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Mönchengladbach
Schießerei: Das Opfer sagte gestern aus

Mönchengladbach: Schießerei: Das Opfer sagte gestern aus
An der Waldhornstraße kam es zu einem Gerangel um die Pistole. Dabei wurde auch der Mann von einer Kugel getroffen. FOTO: Reichartz
Mönchengladbach. Wegen versuchten Mordes muss sich ein 39-jähriger Mann vor dem Schwurgericht verantworten. Von Ingrid Krüger

Der Angeklagte (39) verfolgte gestern die Aussage des 33-jährigen Opfers schweigend. "Versuchter Mord in drei Fällen, jeweils mit gefährlicher Körperverletzung" - so lautet der juristische Text der Anklage. Dass sich dahinter ein außergewöhnlich brutales Verbrechen verbirgt, machte die 33-jährige Ex-Partnerin des Mannes und Mutter eines gemeinsamen Sohnes in ihrer ausführlichen Tatschilderung klar.

Am frühen Morgen des 24. April hatte der Angeklagte vor einer Kindertagesstätte in Rheydt auf die Ex-Freundin und den gemeinsamen Sohn gewartet. Als der Junge in der Kindertagesstätte verschwunden war, war die Frau offenbar arglos in das Auto des Mannes gestiegen. Er hatte ihr angeboten, sie mit dem Pkw in die Stadt zu fahren. Offenbar fing alles ganz harmlos an. Man habe noch Papiere kopieren lassen müssen, so berichtete das Opfer gestern im Gerichtssaal. In einer Bäckerei habe man gemeinsam Kaffee getrunken, hieß es in der Zeugenaussage. Plötzlich habe der Angeklagte mit ihr nach Roermond fahren wollen, sagte die 33-Jährige. Doch das wollte die Mutter von drei Kindern nicht. Sie müsse nach Hause. Dann habe der Ex-Partner an einem Wirtschaftsweg angehalten. Er müsse urinieren. Die Stimmung kippte. Der Angeklagte kam zurück, hielt ihr eine Pistole vor und drohte: "Ich bring dich um". Sie habe gelacht und gesagt: "Du machst Spaß", erinnerte sich die Frau gestern. Der Ex-Freund, der türkischer Herkunft ist, reagierte unbeeindruckt: "Das ist kein Spaß. Das ist eine echte Pistole", und schoss. "Ich blutete", sagte das Opfer noch immer fassungslos im Gerichtssaal. Sie bat ihn, sie ins Krankenhaus zu bringen.

Einen Passanten um Hilfe zu bitten, misslang der 33-Jährigen. Der Angeklagte schoss erneut auf die Mutter seines Kindes. Dann versprach er, zum Krankenhaus zu fahren. Tatsächlich fuhr er zur Waldhornstraße und parkte dort. Über die verletzte Frau hing er eine Decke. Der Frau gelang es dann, die Pistole in ihre Handtasche zu stecken. Zwischen dem ehemaligen Liebespaar kam es schließlich zu einem Gerangel um die Waffe. Dabei wurde der Angeklagte ins Bein getroffen. Die 33-Jährige stieg aus dem Wagen. Draußen habe sie der Ex-Partner mit der Pistole auf den Kopf geschlagen.

Das wurde aus einem benachbarten Haus von einer 34-jährigen Bewohnerin und deren 32-jährigem Freund beobachtet. Die beiden standen gestern dem Schwurgericht als Zeugen zur Verfügung und erinnerten sich. "Ich hörte Schreie. Der Mann schlug auf die Frau ein. Ich begann auch zu schreien. Doch der Mann ließ nicht von ihr ab", sagte die Zeugin. Dann habe es einen Knall gegeben. Der Schläger habe sich mit erhobenen Armen hingestellt und gerufen: "Guckt mal, was die mir antut". Danach soll sich der Angeklagte unter einem dort geparkten Wohnwagen versteckt haben. Er soll versucht haben, sich als Opfer darzustellen. Die Zeugen hatten inzwischen die Polizei verständigt.

Die Frau war durch die Schüsse so stark verletzt worden, dass sie nur durch eine Notoperation gerettet werden konnte. Die 7. Große Strafkammer des Mönchengladbacher Landgerichts hat vier weitere Prozess-Termine geplant. Der 39-jährige Angeklagte, der den Prozess bis jetzt schweigend verfolgt hat, will sich am 16. November zum Tatgeschehen äußern, wurde im Gerichtssaal angekündigt.

Quelle: RP
 
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