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Nettetal
Bahn will Übergang in Leuth schließen

Nettetal: Bahn will Übergang in Leuth schließen
Die Bahn hat an dem Übergang Dellerweg lange Wartenzeiten festgestellt. Zwei Stunden pro Tag waren die Schranken geschlossen. FOTO: Busch
Nettetal. Nach dem Vorschlag der Bahn würde der Ortsteil Schwanenhaus von Leuth abgeschnitten. Die Anwohner sind völlig überrascht. Der Planungsausschuss berät heute über den Antrag Von Manfred Meis

Ortsvorsteher Heinz-Robert Reiners fiel aus allen Wolken, als er die Unterlagen zum heutigen Planungsausschuss las. Unter der harmlosen Überschrift des Tagesordnungspunkts fünf "Umgestaltung des Bahnübergangs Dellerweg" verbirgt sich der Vorschlag der Bahn AG, den gerade erneuerten Bahnübergang Schwanenhaus zwischen Kaldenkirchen und Venlo zu schließen. Damit würde die Leuther Honschaft Schwanenhaus vom Ortskern abgetrennt.

Reiners bringt auf die Palme, dass eine Punktmaßnahme in Angriff genommen wird, ohne den Blick auf die gesamte Strecke zu werfen. Es sei ein "Ding der Unmöglichkeit, einfach einen ganzen Ortsteil so abzuschneiden". Auch der CDU-Ortsverbandsvorsitzende Willi Ridder forderte in einem Brief an die Stadt, den Bahnübergang zu erhalten.

Dem Antrag der Bahn war eine Prüfung des Eisenbahnbundesamts, Außenstelle Köln, vorausgegangen: Sie hatte entdeckt, dass die Halbschranken an dem Bahnübergang Dellerweg bis zum Herannahen eines Zuges mehr als die zulässigen vier Minuten geschlossen sind. Das könne die des Wartens überdrüssigen Fußgänger, Radfahrer und Pkw-Fahrer veranlassen, den Übergang zu überqueren. Das nennt sich "Fehlhandlungen infolge überlanger Wartezeiten". Um eine Gefährdung der Straßenverkehrsteilnehmer und des Eisenbahnverkehrs auszuschließen, macht die Bahn zwei Vorschläge:

Variante eins: der Umbau der Signaltechnik mit einer automatischen Gefahrenraumüberwachung, deren Kosten bei 1,1 Millionen Euro liegen. Die Stadt Nettetal müsste dann nach Eisenbahnverkehrskreuzungsgesetz rund 280.000 Euro tragen. Der Übergang könnte wie bisher genutzt werden, die Wartezeiten würden wahrscheinlich verkürzt.

Variante zwei: die Schließung des Bahnübergangs. Nettetal würde mit 135.000 Euro zur Kasse gebeten. Wer von Schwanenhaus aus mit dem Auto nach Leuth fahren will, muss dann erst "den Berg hoch" auf die neue "Basisstraße" (Kreisstraße2), die nun die A 61-Abfahrt "Venete" mit dem früheren Zollamt Schwanenhaus und der "Keulsse Barriere" verbindet. Von ihr muss der Autofahrer am Zollamt wieder abbiegen in Richtung "Bahnübergang", um auf den Dellerweg nach Leuth zu gelangen. Den zusätzlichen Weg von 1,5 Kilometern hält die Bahn ebenso für zuträglich wie einen kombinierten Fuß- und Radweg von 1,4 Kilometern, der die Bahnlinie in Höhe des früheren Stellwerks unterquert - das Kopfsteinpflaster steht bei Regenfällen regelmäßig unter Wasser.

Im Dezember 2015 hatte die Bahn an drei Tagen den Verkehr am Bahnübergang Dellerweg gezählt: 212 Fahrzeuge oder Fußgänger kreuzten die Bahnlinie in 24 Stunden, die Schranken waren pro Tag etwa zwei Stunden geschlossen. Daraus zieht die Bahn den Schluss, dass der Übergang Dellerweg geschlossen werden könne - geringere Kosten für sie selbst und die Stadt.

"Wir kommen dann nicht mehr so schnell nach Leuth", ist die erste Reaktion von Michael Mürmanns. Der Sprecher der Nachbarschaft ist überrascht, denn er hat von den Plänen nichts gehört. Er befürchtet vor allem, dass sich Lastwagen verirren und keinen Ausweg mehr finden. Für Feuerwehr und Krankenwagen gibt es dann nur noch eine abschüssige Zufahrt, warnt eine Nachbarin. "Wehe, wenn es glatt ist", ergänzt Mürmanns.

Quelle: RP
 
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