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Mönchengladbach
Würdiger Saisonabschluss mit dem Chagall-Quartett

Mönchengladbach. Warum nur ist das Chagall-Quartett selbst unter Profimusikern so wenig bekannt? Das haben die vier Herren - alle Ende 30 und seit 14 Jahren als Quartett zusammen - wahrlich nicht verdient. Primgeiger Stefan Hempel, Holger Wangerin, zweite Violine, Max Schmitz, Viola, und Jan Ickert, Violoncello, fanden als Studenten an der Berliner Hochschule für Musik Hanns-Eisler zum Quartettspiel und wurden vor allem durch Professor Eberhard Feltz, den sie als ihren "Spiritus rector" bezeichnen, auf den hohen interpretatorischen Standard gebracht, den sie beim letzten Schlosskonzert dieser Saison am Freitagabend ihrem Publikum präsentierten. Von Heide Oehmen

Das minuziös aufeinander abgestimmte Spiel der "Chagalls" ist geprägt von hoher, aber nie übertriebener Expressivität (abgesehen von der meist allzu dezenten Bratsche) und angenehm gezügeltem Temperament - selbstredend auf technisch ausgezeichnetem Niveau. Die Berliner Gäste begannen mit fünf "Contrapuncti" aus Johann Sebastian Bachs "Kunst der Fuge" und widerlegten dank der vorbildlichen Durchhörbarkeit der Stimmen das Argument, diese Musik sei nur Ensembles mit historischen Instrumenten vorbehalten. Kontrastierend dazu zeigten die Musiker im Streichquartett Nr. 2 a-Moll op. 51/2 von Johannes Brahms, dass sie in der klanggesättigten Spätromantik ebenso versiert zuhause sind. Namentlich die liedhafte Thematik des Andante und die bewegten tänzerischen Anklänge wienerischer und ungarischer Provenienz im Finale gelangen bezwingend.

Doch zum Gipfelpunkt des Abends wurde das späte Quartett d-Dur KV 575, das Wolfgang Amadeus Mozart zwei Jahre vor seinem frühen Tod schrieb. Der Komponist wollte dieses Werk dem preußischen König Friedrich Wilhelm II widmen, der ein Musikenthusiast und Liebhaber des Cellos war. So sind diesem Instrument auffallend viele Soli zugedacht - eine dankbare Aufgabe für Ickert, der mit seinen Kollegen dem melodienseligen Opus eine mustergültige Wiedergabe schenkte. Für den ausdauernden Applaus dankten die Musiker mit einer Kostprobe aus einem Quartett des 16-jährigen Mozart.

Quelle: RP
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