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Moers.
Stadtführung für Schwerhörige

Moers.: Stadtführung für Schwerhörige
Über einen Sender berichtete Renate Brings-Otembra den Schwerhörigen über die Stadt. Diese nutzen wiederum spezielle Empfänger (Bild rechts oben), um die Stimme hören zu können. FOTO: Alrik Seidel
Moers.. Dank drahtloser Hörsysteme soll eine Führung durch Moers auch für Hörgeschädigte zum Genuss werden. Gestern wurde der Einsatz der Technik unter realen Bedingungen getestet. Von Alrik Seidel

"Kann ich davon ausgehen, dass Sie mich gut verstehen?" - eine Frage, die für die erfahrene Stadtführerin Renate Brings-Otremba nicht ungewöhnlich ist. Schließlich leitet sie seit 2008 Städteführungen in Moers. In diesem Fall hat die Frage nach dem akustischen Verständnis ihrer Gäste eine besondere Bedeutung. Die Teilnehmer sind allesamt schwerhörige oder an Taubheit grenzende Menschen.

Josef Jakobi kann sich noch gut an den Tag erinnern, als ihm klar wurde, dass er für den Rest seines Lebens auf ein Hörgerät angewiesen sein wird. Als ehemaliger Abteilungsleiter im Bistum Münster rieten ihm seine Mitarbeiter, sich doch endlich eine Hörhilfe zu besorgen: "Ich habe statt ,Ja' ständig ,Nein' verstanden. Und bevor im Betrieb Alles drunter und drüber geht, haben meine Mitarbeiter mir geraten, mir ein Hörgerät zuzulegen." Gesagt, getan.

Fündig wurde der mittlerweile pensionierte Duisburger bei "Hören und Sehen am Neumarkt". Die alltäglichen Probleme für Schwerhörige sind hier ebenfalls Alltag und Ausgangspunkt für eine kulturhistorische Stadtführung für Schwerhörige. Mit einer neuartigen drahtlosen Technik sollen Hörschwierigkeiten in Situationen mit hoher Geräuschkulisse und aufgrund größerer Distanzen ein Ende haben: "Wir wollten das Produkt in einer passenden Situation testen, die für Schwerhörige praktisch nicht zu stemmen ist, wie eben eine Stadtführung", erklärt Hörakustikmeister Christof Günthner.

Vor Führungsbeginn wird "Roger", so der Name der Produktpalette um das Drahtlos-Hörsystem, mit den Hörgeräten der Teilnehmer verbunden. Dazu bekommt jeder Teilnehmer einen Empfänger. Den dazugehörigen Sender, sprich das Mikrofon, die Stadtführerin. Und schon kann es praktisch losgehen.

Angefangen beim Neumarkt, geht es vorbei am Peschkenhaus in die Neustadt bis in die Zwergengasse. Danach zurück Richtung Altstadt und schließlich zum Moerser Schloss. Alles gespickt mit historischen Fakten vom 13. Jahrhundert bis in die Neuzeit. Und alles klar verständlich für die Teilnehmergruppe um Josef Jakobi, obwohl Live-Musik, Marktlärm oder Glockenläuten die Führung immer wieder vermeintlich stören. Irritiert ist aber höchstens die Stadtführerin: "Das waren wirklich extreme Bedingungen, mit der Hitze und dem Lärm." Christof Günthner, Inhaber von "Hören und Sehen am Neumarkt" zieht dennoch ein positives Fazit: "Wir haben mit dieser speziellen Führung unser Ziel erreicht. Was wir technisch vermitteln wollten, haben wir vermittelt."

Quelle: RP
 
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