alle Kliniken. Umso wichtiger ist der Schutz.

Zwei Attacken verdeutlichen dies: Im Eli tauchte im Sommer ein Computer-Virus auf, der sich aufgrund der Schutzmaßnahmen nur auf einen kleinen Bereich ausdehnte. Die IT-Spezialisten spürten ihn auf, entkoppelten das entsprechende Netzwerk und entfernten den Schädling. Und im Maria Hilf wurde ein digitales Dokument von außen verschlüsselt. Gegen Bezahlung bot der Hacker an, den Schlüssel wieder zu entfernen - ein Erpressungsversuch. Pech: Die Klinik schaffte das selbst.

Einzig das Krankenhaus Neuwerk will sich nicht zur Bedrohung durch Computer-Viren und hausinterne Abwehrmaßnahmen äußern. Helmut Häfner, Geschäftsführer des evangelischen Krankenhauses Bethesda der Johanniter, teilte hingegen mit: "Wir nehmen viel Geld für die IT-Sicherheit in die Hand, jeden Tag ein bisschen mehr." Schließlich sei die Abhängigkeit von der EDV enorm hoch. "Die Infrastruktur ist davon abhängig", erklärt Häfner. "Wir wären erheblich gehandicapt, wenn sie ausfiele. Wir könnten zwar weiterarbeiten, aber wesentlich langsamer." Momentan sicherten die Firewalls erfolgreich die Datenverarbeitung und Kommunikation des Krankenhauses. Alle Mitarbeiter seien sensibilisiert und angehalten, keine Anhänge von E-Mails zu öffnen und keine Links anzuklicken.

Auch die anderen Kliniken veröffentlichten intern entsprechende Warnungen. Dennoch wird auch im Bethesda darüber nachgedacht, Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken und E-Mail-Anhänge nochmals zusätzlich zu überprüfen. Grundsätzlich habe sich an der allgemeinen Bedrohungslage nichts geändert. "Krankenhäuser können Ziel von gezielten Angriffen oder auch von aus Langeweile programmierten Viren sein", so Häfner. "Wir müssen versuchen, alle draußen zu halten. Das ist ein bisschen wie bei Hase und Igel." Er sei seit zehn Jahren im Geschäft - und das Thema gewinne stetig mehr an Bedeutung.

Quelle: RP
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