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Nettetal
Für ein Modell "Realschule plus"

Nettetal: Für ein Modell "Realschule plus"
Die Realschule FOTO: Busch, Franz-Heinrich jun. (bjun)
Nettetal. Die Leiter der weiterführenden Schulen wollen ihren Weg künftig gemeinsam gehen. Hier legen Angelika Eller-Hofmann, Joachim Szcyrba und Hartmut Esser das Konzept dar. Von Angelika Eller-Hofmann Leitet Die Gesamtschule Nettetal, Joachim Szcyrba Ist Leiter der Realschule Nettetal, Hartmut Esser Leitet Das Werner-Jaeger-Gymnasium.

Die Gesamtschule wird von vielen Eltern gewünscht, die anderen Schulformen (mit Ausnahme des Gymnasiums) weniger oder gar nicht. Die Lösung scheint einfach. Wir brauchen mehr Gesamtschulplätze. Auf den ersten Blick scheint das richtig - ist aber zu kurz gedacht. Die Schulentwicklungsplanung kann nicht vom Schreibtisch aus, ohne Berücksichtigung der Rahmenbedingungen, erfolgen. Demografische und ökonomische Faktoren schränken die Gestaltungsmöglichkeiten ein.

Konkret stehen zwei Varianten zur Diskussion: Entweder die Erweiterung der Gesamtschule um einen Teilstandort in Kaldenkirchen auf sieben bis acht Züge. Dann liefen gleichzeitig Haupt- und Realschule aus. Oder die Weiterführung der Gesamtschule in Breyell mit vier Zügen und Umwandlung der Realschule in eine "Realschule plus", in Kooperation mit der Gesamtschule. Auch hier liefe die Hauptschule aus.

In der Vergangenheit standen die weiterführenden Schulen Nettetals, trotz guter persönlicher Beziehungen, in Konkurrenz. Damit soll Schluss sein. Wir, die Schulleiter von Gesamtschule, Realschule und Gymnasium, möchten den Paradigmenwechsel von der Konkurrenz hin zur Kooperation einleiten. Wir möchten den Nettetaler Schulweg in gemeinsamer Verantwortung gestalten. Wir setzen uns dafür ein, die Gestaltungsspielräume, die der Schulkonsens und das zwölfte Schulrechtsänderungsgesetz eröffnen, zu nutzen.

Wir sind Pädagogen, uns eint die Grundüberzeugung, dass Bildungsarbeit Beziehungsarbeit ist. Dies kann in kleineren Systemen besser geleistet werden. Beziehungsarbeit ist darauf angewiesen, dass sich alle Beteiligten am selben Ort befinden und Zeit füreinander haben.

Es ist ein fataler Irrtum zu glauben, man könne die gut funktionierende Gesamtschule erweitern und auf zwei Standorte verteilen, ohne das Gesamtsystem grundlegend zu verändern. Es ist leider nicht möglich, die Anzahl guter Schulplätze durch Erweiterung einer Schule zu verdoppeln. Eine Gesamtschule Nettetal mit 1500 oder mehr Schülern ist eine neue Schule, die nicht automatisch die von den Eltern gewünschten Eigenschaften der jetzigen Gesamtschule haben wird. Aber es ist möglich, in Kooperation weitere gute Schulplätze zu schaffen. Die Dependance-Lösung resultiert aus der Machbarkeitsstudie der Firma Komplan, die die demografische Entwicklung und die finanziellen Möglichkeiten der Stadt berücksichtigt. Wir stellen dieser Lösung eine pädagogisch begründete Alternative gegenüber.

Die neue Realschule plus und die Gesamtschule übernehmen gemeinsam die Verantwortung für die heterogene Zusammensetzung der Schülerschaft an beiden Schulformen. Gesamtschule und Realschule plus sollen in Nettetal gleichwertige Bildungsangebote der Sekundarstufe I (Klassen 5 bis 10) sein, die Eltern die Wahlfreiheit und jedem Kind den bestmöglichen Abschluss garantieren.

Der zwischen den Parteien geschlossene landesweite Schulfrieden in Nordrhein-Westfalen (Schulkonsens 2011) stellt eine historische Einigung dar. Die eingeführten Regelungen eröffnen den Kommunen die Flexibilität, ein individuelles und pädagogisch sinnvolles Bildungsangebot zu schaffen. Wir möchten, dass dieser Schulfriede auch in Nettetal konstruktiv umgesetzt wird und stehen gemeinsam für die Kooperationslösung. Die Schulkonferenzen von Gesamtschule und Realschule haben sich in ihren Sitzungen am 14. September eindeutig für diesen Weg ausgesprochen. Wir Schulleiter wünschen uns, dass die Schulentwicklungsplanung in Nettetal nicht gegen unsere pädagogische Überzeugung entschieden wird.

Quelle: RP
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