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Nettetal
Die Gaststätte "Zur Mühle" steht zum Verkauf

Nettetal. Sonntagmorgen in der Mühle in Kaldenkirchen, Kölner Straße, traditionelle Frühschoppenzeit. Der runde Stammtisch ist besetzt. Dort wird "getuppt", ein Kartenspiel für jedermann. Sonst sitzt an keinem Tisch jemand und auch die Theke ist verwaist. Nebenan im kleinen Sälchen findet eine Veranstaltung statt. "Mit normaler Gastronomie kann man heute kein Geschäft mehr machen," sagt Wirtin Christel Schöck geborene Geraats. "So, wie ich den Betrieb führe, kann er in Zukunft nicht existieren." Das hat sie schon im vergangenen Jahr gesagt, als sie die Vollendung ihres 65. Lebensjahres feierte. Deshalb ist sie nun auf der Suche nach einem Nachfolger. Von Heinz-Willi Schmitz

Ihre beiden Söhne haben an einer Weiterführung kein Interesse: "Meines Erachtens ist die einzige Chance, ein Speiselokal einzurichten", sagt Christel Schöck. Es hätten sich auch bereits erste Interessenten gemeldet. Dabei stellt sich jedoch die Frage, was aus dem angrenzenden Saal wird. Sollte dieser geschlosssen werden, wäre das für Kaldenkirchen eigentlich unvorstellbar. Denn er dient als Ort für zahlreiche Veranstaltungen. Wo könnten beispielsweise die Karnevalsveranstaltungen, Schützenbälle, Famlienfeste in größerem Rahmen stattfinden?

Schon als Kind hat Christel Schöck ihre Leidenschaft für die Gastronomie entdeckt. Vom elterlichen Bauernhof am Heidenend ging es insbesondere in den Schulferien oft zu Oma, um zu helfen. Sie wurde zur Wirtin mit Leib und Seele. "Es waren immer die Frauen", sagt Christel Schöck. Ihre Großmutter "Tillken" und Mutter "Hilde" standen stets hinter der Theke.

Im "Gruß aus Kaldenkirchen", das der Bürgerverein 1987 herausgebracht hat, ist nachlesen: "Der Saal an der Mühle ist heute der letzte der einst großen Tanz- und Festsäle am Ort." In dem Gebäude an der Kölner Straße ist zudem noch neben einer Kegelbahn die Schießhalle der Sankt Lambertus- und Jungesellenburderschaft angegliedert. Auch war ein Kaninchenzuchtverein dort zeitweise untergebracht.

Heute ist die Gaststätte noch das Vereinslokal der Brucher Schützengesellschaft von 1878 und Übungslokal des Katholischen Kirchenchores. Auch die Karnevalsgesellschaft "Alles det met" hat hier ihre Heimat und die Kolpingfamilie organisiert in der Mühle ihre Büttenabende.

Auf einer Ansichtskarte von 1908 hat der Mühlenturm nebenan noch Flügel. Die Gartenanlagen sind mit Pavillon gestaltet. Eine kleine Gartengastronomie gibt es heute noch neben der Gaststätte. Auf der mehr als 100 Jahre alten Postkarte ist im Saalinnern eine Empore für die Musizierenden angebracht. Heute sitzt die Tanzkapelle etwas tiefer, wenn auch immer noch leicht erhöht. Gut ausgelastet ist die Kegelbahn.

Dennoch hat sich die Wirtin entschlossen, die "Mühle" aufzugeben. Und damit eine lange Tradition zu beenden.

Quelle: RP
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