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Mönchengladbach
Ohne Kind gibt es kein Baugrundstück

Mönchengladbach: Ohne Kind gibt es kein Baugrundstück
Die Nachfrage nach Baugrundstücken ist riesig - auch in Gladbach. Hier kommen junge Menschen seltener zum Zuge, wenn sie keine Kinder haben. FOTO: van Offern
Mönchengladbach. Die EWMG muss bei einem Bewerberüberhang für Baugrundstücke Vergabekriterien anwenden. Diese schließen Bauwillige aus, die sich CDU und SPD in der Stadt wünschen. Folge: Häuslebauer wandern ab. Von Dieter Weber

Das junge Paar suchte ein Baugrundstück in der Stadt und wandte sich an die EWMG. Doch da reagierte man mit einer gewissen Skepsis. "Es ist schwierig für uns, Ihnen ein Grundstück zu verkaufen", hieß es vonseiten der Grundstücksmakler. Welchen Makel hat das junge Paar? Beide sind Akademiker, haben Jobs, verdienen gut und wollen in Zukunft Kinder haben.

Normalerweise stehen sie genau für die Zielgruppe, die CDU und SPD in der Stadt binden wollen, wenn die GroKo-Mehrheit von der "wachsenden Stadt" spricht. Dass sie bei Grundstücksverkäufen von Stadt und EWMG schlechte Karten haben, hängt mit dem derzeitigen Mangel an angebotenen Baugrundstücken und den vor zwölf Jahren beschlossenen Vergabekriterien zusammen: Das Paar schneidet im gültigen Punktesystem einfach zu schlecht ab.

Für jedes ins neue Haus mit einziehende Kind bekommen Bewerber derzeit einen Extrapunkt. Die Tatsache, dass die beiden jungen Leute in den nächsten Jahren Kinder haben wollen, bringt ihnen aber keinen Bonus ein. Wer ein Haus hat, sich aber verändern und neu bauen will, steht sich ebenfalls schlechter - auch wenn das bestehende Eigenheim zum Beispiel an eine junge Familie verkauft werden soll. Das zählt nicht wirklich. Auch eine Schwerbehinderung wird mit einem Sonderpunkt bedacht.

Im Prinzip ist das auch alles richtig so. Aber über die starre Anwendung des Punktesystems sind inzwischen EWMG und Teile von CDU und SPD nicht mehr glücklich. "Wir mussten im vergangenen Jahr mehrere Bewerber für Grundstücke abweisen, obwohl wir sie gerne genommen hätten. Wer keine oder noch keine Kinder hat, für den wird es schwer bis sogar unmöglich, von uns ein Grundstück zu bekommen", sagt EWMG-Geschäftsführer Ulrich Schückhaus. Vor allem seit im großen Baugebiet Dahlener Heide alle 141 Grundstücke verkauft sind, sieht's zappenduster für Kinderlose aus. Schückhaus: "Für die Grundstücke im Baugebiet Rönneter hatten wir mehr als genug Bewerber. Und neue, größere Baugebiete sind nicht vor 2017/2018 marktreif."

Immerhin gibt es Hintertüren. Der Bewerbungszeitraum, in dem der Punktekatalog bei Mehrfachbewerbungen angelegt wird, gilt für sechs Wochen - danach kann die EWMG frei vergeben. Es bleiben am Ende auch in allen Baugebieten Grundstücke übrig - aber die sind wegen ihrer Größe deutlich teurer oder nicht gut geschnitten. Für das in diesem Jahr noch angebotene Baugebiet Heinrich-Pesch-Straße hat die EWMG eine Zusatzoption ausgehandelt: Vier der 22 Grundstücke werden nach einem Höchstgebotsverfahren vergeben und fallen nicht unter die Vergabekriterien. Und für die Zeit nach 2018 verspricht Schückhaus: "Dann werden wir jedes Jahr 60 bis 80 Grundstücke auf den Markt bringen. Das reicht, um auch außerhalb der Vergabekriterien einige verkaufen zu können."

Für das junge Paar kommt dies zu spät: Es hat sich anders orientiert und sich in einer Nachbarkommune ein Baugrundstück von einer kommunalen Grundstücksgesellschaft gekauft. Da gibt es keine Vergabekriterien. Weil man im Leben meist nur einmal baut, ist dieses Paar für Mönchengladbach verloren.

Quelle: RP
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