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Mönchengladbach
Schlange stehen für den Musiksommer

Mönchengladbach. Das "Cheltenham Symphony Orchestra", das fast ausschließlich aus Amateurmusikern besteht, begeisterte in Rheydt. Von Gert Holtmeyer

Eine weite Anreise hatte der Gast des fünften Konzerts im Rheydter Musiksommer, das "Cheltenham Symphony Orchestra". Wahrscheinlich hatte Pfarrer Stephan Dedring Recht mit der Vermutung, dass nur die wenigsten der erstaunlich vielen Zuhörer in der Evangelischen Hauptkirche Rheydt wüssten, wo Cheltenham auf der Landkarte zu finden ist. Da ihn erst kürzlich eine Reise dorthin führte, wusste er selbst es genau: Verlängert man die Linie London-Oxford um etwa die gleiche Entfernung, dann ist man da. Und Stephan Dedring konnte auch noch mitteilen, dass es sich um eine sehr schöne Stadt handelt.

Das Besondere an diesem mit 50 Musikern besetzten Symphonieorchester ist, dass es sich, von zwei Ausnahmen abgesehen, um ein reines Amateurorchester handelt. Vollprofis sind lediglich David Curtis, der Dirigent, und Rachel Howgego, die Solocellistin. Dies berücksichtigt, lässt sich dem Klangkörper eine erstaunlich große Leistungsfähigkeit bescheinigen.

Das wurde direkt von Beginn an deutlich. In "Finlandia" von Jean Sibelius beeindruckten vor allem die Blechbläser durch ihre sicheren Einsätze und ihren voluminösen Klang, auch wenn sie unter den akustischen Bedingungen der Hauptkirche zunächst etwas zu dominant in Erscheinung traten. Im Laufe des Konzerts stellte Curtis, der sichere musikalische Leiter, zunehmend die Ausgewogenheit zwischen den Gruppen her.

Edward Elgars Cellokonzert ist für alle Beteiligten ein schweres Werk, es verlangt viel vom Solisten und ist nicht einfach zu begleiten. Die englischen Gäste warteten mit einer vorzüglichen Leistung auf. Rachel Howgego, die Solistin, meisterte die schwierigen technischen Partien des Werkes mit souveräner Virtuosität. Dazu verfügt sie über einen großen, durchsetzungsfähigen Ton und künstlerische Ausstrahlung. Sicher gelang die Begleitung des Orchesters.

Auch die Wiedergabe der zweiten Sinfonie von Jean Sibelius gefiel; sie war sehr lebendig und dynamisch. Alle Gruppen des Orchesters konnten sich auszeichnen. Exakt kamen die Einsätze und die Solo-Partien der Holzbläser, schnelle Läufe und exakt ausgeführte Pizzikati gelangen den Streichern mühelos.

Für eine sorgfältige Einstudierung hatte David Curtis gesorgt, der sich mit klarer Schlagtechnik als sicherer Herr des musikalischen Geschehens bewährte.

Wie der begeisterte Beifall des Publikums in der Rheydter Hauptkirche unmissverständlich deutlich machte, hatten die Gäste aus Cheltenham in Rheydt einen ausgezeichneten Eindruck hinterlassen. Als Zugabe erklang abschließend noch Elegisches: "Nimrod" aus den Enigma-Variationen von Edward Elgar.

Quelle: RP
 
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