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Mönchengladbach
Aus der Choreografie-Werkstatt

Mönchengladbach. Zehn Tänzer aus Robert Norths Compagnie versuchen sich als Choreografen. Am Sonntag zeigen sie die Arbeiten eines Jahres im Studio. Die Premiere ist ausverkauft, es gibt aber noch fünf weitere Termine. Von Armin Kaumanns

Polina Petkova strahlt vor lauter freudiger Erwartung. Die erfahrene Tänzerin aus der Compagnie des Ballettchefs Robert North erzählt mit großen braunen Augen von dem, was sie und ihre Kolleginnen und Kollegen am Sonntag vorhaben: Sie alle zeigen eigene Choreografien. Für die meisten ist es das erste Mal, dass sie sich nicht nach Anweisungen eines Ballettchefs bewegen, sondern selbst Ideen entwickelt haben, wie sie ein Stück Musik in Tanz umsetzen können. "Choreografie-Werkstatt" heißt das Format, das jetzt, am Ende der Spielzeit, für insgesamt sechs Vorstellungen auf die Studio-Bühne kommt. Unter dem ziemlich sachlichen Titel versammeln sich jedoch viele und junge Herzensangelegenheiten.

Seit 2008 hat es so etwas nicht gegeben. Damals hatten sich eine Handvoll Tänzer im Choreografieren ausprobiert, seitdem war (und ist eigentlich noch immer) der Spielplan für die Tänzer zu dicht, um auch noch Zeit für Experimente abzuknapsen. Denn neben zwei Neuproduktionen stehen jährlich zwei Übernahmen und jede Menge Dienste in Operette und Musical auf dem Dienstplan, der überdies nicht mehr als sieben Stunden künstlerische Arbeit pro Tag erlaubt. So lasst sich auch erklären, warum die Pläne fürs Großprojekt seit ziemlich genau einem Jahr meist an den Rändern der täglichen Arbeit nach und nach Gestalt annahmen. "Wo wir überall Hilfe und Unterstützung gesucht haben, haben wir sie auch bekommen", sagt Polina Petkova zurückblickend und nennt neben Ballettchefin Sheri Cook, die die Proben begleitet und koordiniert, den Abend letztlich zusammengesetzt hat, auch Kollegen aus der Kostümabteilung und im Musik-Bereich. Denn fast immer mussten Musikstücke anders zusammengeschnitten, mitunter sogar erst aufgenommen werden; für Kostüme für die Tänzer war fast kein Etat da, außerdem begrenzt der Raum, der neben der Studiobühne gelegen ist, die Möglichkeiten für rasche Kostümwechsel.

Elf Stücke sind es geworden, zehn Tänzer haben sie sich ausgedacht. "Jeder von uns hatte eine Idee von dem, was er erzählen wollte; bei mir war das jedenfalls so, dass auch die Musik dabei war. Und dann haben wir die Bewegungen in den Proben versucht und ausgefeilt." Polina Petkova spricht von dem spannenden, fremden Arbeiten mit Körpern der Anderen. Vom Perspektivwechsel und der Suche nach Ausdruck. Sie erzählt zum Beispiel mit drei Paaren auf Musik von Vivaldi eine Geschichte von der Begegnung zwischen Barock, Klassik und Moderne, der Konkurrenz der Stile und einer möglichen Versöhnung. "Frieden" hat sie das Stück genannt und zeigt damit auf weite Dimensionen. Der Abend, der knapp zweieinhalb Stunden (inklusive Pause) dauern wird, führt an vielen tänzerischen, menschlichen, gesellschaftlichen Themen vorbei, die mal ernst, mal sportlich, mal witzig aufbereitet werden. Viele verschiedene Musik- und Ausdrucksstile sind aufgereiht, bevor am Ende sich der Kreis schließt zu "Shalom" - dem jüdischen Wort für Frieden, dem der Japaner Takashi Kondo seine Gestalt eingeprägt hat.

"Einige von uns haben sich am Stil von Robert (North) orientiert, andere ganz Anderes ausprobiert. Das war für uns alle - fast das ganze Ensemble steht ja auf der Bühne - sehr spannend gewesen", sagt Polina Petkova. Ein Tänzer spielt bei einem Stück sogar Klavier, verrät sie. Der sei wohl besonders aufgeregt. Das Interesse unter den Ballettfans an diesem jungen Abend ist jedenfalls riesig: die Premiere ist ausverkauft.

Termine: Choreografie-Werkstatt (Uraufführung) 12., 19., 23., 29. Juni, 1., 10. Juli, jeweils 20 Uhr

Quelle: RP
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