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Serie Mein Engel
Dem blinden Kollegen zur Seite stehen

Moers. Heinz-Peter Maas kann nicht mehr sehen. Er braucht Hilfe und kann sich im Alltag auf Dieter Röthel verlassen. Dieser unterstützt ihn bei Einkäufen, Arztbesuchen und anderen Gelegenheiten.

Wenn Heinz-Peter Maas in der Moerser Innenstadt unterwegs ist, dann ist meist eine Person an seiner Seite - Dieter Röthel. Einst lernten sie sich bei der Arbeit kennen. Heute steht Röthel seinem ehemaligen Kollegen in verschiedenen Situationen als Helfer zu Seite.

Denn Heinz-Peter Maas ist blind, seit rund 30 Jahren. Eine Netzhautablösung, später ein Glaukom führten dazu, dass er sein Augenlicht verlor. Wie überwindet man einen solchen Schlag? "Zunächst fallen Sie in ein tiefes Loch", berichtet der 72-Jährige aus seinen Erfahrungen. Doch er hat sich nicht der Verzweiflung überlassen. Sein Schicksal hat ihn bewogen, anderen zu helfen. Maas ist Vorsitzender des Blindenverein Moers, erst vor kurzem ist er von den Mitgliedern in seinem Amt bestätigt worden. Er sieht es als seine Aufgabe, Menschen zu ermutigen, die ebenfalls blind oder schwer sehbehindert sind.

Doch obwohl er in seinem Leben inzwischen gut zurecht kommt, ist auch Heinz-Peter Maas manchmal auf Unterstützung, auf Hilfestellung angewiesen, vor allem, wenn er seine heimischen vier Wände verlässt. Dieter Röthel ist an seiner Seite, wenn er Einkäufe erledigt, er bringt ihn zum Arzt, geht mit ihm spazieren. Außerdem besuchen beide regelmäßig ihre ehemalige Arbeitsstätte, das Moerser Finanzamt. Dort essen sie dann gemeinsam in der Kantine.

"Ohne diese Hilfe könnte ich die Vorstandsarbeit im Verein nicht erledigen", räumt Heinz-Peter Maas ein. Röthel, obwohl nicht selber betroffen, ist daher "förderndes Mitglied" im Blindenverein. Die Bekanntschaft der beiden geht auf das Jahr 1982 zurück, als Heinz-Peter Maas nach einer Umschulung eine Stelle als Telefonist im Finanzamt Moers antrat. Seinen früheren Beruf als Landschaftsgärtner konnte er wegen seiner Sehbehinderung nicht mehr ausüben.

Im Laufe der Jahre hat auch Dieter Röthel gelernt, mit welchen Problemen Blinde heute noch zu kämpfen haben. "Es gibt zwar viel mehr technische und berufliche Möglichkeiten für die Betroffenen", sagt der 67-Jährige. Doch immer wieder erlebe er, wie Menschen sich rücksichtslos verhalten und blinde Menschen zur Seite stoßen. Auch seien beispielsweise die Leitlinien, die es Sehbehinderten erleichtern, im städtischen Umwelt zurechtzukommen, oft zugestellt.

Menschen wie Dieter Röthel, die regelmäßig Blinden bei Alltagsproblemen helfen, sind leider nicht häufig. Viele Menschen haben Berührungsängste. Doch auch die Blinden selber empfinden oft eine Scheu, in Gesellschaft zu gehen, neue Kontakte zu suchen. Das jedoch, betont Heinz-Peter Maas, sei genau der falsche Weg. "Auf diese Weise vereinsamen Sie." Deshalb wünscht er sich, dass besonders junge Menschen, die blind oder sehbehindert sind, sich dem Blindenverein anschließen, dessen Angebote annehmen und sich engagieren.

Zu den Aktivitäten des Vereins gehören beispielsweise ein Orientierungs- und Mobilitätstraining, eine Blindenhörbücherei mit einer wöchentlich erscheinenden Lokalzeitung, ein Fahrdienst und auch verschiedene Sportarten. Auch Geselligkeit ist natürlich Teil des Vereinslebens, mit Feiern und bunten Nachmittagen. Der Stammtisch des Vereins ist an jedem ersten Donnerstag im Monat, von 15 bis 17 Uhr, in den Räumen des Roten Kreuzes, Neustraße 35.

Es gibt außerdem ein Beratungsangebot des Vereins, jeweils am zweiten Dienstag im Monat, von 14 bis 16 Uhr in den Räumen des SCI Moers, Hanns-Albeck-Platz 2.

Mehr Informationen zu den Aktivitäten des Blindenvereins unter www.blindenverein-moers.de

Stefan Gilsbach

Quelle: RP
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