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Nettetal
Das große Aufräumen im historischen Wald

Nettetal. Zwei Zahnärzte gründeten nach dem Zweiten Weltkrieg dieSequoiafarm. Heute kümmert sich ein Verein um die Mammutbäume Von Julia Zuew

Sturmtief "Friederike" hat mit ihren schweren Orkanböen auch auf der Sequoiafarm im Grenzwald ihre Spuren hinterlassen. "Fünf große Bäume sind umgekippt", sagt Baumvogt Michael Geller. Weitere stehen schräg und müssen noch abgesägt werden. Aber nicht nur Mammutbäume haben unter den Sturmböen gelitten - eine große Tanne krachte mitten in einen Teich auf dem Waldstück. "Ich habe dann die Frösche noch vor dem Frost umgesiedelt", sagt Geller.

Doch die Mitarbeiter, die alles wieder herrichten, kommen gut voran. So sorgte Förster Thomas Gieselmann dafür, dass ein Motorsägen-Lehrgang der Feuerwehr spontan auf die Sequoiafarm verlegt wurde. Die Teilnehmer zerlegten fünf umgestürzte, bis zu 30 Meter hohe Bäume innerhalb weniger Stunden. Dank einiger zusätzlicher Arbeitseinsätze durch Vereinsmitglieder wird die Sequoiafarm am 1. April wieder für Besucher öffnen können.

Auf zwei Hektar Land im Kaldenkirchener Grenzwald haben nicht nur die imposanten Küstenmammutbäume, auch "Redwood" genannt, sondern auch Bergmammut- und Urweltmammutbäume in den vergangenen 70 Jahren Wurzeln geschlagen. Seit 2013 befindet sich das Gelände im Besitz des Vereins "Sequoiafarm", in dem über mehrere Jahre Mammutbaum-Enthusiasten aus ganz Deutschland zusammengefunden haben.

Jedes Jahr helfen sie bei der Pflege des Parks. Dabei muss alles keineswegs perfekt werden und jeder umgekippte Baum zersägt werden. Geller: "Manches bleibt liegen. Der Wald soll natürlich bleiben, das ist auch für die Tiere auf dem Gelände wichtig."

Die Stadtwerke Nettetal wollten das Waldstück damals unter anderem aus wirtschaftlichen Gründen weggeben. "Wir standen im engen Kontakt mit Norbert Dieling, dem Geschäftsführer der Nettetaler Stadtwerke", sagt Geller. In private Hände habe keiner das Grundstück gerne geben wollen, "weil es dann vielleicht auch zu ordentlich und zu schön gemacht wird", sagt Geller.

Seit Ende 2012 lebt und arbeitet er nun als Baumvogt auf der Sequoiafarm. Auch der Sohn der Gründer, Erik Martin, hat sich bis zu seinem Tod im vergangenen Jahr für den Park engagiert und die Historie des Waldstücks in einem privaten Archiv zusammengetragen.

Gegründet haben den Park die Zahnärzte Illa und Ernst J. Martin. Während der letzten Jahre des Zweiten Weltkriegs errichtete das Ehepaar das Heidehäuschen, ein kleines Fachwerkhaus mit knapp 60 Quadratmetern Fläche. "Die Martins haben hier Obst und Gemüse angebaut und in dem kleinen Fachwerkhaus gelebt, nachdem ihr Wohnhaus durch Bomben zerstört worden war", sagt Geller. Nachdem 1947 fast der gesamte Grenzwald abgebrannt war, unterstützte Ernst Martin die Wiederaufforstung und experimentierte dabei auch mit Mammutbäumen. Mit Erfolg, wie an den rund 40 Meter hohen Bäumen zu sehen ist - die immer noch weiterwachsen.

Quelle: RP
 
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