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Rheurdt
Rheurdter böllern nicht mit Schwarzpulver

Nach Todesfall auf Schützenfest: Rheurdter böllern nicht mit Schwarzpulver
Böllerkanonen, wie hier bei einem Fest in Dormagen, werden zu besonderen Anlässen von vielen Schützenvereinen abgeschossen. FOTO: archiv
Rheurdt. Der tödliche Unfall beim Schützenfest in Niedermarsberg ist auch bei den Bruderschaften im Kreis Kleve zurzeit das große Gesprächsthema. "Mein erster Gedanke war natürlich: Was für eine schreckliche Geschichte! Dann dachte ich: Es muss entweder am Material liegen oder der Sicherheitsabstand wurde nicht eingehalten", sagt Christoph Osten.

Er gehört zur Böllergruppe der St.-Nikolaus-Bruderschaft 1535 Rheurdt. Zum Einsatz kommen die Mitglieder dieser Unterabteilung regelmäßig: zum Vogelschießen, zur Königsproklamation, beim Aufstellen des Maibaums, zur Pfingstkirmes, aber auch bei Familienfeiern wie Hochzeiten. Passiert ist bei diesen Terminen allerdings noch nie etwas.

Schützenkönig stirbt durch Kanonenschuss FOTO: dpa, bt lof

"Wir sind sechs Personen, die eine Ausbildung zum Bedienen der Böllerkanone gemacht haben", berichtet Osten. Der Kreis Kleve stellt dann eine Erlaubnis aus und fordert die Besitzer auch regelmäßig auf, diese zu erneuern. Die Kanonen selber müssen alle fünf Jahre durch ein so genanntes Beschussamt kontrolliert werden. "Das ist eine Art TÜV", erläutert Christoph Osten. "Das nächstgelegene Amt liegt in Köln." Jedes Böllern, egal ob mit Kanone oder mit Handböllern, muss dem Ordnungsamt gemeldet werden, für den Fall, dass sich jemand über den Lärm beschwert.

Die Rheurdter Schützen böllern bei ihren Festen allerdings nicht mit Schwarzpulver, sondern mit Propangas. "Die Kanone wird durch eine so genannte Vogelscheuche ausgelöst, wie sie Bauern auf dem Feld verwenden, um Vögel zu vergrämen", erklärt er. Wichtig sei, dass im Moment des Böllerns nur die Person des Auslösers sich in der Nähe der Kanone befinde.

"Der Gesetzgeber wird sich nach diesem Vorfall vermutlich neue Sicherheitsvorschriften ausdenken", vermutet Christoph Osten. Er hofft, dass die Schützenfeste durch solche Regulierungen nicht zu sehr beeinträchtigt werden.

(s-g)
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