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Moers
Lehrer machen Schülern Lust auf Lesen

Moers. Am Moerser Gymnasium Adolfinum fand zum siebten Mal der "Vorlesemarathon für Jungen" statt. Lehrer lasen aus dem Roman "Erebos" und ihren Lieblingsbüchern vor. Ziel war es, mehr Jugendliche zum Lesen zu motivieren. Von Paul Leon Steuten

Ist Lesen uncool? "Auf jeden Fall denken so viele männliche Jugendliche", meinte Barbara Reiss, Deutschlehrerin am Gymnasium Adolfinum in Moers. Um diesem Klischee entgegenzuwirken, organisierte sie zusammen mit ihrer Kollegin Dina Achtermeier am Freitag den siebten "Vorlesemarathon für Jungen" am Adolfinum. Dabei lasen Lehrer für die zwischen elf und 13 Jahre alten Schüler vor und versuchten sie davon überzeugen, dass Bücher überhaupt nicht "uncool" seien und eine gute Alternative zu Videospielen darstellen können.

Die Faszination von Computerspielen, aber auch deren Einfluss auf die geistige und körperliche Gesundheit für Jugendliche ist Thema von "Erebos", dem Buch aus dem hauptsächlich vorgelesen wurde. Der Roman von Ursula Poznanski wurde 2011 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet und sorgte bei den jungen Zuhörern für Spannung und Gelächter im Wechsel.

Für noch mehr Lachen konnte Sport- und Geschichtslehrer Sebastian Mecklenburg sorgen, der aus "Chill mal, Frau Freitag", einem seiner Lieblingsbücher, vorlas. Es handelt von den Erlebnissen einer Gesamtschullehrerin und erzählt auf überspitzte Art und Weise vom Alltag an deutschen Schulen.

Doch warum ist Lesen eigentlich so wichtig? "Im Gegensatz zu Film und Computerspiel bekommt der Leser nichts Festes vorgesetzt, sondern muss selbst aktiv werden. Die eigene Fantasie wird angeregt", meinte Sven Tenhaven, der selbst vorlas und am Adolfinum Sport und Chemie lehrt.

"Außerdem dient Lesen der Sprachförderung und -entwicklung", ergänzte Dina Achtermeier. Sie und Barbara Reiss hoffen durch ihr Projekt auf mehr männlichen Besuch in der Schülerbibliothek des Moerser Gymnasiums: "Wir haben sehr viel Belletristik speziell für Jungen. Auch Hörbücher und E-Books kann man ausleihen."

Der 13-jährige Lou aus der 7c ist trotzdem skeptisch: "Wenn ich ein Buch lese, möchte ich es auch besitzen. Das erlaubt mir auch, nachdem ich es durchgelesen habe, immer mal wieder reinzuschauen", sagte der Schüler. Die Meinung, dass Jugendliche seines Alters kaum mehr lesen, teilt er auch nicht. "Ich habe bestimmt schon 70 bis 80 Bücher gelesen. Im Moment sind es die Eifel-Krimis."

"Der Erfolg des Vorlesemarathons könnte besser sein", gab Barbara Reiss ehrlich zu. "Ungefähr zehn Prozent der Teilnehmer kommen ein weiteres Mal in die Bibliothek und leihen sich ein Buch aus." Lou ist trotzdem gerne dabei gewesen. Er hielt das Vorlesen für eine gute Abwechslung zum Unterricht und freut sich, lustige Bücher kennengelernt zu haben.

Der Vorlesemarathon ist nicht das einzige lesefördernde Projekt des Adolfinums. Das Gymnasium bietet den Schülern Bibliotheksführungen an, veranstaltet Vorlesewettbewerbe und nimmt an der Moerser Jugendbuch-Jury teil.

Quelle: RP
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