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Moers
Ein Denkmal der Industrialisierung

Moers. Verunreinigtes Grundwasser und wachsende Bevölkerung: Im späten 19. Jahrhundert fiel am Niederrhein die Entscheidung für eine zentrale Wasserversorgung. 1901 dann wurde der Wasserturm in Vinn gebaut. Von Peter Gottschlich

In Duisburg ging das erste Wasserwerk 1875 in Betrieb, in Krefeld 1877 und in Wesel 1886. Die Moerser zögerten damals noch, sich an eine zentrale Wasserversorgung anschließen zu lassen. Dabei hatte ein Architekt 1886 ein Angebot unterbreitet, im Kern der Grafenstadt eine Wasserleitung zu verlegen.

Die Verhandlungen verliefen im Sande. Dabei erhöhte sich Jahr für Jahr der Druck des Wasserproblems: Mit der Industrialisierung stieg die Bevölkerungszahl in den Städten zum Teil sprunghaft an. Gleichzeitig verschlechterte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts die Qualität des Grundwassers, weil Abwässer aus der aufkommenden Industrie einfach im Boden versickerten, zum Beispiel aus Färbereien. Als Folge des verunreinigten Wassers konnten in dicht besiedelten Städten Epidemien ausbrechen, wie 1892 die große Cholera-Epidemie in Hamburg.

Doch bei aller Gefahr fehlte das Geld, um in Moers ein Wasserwerk mit Wasserturm zu bauen und Wasserleitungen zu verlegen. Das änderte sich 1899. Die Sparkasse Moers hatte im Jahr zuvor einen hohen Gewinn erzielt, von dem sie 3000 Mark an die Stadt überwies, was nach heutigem Wert rund 100 000 Euro entsprechen würde. Die Moerser Baukommission beauftragte einen Düsseldorfer Ingenieur, den Bau eines Wasserwerkes in Vinn zu planen und zu überwachen, der schließlich vom Moerser Bauunternehmer Ludwig Püttmann ausgeführt wurde.

Ende 1901 ging das Wasserwerk in Betrieb, das das erste städtische in der Grafenstadt und im Kreis Moers war. Sein Symbol ist der Vinner Wasserturm, der bis Mitte der 1960er Jahre in Betrieb war. Seit 1999 steht er unter Denkmalschutz, weil er ein Wahrzeichen der Industrialisierung sowie der Technikgeschichte ist. Im 36 Meter hohen Turm lag ein Wasservorratstank, so dass der Wasserdruck in den Leitungen immer konstant bei vier Bar lag. Schließlich gab es vor einem Jahrhundert noch keine Pumpen, die den Druck in Bodentanks konstant halten konnten.

Anfang 1902 waren 300 Häuser und Betriebe in der Moerser Innenstadt angeschlossen, die nun keine Pumpengemeinschaften mehr zu bilden hatten. Wird von den Kriegsjahren 1914 bis 1918 abgesehen, stieg die Anzahl der Anschlüsse jedes Jahr, weil immer weitere Ortsteile ans Netz gingen. Anfang 1927 waren es 1700 Anschlüsse. Im Laufe des Jahres 1927 kamen noch die Ortsteile Asberg und Schwafheim hinzu, wie im gesamten Kreis Moers die Wasserversorgung zunächst in den städtischen Gebieten begann, um anschließend die ländlichen zu erreichen.

Parallel zu dieser öffentlichen Wasserversorgung baute das Bergwerk Rheinpreußen im beginnenden 20. Jahrhundert in Homberg, Hochstraß und Meerbeck eine private Wasserversorgung auf, wie das Bergwerk "Friedrich Heinrich" in Lintfort. In den Arbeitersiedlungen gab es zentrale Übergabe für das Wasser, die so genannten Pumpen. Die Häuser der leitenden Angestellten, der so genannten Beamten, hatten bereits Wasseranschlüsse.

Ende 1901 ging der Vinner Wasserturm in Betrieb. Ostern 1902 konnten Interessierte dieses höchste Bauwerke der Grafenstadt für zehn Pfennig besteigen, um den Ausblick zu genießen.

Mikrobiologisch war und ist das Vinner Wasser von hoher Qualität. Es enthält aber relativ viel Mangan und Eisen. Um diese zu entfernen, wurde 1930 im Vinner Wasserwerk eine Enteisenungsanlage in Betrieb genommen, damit das Wasser nicht mehr braun aussah, kurz nachdem es aus den Hähnen der Verbraucher floss. Noch heute wird in Vinn Trinkwasser gewonnen. Außerdem kommt in Moers das kühle Nass aus dem Binsheimer Feld sowie der Süsselheide, die zwischen Moers-Kapellen, Vlyun und Krefeld-Niep liegt.

Quelle: RP
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