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Moers
Gereizte Stimmung bei Flüchtlingskonferenz

Moers: Gereizte Stimmung bei Flüchtlingskonferenz
Amar Azzoug (links am Mikro) hatte in Kapellen bei der vierten Flüchtlingskonferenz des Bunten Tisches einen schweren Stand. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Der Vorsitzende des Bunten Tisches, Amar Azzoug, musste in Kapellen Versäumnisse bei der Koordinierung von Hilfsangeboten einräumen. Ein ehemaliger Mitstreiter des Vereins fordert, dass die Stadt das Heft übernimmt. Von Peter Gottschlich und Jürgen Stock

Lange Zeit schwebte der Bunte Tisch Moers auf einer Welle der Sympathie. Der Verein war einer der ersten, der sich entschlossen der Flüchtlingsproblematik widmete und dank vieler ehrenamtlich für den Verein arbeitenden Ex-Flüchtlingen Menschen in seinen Reihen hatte, die Sprache und Kultur der Neuankömmlinge kannten. Doch am Mittwochabend erlebte Amar Azzoug vom Bunten Tisch bei der vierten Flüchtlingskonferenz zum ersten Mal Ablehnung und handfeste Kritik.

Ort der Auseinandersetzung war das evangelische Gemeindehaus in Kapellen. Unangenehm für Azzoug, dass Kritik nicht von Anwohnern kam, die etwa um die Sauberkeit ihrer Vorgärten fürchteten, sondern von Menschen, die selbst in der Flüchtlingshilfe aktiv sind.

Fritz Burger, der hoch angesehene ehemalige Leiter der Rheinkamper Europaschule, war bis vor kurzem sogar Mitarbeiter des Bunten Tisches. Seit Oktober 2015 betreute er die Internet-Plattform "moers-hilft.de" des Bunten Tisches. Burgers Aufgabe war, die auf der Homepage eingehenden Hilfsangebote zu sichten und an den Bunten Tisch weiterzuleiten.

Da Burger den Eindruck hatte, dass der Bunte Tisch nicht bereit oder in der Lage sei, die Vielzahl der Angebote abzuarbeiten, wurde er selbst aktiv und griff auf sein eigenes Netzwerk zurück. Anfangs habe er noch per Email bei der Koordinierungsstelle des Bunten Tisches nachgefragt, ob eine Vermittlung durch ihn in Ordnung sei. "Nur beim zweiten Mal habe ich ein O.K. von Amar Azzoug, dem Vorsitzendes des Bunten Tisches, bekommen", berichtet der ehrenamtliche Koordinator. "Bei 100 Emails gab es keine Antwort." Daher habe er keine Mails mehr zur Koordinierungsstelle des Bunten Tisches weitergeleitet. "Vor drei Tagen hat mich der Bunte Tisch abgeschaltet", klagte er. "Ich habe keinen Zugriff mehr auf die Plattform." Azzoug räumte ein, dass nicht alle Mails beantwortet worden seien. Das habe jedoch zum Teil daran gelegen, dass die Koordinierungsstelle wegen Überarbeitung der Mitarbeiter von Mitte Dezember bis Jahresbeginn geschlossen gewesen sei. Burger selbst habe zudem in der vergangenen Woche mitgeteilt, dass er seine Zusammenarbeit mit dem Bunten Tisch einstelle. Burger stand mit seiner Kritik nicht allein. Einige der 80 Zuhörer beschwerten sich, nichts von der Koordinierungsstelle gehört zu haben, nachdem sie im September Hilfsangebote gemacht hätten. Andere kritisierten, vom Bunten Tisch nicht als "gleichberechtigte Gesprächspartner" behandelt zu werden und erhielten Applaus. Azzoug dagegen sieht keine Bringschuld beim Bunten Tisch: "Die Akteure müssen auf uns zukommen, nicht wir auf sie." Er bedauerte die "gereizte Stimmung" auf der Flüchtlingskonferenz.

Gudrun Tersteegen, Ratsfrau der Grünen, schlug einen Runden Tisch für Kapellen vor. Pfarrer Kurt Heyser, der die Flüchtlingskonferenz moderierte, sagte seine Hilfe zu.

Fritz Burger dagegen fordert weitergehende Schritte: "Die Koordinierung der Flüchtlingsarbeit muss von einer neutralen Stelle erfolgen", meinte er. "Der Bunte Tisch kann das nicht sein, da er selbst in der Flüchtlingshilfe aktiv ist. Das könnte auch die Caritas oder der SCI nicht sein." Deshalb müsse die Stadt diese Aufgabe übernehmen.

Quelle: RP
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