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Nettetal
Immer auf der Seite der Opfer

Nettetal: Immer auf der Seite der Opfer
Die Kriminalhauptkommissarin Sabine Klaaßen bearbeitet Fälle von häuslicher Gewalt. Sie setzt sich mit Tätern und Opfern auseinander. Letztere berät die Polizei, die außerdem Kontakte zu anderen Einrichtungen vermittelt. FOTO: Burghardt
Nettetal. In Fällen häuslicher Gewalt greift die Polizei nicht nur schützend ein, sondern sie berät hinterher auch Betroffene. Kriminalhauptkommissarin Sabine Klaaßen vermittelt bei Bedarf Hilfe durch das Frauenzentrum Viersen. Von Joachim Burghardt

Knallrot die linke Wange, Druckstellen an den Unterarmen: "Wenn eine Frau so aussieht, wissen die Kollegen im Einsatz gleich: Hier war Gewalt im Spiel", sagt Sabine Klaaßen. Die Kriminalhauptkommissarin ist zuständig für Fälle häuslicher Gewalt, derzeit noch in der Polizeiwache Kaldenkirchen, künftig hat das Kommissariat seinen Sitz in Viersen.

Hier zweimal in der Woche, da sechsmal im Monat - in der Kriminalstatistik stehen Fälle häuslicher Gewalt nicht gerade an der Spitze. "Aber auffällig ist, dass die Einsätze in Nettetal, Brüggen und Niederkrüchten zahlenmäßig in den vergangenen Jahren durchschnittlich etwa gleich geblieben sind", berichtet Klaaßen von Beobachtungen für ihren Zuständigkeitsbereich.

"Wir kennen allerdings die Dunkelziffer nicht", fügt die Beamtin nachdenklich an. Wenn etwa eine Frau zum zweiten Mal als Opfer bei ihr im Büro sitzt oder ein Wiederholungstäter vorgeladen wird, ist für Klaaßen klar: "Da spielt sich mehr ab, als wir mitkriegen." Das gelte auch, wenn zum Beispiel eine Frau als Opfer keinen Strafantrag stellen will, obwohl der Täter offensichtlich immer wieder gewalttätig ist: "Dann merken wir, da ist vieles im Argen."

Die Ursachen können laut Klaaßen unterschiedlich sein. Da setzt zum Beispiel jemand seinen Partner so lange psychisch unter Druck, bis der "explodiert". Ein anderer lässt seinen Frust bei der Arbeit zuhause aus, oft unter Alkoholeinfluss. Manch einer ist auch überfordert mit Partnerschaft oder Kindererziehung.

Meist handelt es sich um den "Klassiker" - Frau als Opfer eben. Ausnahmen sind laut Klaaßen Frauen als Gewalttäter gegenüber ihren Männern oder erwachsene Kinder gegenüber ihren Eltern. Vorfälle dieser Art kommen bei gleichgeschlechtlichen Paaren in der Statistik kaum vor.

In jedem Fall ist es Aufgabe der Polizei, Gewalttaten zu ahnden, möglichst künftig zu unterbinden und das Opfer zu schützen. "Stellen die Kollegen eine Gewalttat fest, kommt es zur Anzeige", berichtet Klaaßen. Zum Schutz des Opfers kann die Polizei dem Täter einen "Platzverweis" aussprechen: Er darf sich dann zehn Tage nicht dem Opfer oder der Wohnung nähern. Und vor allem in dieser Frist werden Beamte wie Klaaßen aktiv.

"Wir beraten und klären auf", schildert sie ihr Vorgehen. Meist wisse ein Opfer nicht, wie sinnvoll es sein kann, einen Strafantrag zu stellen, oder dass ihm unter Umständen Schmerzensgeld zustehe. Vermittlung zum Frauenzentrum Viersen oder zum Weißen Ring, der Kriminalitätsopfern hilft, Einschalten des Jugendamtes bei betroffenen Kindern können weitere Maßnahmen sein: "Die Polizei ist mit allen relevanten Stellen vernetzt."

Grundsätzlich steht die Polizei "aufseiten der Opfer", unterstreicht die Kriminalbeamtin. Aber auch mit den Tätern befasst sich Klaaßen: "Zeigt sich jemand einsichtig, empfehle ich zum Beispiel ein Anti-Gewalttraining beim SKM, dem Katholischen Verein für soziale Dienste."

Helfen indes kann die Polizei aber tatsächlich nur, wenn sie gerufen wird: "Nachbarn sollten etwa bei Hilfeschreien gleich den Notruf wählen, es kann ja auch jemand gestürzt und verletzt sein."

Wie auch immer ein Fall ausgeht, und selbst wenn er für die Sachbearbeiterin offiziell erledigt ist, wirkt er mitunter nach: "Wenn hier eine Frau als Opfer häuslicher Gewalt sitzt, das geht ja nicht so an einem vorbei."

Quelle: RP
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