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Mönchengladbach
Plastiken ragen wie Wolkenkratzer empor

Mönchengladbach: Plastiken ragen wie Wolkenkratzer empor
Gisela Engeln-Müllges ist Mathematikerin und Künstlerin. Im Kunstraum No. 10 zeigt sie ihre im Negativ-Gussverfahren geschaffenen Skulpturen. FOTO: RP-Foto Raupold
Mönchengladbach. Kunstraum No. 10 zeigt "Räume" von Prof. Gisela Engeln-Müllges mit baukastenförmigen Arbeiten. Von Sigrid Blomen-Radermacher

Gisela Engeln-Müllges, 1940 in Leipzig geboren, ist im Fach Mathematik promoviert. Bis 2005 war sie an der Hochschule Aachen Professorin für Numerische Mathematik und Datenverarbeitung. Das jedoch ist nur die eine Seite von Engeln-Müllges. Auf der anderen Seite ist sie Künstlerin. Fünf Semester verbrachte sie - aus Interesse - mit dem Studium der Kunstgeschichte. Die Praxis des Malens und Bildhauerns erlernte sie im Selbststudium und vervollkommnete sie in der Werkstatt ihres Lebensgefährten Benno Werth, dem Aachener Bildhauer, Maler und Hochschulprofessor.

Dieser erfand 1962 ein bahnbrechendes Negativ-Form-Gussverfahren, das es ermöglicht, Skulpturen auch mit komplexen Hinterschneidungen aus einem Guss ohne Schweißnähte zu fertigen. Werth nannte dieses Verfahren "Substraktivgussverfahren". Es setzt, wie Engeln-Müllges erklärt, ein großes Abstraktionsvermögen voraus, denn der Bildhauer muss in der Planung negativ und immer dreidimensional denken.

Gisela Engeln-Müllges setzt mit ihrem künstlerischen Werk im Sinne von Benno Werth die von ihm erfundene Technik fort und entwickelt sie weiter. Im Kunstraum No. 10 zeigt sie unter dem Titel "Räume" eine Reihe von Skulpturen aus Aluminium und Bronze nach dem oben genannten Verfahren. Wie Wolkenkratzer ragen Plastiken empor, erlauben dem Betrachter Durch- und Einblicke in ihr hoch komplexes, filigranes Innere. Neben diesen baukastenförmigen Arbeiten experimentiert sie gern auch mit der Kugelform.

Ganz im Sinne von Benno Werth, der Malerei und Bildhauerei miteinander verband, besteht auch in den Gemälden von Gisela Engeln-Müllges eine enge inhaltliche und formale Verknüpfung mit den Plastiken. Auch auf der Leinwand nämlich entwickelt Engeln-Müllges Räume: aus grauen und weißen Farbschichten, die einander überlagern. In dem eher abstrakten Gemälde mit dem Titel "Immaginario" meint der Betrachter eine hintereinander gestaffelte Landschaft zu entdecken. Doch will Engeln-Müllges keine vorhandene Wirklichkeit abbilden, sondern eine neue erfinden.

Der vordere Ausstellungsraum im Kunstraum ist sehr harmonisch gehängt und gestellt: Die Plastiken und Bilder gehen eine fließende Verbindung miteinander ein. Eine Überraschung bietet der hintere Ausstellungsraum: Kräftige leuchtende Farben begegnen dem Betrachter. Räume entstehen in den Bildern auch durch Engeln-Müllges' Technik: Sie schichtet Farben, zieht, kratzt und wäscht sie wieder ab und legt damit die unteren Schichten frei.

Matthiasstr. 10, bis 26. April; geöffnet fr. 17-19 Uhr, sa./so. 15-17 Uhr

Quelle: RP
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