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Moers
Textilramsch: Gefahr für Wochenmärkte?

Moers: Textilramsch: Gefahr für Wochenmärkte?
Wochenmarkt in Repelen: Von der Lintforter Straße aus hat man den Eindruck, dass es hier nur Hosen, Hemden und Jacken zu kaufen gibt, seit die örtlichen Textilhändler ihre Standflächen massiv ausgeweitet haben. Nun gibt es bald eine Krisensitzung. er FOTO: Klaus Diek
Moers. Die SPD Rheinkamp will einen Versuch starten, die Wochenmärkte aufzumöbeln. Die Märkte in Repelen und Meerbeck drohen, den klassischen Händlermix zu verlieren. Am 13. August gibt es eine Krisensitzung. Von Jürgen Stock

Dienstagmorgen in Repelen. Es ist Markttag. Die Sonne scheint, Händler bieten Blumen, Fisch, Fleisch und Gemüse an; dazu jede Menge Textilien der untersten Preisregionen. Wenn man durch die Gänge läuft, ist unschwer zu erkennen, dass einiger Platz ungenutzt ist. Noch ist der Markt jeden Dienstag und Freitag gut besucht, doch Geflügel kann man auf dem Repelner Markt nicht mehr kaufen, seit ein Händler aus Altersgründen sein Geschäft aufgegeben hat und sich kein Nachfolger fand. In die Lück freiwerdender Flächen stoßen Textil-Anbieter - ein Krisenzeichen.

Zumindest sehen das sogar einige der betroffenen Textilhändler selbst so: "Anders als in Moers hat es in Repelen immer Textilien auf dem Markt gegeben; das gehört einfach dazu", sagt etwa Edmund Geulich, der seit 20 Jahren einen Bekleidungsstand auf dem Markt betreibt. "Aber das Bild, das der Markt derzeit bietet, ist schon erschreckend. Von der Lintforter Straße aus gesehen, hat man den Eindruck, dass hier auf dem Markt nur Klamotten verkauft werden." Laut Geulich hätten einige Mitbewerber ihre Standflächen in den vergangenen Jahren massiv ausgeweitet. Seine Vorstellung für eine Lösung des Problems: Den Markt verkleinern und den gewonnenen Platz für zusätzliche Pkw-Stellplätze nutzen.

Überblick über den Wochenmarkt in Meerbeck. Hier wäre noch Platz für weitere Marktbeschicker. FOTO: Dieker, Klaus (kdi)

Fährt man tags darauf einige Kilometer weiter zum Meerbecker Markt, bietet sich das gleiche Bild, nur noch etwas leerer. "Am Samstag ist es hier voller", sagt Lars Mehrholz, Inhaber des gleichnamigen Fischstandes. Aber auch er sieht den schleichenden Niedergang des Marktes mit Sorge. "Zum einen nehmen uns die Supermärkte viel weg, zum anderen haben junge Familien oft nur noch am Samstag Zeit, zum Markt zu gehen." Noch bis vor einigen Jahren habe es in Meerbeck einen getrennten "Lumpenmarkt" für Textilien gegeben. Doch seit der mit dem Wochenmarkt zusammengelegt wurde, gibt's auch in Meerbeck mehr Blusen statt Bananen. "Das habe auch dem Gemeinschaftsgefühl der Marktbeschicker geschadet: "Die Textiler interessieren sich nicht für uns", sagt Mehrholz, der mit seinem Stand auch in Repelen vertreten ist.

Auch der Rheinkamper SPD, die die Flächeauf dem Repelener Markt gerne für Informationsstände nutzt, ist das Problem nicht verborgen geblieben. Sie hat jetzt eine Initiative gestartet, um das Marktgeschehen wiederzubeleben. "Sicher gibt es in Repelen eine Nachfrage nach preiswerten Textilien", sagt SPD-Vorstandsmitglied Gabi Gerber-Weichelt. "Aber das Angebot darf nicht überhand nehmen, wie es in Repelen geschehen ist." Laut Gerber-Weichelt hätten sich Bürger bei einer Umfrage mehr regionale Frische-Produkte gewünscht.

Am 13. August soll es nun zu einem gemeinsamen Treffen von Repelener Marktbeschickern, Stadtverwaltung und Politikern kommen. Spätestens da dürfte sich jedoch herausstellen, dass eine Frischzellenkur für die Moerser Märkte nicht so einfach ist, wie sich das Kunden, Politiker und viele Händler wünschen. Anders als in Moers, wo der Einzelhandelsverband durchsetzte, dass der Verkauf von Textilien auf dem Neumarkt verboten wird, ist der Kleiderhandel in Repelen und Meerbeck erlaubt. "Laut Gewerbeordnung müssen wir jeden Händler nehmen, so lange ausreichend Fläche vorhanden ist", sagt Delia Deja, die für die Stadt Moers die Wochenmärkte verwaltet. Auch sie hat beobachtet, wie sehr Discounter mit ihrem Frischeangebot den Wochenmärkten zusetzen: "Selbst für den Moerser Wochenmarkt gibt es inzwischen keine Wartelisten mehr." Gebe ein Händler auf, fehlten Interessenten, die bereit sind pro Quadratmeter Standfläche 50 Cent an die Stadt zu bezahlen.

So scheint die Richtung vorgegeben: Will man weniger Textil haben, bleibt nur die Möglichkeit, die zur Verfügung stehenden Marktflächen zu verkleinern.

Quelle: RP
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