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Moers
Wo Schüler zu Unternehmern werden

Moers: Wo Schüler zu Unternehmern werden
Die Schüler der Firma Ratzefummel stehen vor ihrem Fenster-verkaufsladen an der Justus-von-Liebig-Schule. FOTO: K. Dieker
Moers. Die Schülerfirma der Justus-von-Liebig-Hauptschule nennt sich nicht nur "Ratzefummel", sie verkauft auch welche. Zwölf Jugendliche bieten Schulbedarf zum günstigen Preis an. Der Gewinn wird für einen gemeinsamen Ausflug gespart. Von Jana Marquardt

Auch wenn Maurice Skotarczyk (14) später wohl nicht für ein Unternehmen arbeitet, sondern verletzten oder kranken Menschen als Rettungssanitäter hilft, kann er einen Erfolg in der Firmenbranche verzeichnen: Seine Kollegen haben ihn zum Teamleiter der Schülerfirma "Ratzefummel" gewählt.

Mit einem Lächeln richtet er sich von seinem Stuhl auf: "Ich hoffe, dass ich hier noch weitere Erfolge erzielen kann und richtig verstehe, wie man wirtschaftlich denkt." Seine Lehrerin Gabi König glaubt daran: "Wer so motiviert arbeitet wie unsere Jungunternehmer hier, der wird Erfolg haben - und besonders: Erfahrungen sammeln."

Die zwölf Schüler, die "Ratzefummel" mit König gegründet haben, sitzen an diesem Nachmittag in einem Klassenzimmer der Justus-von-Liebig-Schule und besprechen die nächsten Einkäufe von Schulartikeln.

"Dabei ist es wichtig, dass wir die günstigsten Angebote finden. Dafür suchen wir meist im Internet. Bevor wir bestellen, rechnen wir auch unsere Gewinnspanne aus, damit wir wissen, wie viel wir überhaupt am Verkauf verdienen", erklärt Marc André Herpers (14), der mit seinem Freund Daniel Trepalina (13) Firmen-T-Shirts gestaltet hat. Darauf ist ein großes Radiergummi in rot und blau mit der Aufschrift "Ratzefummel" zu sehen.

"Für das Logo war aber Daniel Cristalwi zuständig. Er kann super malen", erzählt Marc. Daniel (14) jedoch schüttelt den Kopf: "So gut kann ich das gar nicht", meint er bescheiden. Seine Kollegen widersprechen laut.

Gemeinsam mit Marlon Möschl (11) ist Daniel auch für die Kasse zuständig. "Jeder hat hier eine Aufgabe", sagt Marlon. "Und jeder trägt damit Verantwortung."

Can Özyort (12) und Melvin Eichhorn (13) koordinieren den gesamten Einkauf. "Wir wollen, dass hier alle einen Platz haben und etwas zum Firmengewinn beitragen", sagt König.

Die Mathematiklehrerin hat die Firma ins Leben gerufen, um den Kindern praktische Kenntnisse aus dem Berufsleben zu vermitteln. "Das kommt in der Schule oft viel zu kurz. Deshalb bin ich froh, dass unsere Schule und die Industrie- und Handelskammer unser Projekt finanziell fördern und den Kindern einen Einblick in die Wirtschaft ermöglichen", betont König.

Mit "Ratzefummel" nehmen die Schüler an einem IHK-Wettbewerb teil und bekamen ein Startkapital von 500 Euro ausgezahlt.

Seit Beginn des Schuljahres tagt die Schülerfirma donnerstags, seit Dezember verkaufen die Jugendlichen zwei Mal in der Woche Collegeblöcke, Bleistifte, Geodreiecke und alles, was das Schülerherz begehrt. "Über das Sortiment haben nicht wir, sondern unsere Mitschüler entschieden", sagt Daniel Trepalina.

"Bevor wir mit dem Verkauf begonnen haben, haben wir an alle Schüler einen Fragebogen verteilt, auf dem sie ankreuzen konnten, was sie bei uns kaufen möchten." Mehr als 50 Produkte hat "Ratzefummel" im Angebot, alle sollen günstiger sein als bei ihrer direkten Konkurrenz, dem nächstgelegenen Supermarkt. Außerdem gibt es Rabattpreise und Treuekarten, die die Kunden locken sollen. Ab dem zehnten Einkauf gibt es einen 1,50-Euro-Gutschein.

Ein großer Unterschied zu einer herkömmlichen Firma: Ein Gehalt gibt es nicht. "Darüber haben wir zu Beginn abgestimmt. Die Mehrheit wollte etwas anderes", sagt König. Maurice nickt: "Wir sparen, um einen Ausflug für alle bezahlen zu können. So erleben wir was Neues und wachsen noch enger zusammen." "Genau", ruft Marlon. "Schließlich sind wir jetzt ein richtiges Team."

Quelle: RP
 
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