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Mönchengladbach
So viel Architektur-Vielfalt war selten

Mönchengladbach: So viel Architektur-Vielfalt war selten
NEW-Blauhaus FOTO: Andreas Horsky, Manfred Schmid
Mönchengladbach. Erst Gotteshaus, dann Kolumbarium - erst Festsaal, dann Ladenlokal: Beim "Tag der Architektur" gibt es neben spannenden Neubauten auch spektakuläre Umnutzungen zu besichtigen. Ausdruck davon, dass architektonisch in der Stadt einiges geht. Von Jan Schnettler

Der "Tag der Architektur" mag auf den ersten Blick nicht wie ein Publikumsmagnet für die breite Masse erscheinen. Doch die Aktion, die bereits zum 21. Mal durchgeführt wird, lockt alleine in Nordrhein-Westfalen Jahr für Jahr bis zu 40.000 Menschen an, die sich für Objekte oder Projekte zeitgenössischer Architektur interessieren. Und deren Bandbreite in Mönchengladbach ist in diesem Jahr besonders groß - was wiederum Ausdruck davon ist, dass sich architektonisch in der Stadt zuletzt einiges getan hat. Selbst wenn man das Minto abzieht, das nicht mit dabei ist, ergeben sich am Wochenende 25./26. Juni für Interessierte die denkbar unterschiedlichsten Besuchsmöglichkeiten:

Das Café von Esser Konfekt und Feingebäck in Buchholz FOTO: Jörg Hempel, Max Hampel, Fabian Kleiner

St.-Kamillus-Kolumbarium Das Gotteshaus St. Kamillus, das im Kontext des Gesamtensembles von Kirchenbaumeister Dominikus Böhm in den 1930ern erbaut wurde, ist längst keine Kloster- und Krankenhauskirche mehr. Entweiht wurde es im August 2014, als Grabeskirche wiedereröffnet im vergangenen Herbst. "Ein Ort zum Verweilen und zur Begegnung ist entstanden, in dem Licht und Material sich vereinigen", heißt es im begleitenden Katalog der nordrhein-westfälischen Architektenkammer. Zu besichtigen ist das Kolumbarium (Bauherr: St. Kamillus Kolumbarium GmbH, Entwurfsverfasser: Katja Mehring, Büro: BDMP Architekten), am Aktionswochenende jeweils von 10 bis 17 Uhr, die Architektin ist von 11 bis 13 Uhr vor Ort. Treffpunkt ist am Hauptportal, Kamilianerstraße 40.

NEW-Blauhaus "Nullemissionsgebäude im Passivhausstandard" hört sich ganz schon drüsch an. Und wird dem spektakulären Neubau auf dem Gelände der Hochschule Niederrhein nicht mal ansatzweise gerecht. "Das schönste Haus der Stadt" klingt schon eingängiger. Das innovative Energieeffizienz-Zentrum wurde Ende 2015 eröffnet; die Fassade des fünfeckigen Baukörpers besteht aus "gegeneinander geneigten, blau schimmernden Glas- und Photovoltaik-Elementen, deren unterschiedliche Neigungswinkel sich aus Himmelsrichtung und Sonneneinfall ergeben". Bestaunen kann man die Präsentationsfläche für Innovationen des Energiesektors (Bauherr: NEW mobil & aktiv, Entwurfsverfasser: Gerhard Wittfeld, Büro: Kadawittfeldarchitektur GmbH) am Aktionssonntag von 14 bis 16 Uhr. Treffpunkt für Führungen ist um 14 und 15 Uhr im Foyer an der Richard-Wagner-Straße 140.

Studentenwohnheim FOTO: Max Hampel

Neubau eines Bürogebäudes Kein ganz schlechtes Zeichen, wenn der Architekt des Hauses selbst mit einzieht: So war es bei der Adresse Enscheder Straße 5 im Businesspark II des Nordparks. Jochem Schrötgens zeichnete für den Entwurf verantwortlich, sein Büro für den Bau (Bauherr: Bauherrengemeinschaft Nordpark). Mittlerweile sitzt seine Firma ebenso in dem viergeschossigen Bürokomplex wie die Kanzlei Hollender Lampe Lampe, die BKP Gesellschaft für Leasing und Factoring und die Joheste Immobilien GmbH. Das Gebäude besteht aus zwei unterschiedlichen Baukörpern, "einem ebenerdig massiven Körper mit Alukassetten-Verkleidung und einem aufgeständerten, komplett verglasten, der den Eingangsbereich überragt". Zu besichtigen ist es am Aktionssamstag von 15 bis 17 Uhr.

Studentenwohnheim Mönchengladbach eine Studentenstadt? Damit die Entwicklung zumindest dahingeht, dass die Studierenden der Hochschule Niederrhein nicht alle einpendeln, sondern immer mehr auch in Rheydt und Umgebung wohnen, braucht es qualitativ hochwertige Wohnheime. Ein solches entstand an der Friedrich-Ebert-Straße 233. Das Energieeffizienzhaus mit 65 Ein- und zwei Zwei-Zimmer-Apartments wurde über 13 Monate hinweg in Massivbauweise mit Klinkerfassade erstellt und verfügt über vier Vollgeschosse und ein Staffelgeschoss mit Dachterrassen. Integriert ist eine Photovoltaikanlage. Fritz Otten und Martin Dielen vom Büro Otten Architekten verfassten die Entwürfe (Bauherr: Gerresheim Immobilien). Langfristiger Hauptmieter ist das Studentenwerk Düsseldorf. Besichtigt werden kann das Haus am Aktionssamstag zwischen 12 und 14 Uhr.

Büroneubau Enscheder Straße FOTO: Fabian Kleiner

Umbau ehemaliger Festsaal Esser Konfekt und Feingebäck ist seit 1969 eine Marke weit über Buchholz hinaus. Ein neues Café lädt seit einiger Zeit Kunden ein, direkt neben der Produktion ihre Lieblingsplätzchen zu verköstigen. Dafür wurde der ehemalige Festsaal saniert. Nach Abriss des Bühnenhauses und der Kegelbahn erfolgte - unter Beibehaltung der Gebäudestruktur - die statische Reparatur des Saaldaches und es wurden eine Küche und ein Sanitärbereich eingebaut. "Die Fassadenöffnungen belichten nun den Saal großzügig", heißt es im Katalog. Zu besichtigen ist das Café an der Laurentiusstraße 45 (Bauherr: J. Esser Grundbesitz KG, Architekt: Manfred Schmid, Büro: Architekten Schmid) am Aktionssamstag von 8 bis 16 Uhr.

Auch das Passivhaus in Hybridbauweise an der Bettrather Nelkenstraße 135 nimmt am "Tag der Architektur" teil. Das Objekt (Bauherr: Ulrich Schmitz, Architekt: Gregor Rütters, Büro: bau grün) ist am Aktionssonntag, 26. Juni, von 10.30 bis 13.30 Uhr zu besichtigen. Auch der WDR werde in der Düsseldorfer "Lokalzeit" einen Filmbeitrag über das Haus zeigen, teilte Bauherr Schmitz mit.

Quelle: RP
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