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Mönchengladbach
Ode an die Freude und das Geheimnis der Unschärfe

Mönchengladbach. Benedikt Richert stellt bei Börgmann aus - mit Verweisen auf seinen Großvater, den Physiker Werner Heisenberg. Von Armin Kaumanns

Seitdem Benedikt Richert an der HdK in Berlin zum Meisterschüler ernannt wurde, das war 2008, interessiert sich die Galerie Börgmann für den inzwischen 36-Jährigen, der einen Mix aus figurativer und purer Malerei pflegt. Etliche Ausstellungen, zunächst in Krefeld, zuletzt im schmucken Bürgerhaus an der Wallstraße in Mönchengladbach, führen diese Zusammenarbeit fort. Ulf Schroeders, Kompagnon von Jochen Börgmann, gewährte einen Einblick in die Ausstellung, die den leicht verschrobenen Titel "gyrusfrontalisinferior" trägt.

Die lateinischen Wörter weisen aufs menschliche Gehirn, den Sitz des Sprachzentrums, und sorgen für den Aha-Effekt bei Ansicht des Bildes "Großes Gehirn", das in Öl auf Nessel eben ein solches abbildet: 2x1,60 Meter groß schwebt das Denkorgan über weißen Nebeln. Gegenüber schaut ein im Anzug mit Krawatte porträtierter Werner Heisenberg zwischen zwei grauen Wolken hervor, umgeben von blautönigen Farbsprenkeln und Andeutungen von Atomkreisbahnen, die wie Elementarteilchen auseinanderstieben. "Unschärfe" nennt Richert das Porträt seines Großvaters und bestätigt im Gespräch seine neuerliche Beschäftigung mit Quantenphysik und den dort anzutreffenden Paradoxien, für deren Formalisierung, die Unschärferelation, Heisenberg den Nobelpreis erhielt.

"Vielleicht bin ich hier auch in den Paradoxien, die sich zwischen meinem figurativen und abstrakten Malen auftun", sagt er. Sich festzulegen ist aber Richerts Ding nicht. Selbst so ein formal klares Bild wie "Türmung", auf dem sechs Köpfe aufeinander stehen, ist nach Richerts Aussage einer plötzlichen Eingebung mit folgender "Zehnsekundenskizze" entsprungen. Länger jedoch hat er den Rhythmus des Bildes "Ode an die Freude" konstruiert, das den großen Straßenraum der Galerie erfüllt. Eine barbusige junge Frau steht, einen Totenkopf in Händen, inmitten einer Lagerfeuergesellschaft mit Akkordeonspieler. "Shakespeare, Schiller und Beethoven sind mir hier durch den Kopf gegangen", bekennt der Künstler und verrät, dass die dargestellten Köpfe - auf ein gedachtes Notenblatt projiziert - den Anfang des Themas aus Beethovens "Neunter" ergeben. Ein Gag, eine Paradoxie, eine Unschärfe im an Dimensionen so reichen Werk des Benedikt Richert.

Informationen bis 26. März, Galerie Börgmann, Wallstraße 7. Telefon: 0160 3600957. Benedikt Richerts Werke werden zu Preisen zwischen 2000 und 11.000 Euro angeboten.

Quelle: RP
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