| 10.10 Uhr

Moers
Auf nach Roems!

Moers. Die neue Premiere am Schlosstheater "Roems" ist eine urkomische Improvisations- und Mitmachshow. Das Besondere: Jede Vorstellung in der Theaterhalle wird anders sein. Der entscheidende Faktor ist das Publikum. Von Anja Katzke

54321 Roems! Keine Angst: Die tun nix. Die wollen nur spielen – auch mit dem Publikum. Am Donnerstag feierte das Schlosstheater Premiere mit einer für Moers ungewöhnlichen Produktion: Sie ist interaktiv, was nichts anderes heißt, als: Die Zuschauer müssen ran. Ist aber halb so schlimm, eher lustig.

Die Inszenierung "Roems! – ein Traum wird wahr" entstand als Ensembleproduktion und ist eine Herausforderung an die improvisatorischen Fähigkeiten der Schauspieler. Die Herausforderer sind die Zuschauer. Und das ist die Geschichte: Die Reise ins sagenumwobene Roems, wo Träume wahr werden, ist Hauptpreis einer Spielshow, moderiert von Freddy Schlüter (Frank Wickermann). Er ist eine schmierige Mischung Zampano, Gottschalk, Animateur und Entspannungsguru. Die Zuschauer, die in drei Blöcken im Foyer der Theaterhalle sitzen, erleben die Generalprobe der Show, in der so einiges schief geht. Im Mittelpunkt stehen aber die drei Kandidaten, die für jeweils einen Zuschauerblock antreten. Das Schlosstheater nennt sie Avatare. Sie sind unbeleckt, ohne Biografie und Identität.

Neue Identitäten

Und das ist die erste Aufgabe für das Publikums: Es gibt den Kandidaten Namen, Kleidung und auch Identität in Form von drei Gegenständen. Daraus stricken sich die Schauspieler spontan ihre jeweilige Persönlichkeit. Katja Stockhausen heißt Julia Peters, ist Bodyguardin mit Ruhrpott-Slang. Matthias Heße bekommt den komischen Namen Jumbi Capuletti verpasst, sieht aus wie ein Abkömmling der Kelly-Family, ist sanft wie ein Katze und klug wie eine Eule. Patrick Dollas wird zu Norbi Nickel, und sieht in den Kleidern aus wie ein dürrer Antiagressionstrainer, der nach Roems will, weil das wie Musik klingt.

Die Spiele, in denen die drei Kandidaten punkten müssen, werden am Theater schlechthin als Sport bezeichnet: Pantomime, Scharade und improvisierte Szenen. Köstlich, wenn die Kandidaten ihre verborgenen Talente erraten müssen. Was sie können, gibt das Publikum vor: Katja Stockhausen alias Julia Peters kann unter Wasser Querflöte spielen, Patrick Dollas bei Vollmond mit den Ohren wackeln. Gar nicht so leicht: Moderator Freddy Schlüter sucht einen Zuschauer aus (Achtung Nervenkitzel), der den Kandidaten nur durch Handbewegungen auf die Spur bringen kann. Bei einer anderen Aufgabe stellen die Schauspieler szenisch Filmtitel nach. Jetzt müssen die Zuschauer raten, um welchen Film es sich handelt.

Dann wieder feuert das Publikum seinen Kandidaten bei einem erotischen Striptease an, um schließlich selbst den schauspielerischen Höhepunkt zu erreichen: Es spielt den Ermordeten, der seinen letzten Atemzug keucht. "Roems" ist für die Theaterbesucher mal was ganz anderes, vielleicht gerade deshalb, weil sie nicht einfach konsumieren, sondern mittendrin sind.

Quelle: RP
 
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