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Mönchengladbach
Schlimmer Chemieunfall: Alles nur eine Übung

Mönchengladbach: Schlimmer Chemieunfall: Alles nur eine Übung
Im Übungsszenario trafen die Retter auf schwer verletzte Personen. Einige waren nicht nur kontaminiert, sondern hatten Gliedmaßen verloren. FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Um im Ernstfall schnell zu reagieren, probte die Feuerwehr einen Einsatz zur Dekontamination. Dank eines Spezialcontainers kann die Gladbacher Feuerwehr überörtliche Hilfe bei Chemieunfällen leisten. Von Christian Lingen

25 Verletzte, davon zehn Schwerverletzte, forderte am Samstagmorgen die Explosion eines Brennofens in einer Ziegelfabrik. Weil die Verletzten mit Mangan-IV-Oxid kontaminiert waren, rückten die Einheiten aller drei Feuerwachen der Berufsfeuerwehr mit einem Großaufgebot und einem speziellen Duschcontainer zur Dekontamination aus. Als die Retter am Einsatzort eintrafen, bot sich ihnen ein Bild des Schreckens. Einige Verletzte hatte Gliedmaßen verloren, anderen steckten Glassplitter, Schraubenzieher oder andere Gegenstände in Beinen und Armen.

Zum Glück war alles nur gespielt: Das Szenario war kein richtiger Einsatz, sondern eine Großübung, um für den Ernstfall gewappnet zu sein. Als Unglücksort diente die Feuerwache II am Nordpark. Dort rückten die Retter unter Blaulicht zu einer Kolonnenfahrt durch den Nordpark aus, um danach in der großen Halle der Wache anzugelangen. Die scheinbar Verletzten, dargestellt durch Ehrenamtler des Deutschen Roten Kreuzes, lagen verstreut in einer Nebenhalle. "Bei solchen Szenarien geht es um überörtliche Hilfeleistungen. Im Ernstfall würde die örtliche Feuerwehr die Bekämpfung der Schadensursache durchführen. Wir kämen hinzu, um die Verletzten zu dekontaminieren und sie für den Transport ins Krankenhaus vorzubereiten", erklärte Feuerwehr-Sprecher Frank Nießen. Einen entsprechenden Container mit Spezialgeräten gibt es bei der Mönchengladbacher Feuerwehr seit zwei Jahren. Ein Landeskonzept regelt, dass die Dekontamination von Verletzten nie von der Feuerwehr der eigenen Stadt durchgeführt wird.

Während der Übung trugen die Retter Spezialanzüge. FOTO: Feuerwehr

Bei der Übung sichtete zunächst ein Notarzt die Verletzten und entschied, wer zuerst für den Krankentransport vorbereitet werden muss. Die 25 Feuerwehrleute, die an der Übung beteiligt waren, bauten den Container auf. Vor ihn kam ein großes Zelt, das Schwarzbereich genannt wird, und hinter den Container eines, das Weißbereich heißt. Beide sind beleuchtet und beheizt. Im Schwarzbereich kommen die Kontaminierten an und werden von Feuerwehrleuten komplett entkleidet. Die "Verletzten" während der Übung trugen Badekleidung und Maleranzüge. Wer selber gehen kann, betritt die Stehendbereich des Containers. Wer liegen muss, gelangt per Rollband in die Dusche. Dort werden die Betroffenen von den Florianern gründlich gewaschen. Dabei achten sie penibel darauf, dass kein Wasser in Körperöffnungen dringt. Die "sauberen" Patienten gelangen danach in den Weißbereich, bekommen notdürftige Kleidung und werden ins Krankenhaus gebracht.

Weil während der Übung die drei Feuerwachen von den freiwilligen Einheiten besetzt wurden, nahmen rund 150 Kräfte an der Übung teil.

Quelle: RP
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