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Moers
Experimentelles Musiktheater für Moers

Moers: Experimentelles Musiktheater für Moers
Hauptfigur des Prologs ist der erzählende Autor selbst, also François Sarhan, der neben seinen Funktionen als Komponist, Texter, Regisseur, Filmer und Bühnenbildner der Produktion, hier zugleich auch als Sprecher auf der Bühne agiert. Unterstützt wird er von Musikern, die er nach Moers eingeladen hat. FOTO: Engel-Albustin
Moers. Uraufführung im Schlosstheater-Studio: Das Publikum erlebt den Auftakt der vierteiligen Produktion "The Suitcase - verloren in Moers". Ermöglicht wird dies durch eine Förderung aus dem "Fonds Experimentelles Musiktheater". Von Olaf Reifegerste

Mit seiner neuesten Produktion ist das Schlosstheater Moers (STM) erstmals in den Genuss einer Förderung aus dem "Fonds Experimentelles Musiktheater" gekommen. Am Freitag erlebte das Publikum die Uraufführung der Multimedia-Inszenierung "The Suitcase - Verloren in Moers" von François Sarhan. Deren erster Teil, der Prolog, setzt sich aus mehreren Teilen zusammen, die nacheinander in dieser Spielzeit herauskommen. Seit 2005 bieten das Kultursekretariat und die Kunststiftung in NRW ausgewählten Theatermachern die Möglichkeit, im Verbund mit heimischen Schauspiel- und Opernhäusern experimentelle Musiktheaterprojekte zu realisieren. Seit 2015 arbeiten die aus dem "Fonds Experimentelles Musiktheater" finanzierten Projekte verstärkt prozessorientiert und ergebnisoffen.

Das vierteilige Musiktheater, das für Moers entstanden ist, wird in Form einer Detektivkomödie erzählt, in der es um einen Mord geht, und vier Personen auf der Suche nach einem Koffer unbekannten Inhalts sind. Jede will ihn aus einem anderen Grund und jede hat ihre eigene Sicht auf die Ereignisse, die während der Koffersuche passieren. Diese unterschiedlichen Sichtweisen werden zum Gegenstand der Folgeaufführungen. Während der Prolog als eine Art Vorgeschichte in Berlin verortet ist, spielen die Fortsetzungsteile in Moers. Hauptfigur des Prologs ist der erzählende Autor selbst, also François Sarhan, der neben seinen Funktionen als Komponist, Texter, Regisseur, Filmer und Bühnenbildner der Produktion, hier zugleich auch als Sprecher auf der Bühne agiert.

Ihm zur Seite stehen musizierend, teils sprechend und manchmal auch spielend der Percussionist Adam Rosenblatt, der Gitarrist Kobe van Cauwenberghe, der Keyboarder Ernst Surberg sowie der Kontrabassist Frederik Sakham. Im Juni bereits hat Sarhan mit dem fünfköpfigen Schlosstheater-Ensemble, bestehend aus Magdalene Artelt, Patrick Dollas, Lena Entezami, Matthias Heße und Frank Wickermann, auf der STM-Probebühne in Utfort mehrere Filmsequenzen gedreht, die nun Teil der Aufführungen sind.

Schauplatz des Prologs ist das Kaufhaus Karstadt im Berliner Bezirk Wedding. Hier strandet der Autor am 3. September 2016 um 14 Uhr, nachdem er sich ohne Schlüssel, Handy und Computer aus seiner Wohnung ausgesperrt hat. Sitzend und sinnierend im dortigen Café läutet er die vermeintliche Katastrophe hinter sich lassend das zwischen grotesk und absurd, surreal und Fluxus-Art verlaufende Vexierspiel vor sich ein. So erzählt und bebildert er die Entstehungsgeschichte seines Stückes von einer Metaebene aus, wie er auf die Idee der Moers-Geschichte kam, was deren Thema sei, um was es ihm dabei gehe, wie er sie angehen wolle, und was ihm und seiner Arbeit beim Entwickeln der Story alles passiert.

Doch bevor der geheimnisvolle Koffer seinen Weg nach Moers findet, geschehen viele irrwitzige Dinge mit merkwürdigen Gestalten an irrealen Orten, so unter anderem mit einem Taxifahrer und einem Mafioso, bei einem Bäcker und in einem Auto. Nach viereinhalb traumatischen Stunden im Karstadt-Café - es ist 18.30 Uhr und damit Geschäftsschluss -, geht der Autor mit dem Satz: "Ich möchte den Stillstand meines Körpers finden."

Damit endet zugleich der einstündige Prolog und schafft große Neugier auf die Fortsetzungen am 14./15. Dezember (Titel: "Unfall"), 16./17. März ("Trolle und Legenden") und 8./9. Juni ("Zurück nach Moers, nach Prag").

Quelle: RP
 
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