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Moers
Auf den Spuren der Reformation

Moers: Auf den Spuren der Reformation
Auf diesem Gelände an der Rheinberger Straße stand einmal die erste Moerser Pfarrkirche - die Bonifatiuskirche. FOTO: Klaus Dieker
Moers. 21 Jahre nach dem Anschlag der Thesen in Wittenberg predigte in der Moerser Bonifatiuskirche 1538 erstmals ein Schüler Martin Luthers die neue Lehre. Jetzt sollen Ausgrabungen den Kirchengrundriss wieder freilegen. Von Jürgen Stock

Unter der unscheinbaren Rasenfläche liegen an der Rheinberger Straße zwischen Kapelle und Grabsteinen die Überreste der ersten Moerser Kirche. Von dort, wo auch Mitglieder des Moerser Grafenhauses begraben wurden, nahm die Reformation in Moers, wenn auch nicht ihren Ausgang, sondern doch ihren beschleunigten Verlauf.

Vor fünf Jahren hatten Wissenschaftler der Universität Köln geophysikalische Untersuchungen im Umfeld der Kapelle vorgenommen, die in diesem Jahr noch einmal überprüft wurden. Mit ihnen konnte indes nur die ungefähre Lage der einstigen Kirchenfundamente bestimmt werden. Daher sollen jetzt Stichgrabungen helfen, Genaueres in Erfahrung zu bringen.

"Wir wollen bereits im nächsten Jahr mit einem scharfkantigen Löffelbagger Stichgrabungen vornehmen", sagt Peter Boschheidgen, Vorsitzender des Grafschafter Museums- und Geschichtsvereins, der das Projekt mit der Hilfe von Sponsoren stemmen will. Das Rheinische Landesamt für Bodendenkmalpflege und die Stadt Moers hätten bereits positiv reagiert.

Die Bonifatiuskirche vor 1580. FOTO: Die Reform,ation der Grafschaft Moers 1527- 1581

Möglicherweise lässt sich durch die Freilegung der Sedimente genauer klären, wie alt die älteste Moerser Kirche ist. Dokumente, die Gewissheit geben könnten, existieren nicht mehr. Historiker gehen jedoch davon aus, dass die Ursprünge der Bonifatiuskirche auf das elfte, möglicherweise sogar auf das zehnte Jahrhundert zurückgehen.

Quellen belegen, dass die Moerser eine Zeit lang zwei Kirchen besaßen: die "alte Kirche vor dem Tor" (Bonifatiuskirche) und die heutige Moerser Stadtkirche, die bis 1448 Kapelle des dortigen Karmeliterklosters war.

Das Ende für die Bonifatiuskirche kam mit dem Einmarsch der Spanier. 1586 rissen sie nach der Besetzung von Moers die inzwischen evangelische Kirche ab, wahrscheinlich weil sie bei einem erwarteten Angriff der oranischen Truppen dem Feind Einblick in die Befestigungsanlagen ermöglicht hätte. Teil des Schutts der Bonifatiuskirche wurden später zum Ausbau der Stadtkirche verwendet. "Bereits 1605", so Boschheidgen, "war die Fläche komplett freigeräumt."

Detaillierte Zeichnungen der Bonifatiuskirche sind nicht überliefert. Ihre Größe entspricht aber der Rheinberger Kirche. Chor und Turm standen im Westen der Anlage - also in Richtung des Parkplatzes Mühlenstraße.

Erhalten geblieben ist auch noch die Bezeichnung "Buytendorp", (Außendorf). Demnach gab es vor den Toren der Stadt eine Siedlung, die später aufgegeben wurde. Möglicherweise hatten sich die ersten Moerser dort niedergelassen, weil damals dort, wo heute der Moersbach entlang fließt, ein Rheinarm lag.

Noch zu Zeiten der Reformation muss die Bonifatiuskirche ein stattliches Gotteshaus gewesen sein. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts standen dort nicht weniger als fünf Altäre. 1538 wurde die Kirche dann zu einem Kristallisationspunkt der Reformation in Moers, als Wilhelm II. von Neuenahr-Moers dem Luther-Schüler Johann Uden das Vikariat am Liebfrauen-Altar übertrug.

Heute ist von der ersten Moerser Kirche oberirdisch nichts mehr übrig geblieben. Die Kapelle an der Rheinberger Straße wurde erst 1803 in Erinnerung an den ersten Kirchenbau errichtet.

Deshalb möchte Boschheidgen die alten Grundrisse der Bonifatiuskirche für Menschen der Gegenwart wieder sichtbar machen. Das wird nicht billig. Zwar sollen die ersten vier Probeentnahmen nicht mehr als 6000 Euro kosten. Sollten die Bagger dabei aber markante Sedimentunterschiede finden, könnten die Folgegrabungen die Kosten erheblich in die Höhe treiben. Deshalb will Boschheidgen einen Spendenaufruf starten. Immerhin geht es um das Erbe der Reformation.

Quelle: RP
 
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