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Nettetal
Klaas ist nun "grüner Dienstleister", aber kein Landwirt mehr

Nettetal. Das landwirtschaftliche Lohnunternehmen wird bei Arbeits- und Finanzbehörden als Gewerbeunternehmen geführt.

Als Paul Klaas, Bauernsohn von der Hinsbecker Straße, 1949 einen Mähdrescher anschaffte und damit Kollegen bei der Ernte eine Dienstleistung anbot, fühlte er sich auch weiterhin als Landwirt. Sein Sohn Hans-Josef, der das landwirtschaftliche Lohnunternehmen übernahm und ausbaute, fällt nicht mehr unter diese Kategorie, jedenfalls bei den Arbeits- und Finanzbehörden. Das wird seit jüngster Zeit besonders bei der Aufzeichnungspflicht für die Einhaltung der Mindestlohnzahlung sichtbar.

"Das ist schon ein harter Brocken", klagt Christa Klaas, die die entsprechenden Büroarbeiten erledigt. Darüber wunderte sich bei einem Besuch des Unternehmens auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Uwe Schummer, denn für Landwirte gibt es Erleichterungen. Wenn ein Unternehmen mehr als 50 Prozent seines Umsatzes mit Landwirten mache, müsse es doch eigentlich auch darunter fallen, meinte er. Er will der Sache einmal nachgehen.

Dass die Mühlen der Bürokratie oft sehr langsam mahlen, machte Klaas an einem anderen Beispiel klar. Vor mehr als sechs Wochen habe er eine Verlängerung der Ausnahmegenehmigung für überbreite Fahrzeuge beantragt, doch sie sei immer noch nicht da: "Wir dürfen jetzt nicht mehr fahren." Überhaupt: Wenn er mit dem 3,30 Meter breiten Maisernter nach Düren fahre, müsse er vorher beim Kreis die Genehmigung beantragen. Der Kreis muss wieder alle Nachbarkreise befragen, ob sie mit der Fahrtroute einverstanden sind. Das dauere manchmal sehr lange. Kreisdirektor Dr. Andreas Coenen hat Verständnis für den Unmut, konnte aber nichts ändern: "Wir führen nur Gesetze aus und müssen die Vorschriften beachten."

Bei der Besichtigung des Betriebes an der May, zu dem die Leuther CDU eingeladen hatte, staunten die Besucher über die Zahl und die Größe der Pflanz- und Erntemaschinen. Noch einmal doppelt so viele stehen in einer zweiten Halle im Industriegebiet Hotschgraf. "Wir müssen jedes Jahr kräftig investieren, denn die Maschinenbauer entwickeln ihre Produkte ständig weiter", sagte Hans-Josef Klaas. Wohnhäuser sind zwar im Laufe der Jahrzehnte in der Nähe entstanden, doch "mit den Nachbarn kommen wir klar".

Sohn Stefan, der inzwischen im Unternehmen mit tätig ist, hat noch einen Kommunalservice gegründet und ist mit einer Fräsmaschine in halb Deutschland unterwegs. Das schafft die Klaas-Familie mit drei Mitarbeitern und - wenn es nötig ist - einigen Aushilfskräften.

(mm)
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