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Nettetal
Stele erinnert an die Morde an Menschen mit Behinderungen

Nettetal. Seit Sonntag steht neben dem Ehrenmal im Hinsbecker Friedenspark eine Stele. Sie erinnert an die Opfer der sogenannten Euthanasie in der NS-Zeit. Bürgermeister Christian Wagner dankte der Familie Kohnen für die Stiftung der Stele und Gabriele Beeck, die die Plastik stiftete. Jugendliche der 12. Klasse der Gesamtschule berichteten mit ihrer Lehrerin Julietta Breuer über das Schicksal behinderter Menschen im "Dritten Reich", deren Gedenken der VVV Hinsbeck förderte.

Wagner erinnerte daran, dass in Deutschland etwa zehn Prozent Menschen mit einer körperlichen und geistigen Einschränkung leben. "Sie sind auf unsere Solidarität, unseren Zuspruch und unsere Empathie angewiesen." Die anschließende Einweihung der Stele nahmen Pfarrer Ansgar Falk und Oberstudienrat Klaus Hubatsch vor.

Die Berichte der Gesamtschüler Oriane Gomanns, Andera Klaas und Lilja Schmitz über die Euthanasie ging allen Anwesenden nahe. In der Landesklinik Süchteln seien mehr als 2000 behinderte Menschen untergebracht gewesen. 1936 wurden einige nach Hinsbeck ins Krankenhaus verlegt. Bei ihrer Rückkehr nach Süchteln wurde sie vermutlich umgebracht. "Euthanasie" bedeutet "guter Tod" oder auch "schmerzloser Tod". In Wirklichkeit war es der beschönigende Ausdruck für Massenmord an behinderten Menschen. Die Jugendlichen erzählten sie über die zehnjährige Else H. aus Oberhausen. Sie war nach einer Diphtherie-Impfung geistig behindert und kam in die Kinderfachabteilung in Waldniel. Dort ließ man sie bewusst hungern. Elses Vater kritisierte in Briefen den Umgang mit dem Kind und sein Schicksal. Als Antwort wurde ihm gedroht, juristisch gegen ihn vorzugehen. Nach einem Jahr sei "das von eiternden Geschwüren geplagte und durch Mangelernährung abgemagerte Kind im Januar 1943" verstorben. Als Todesursache wurde "doppelseitige Lungenentzündung" angegeben. Ein Beispiel, das alle Anwesenden der Gedenkveranstaltung zutiefst schockierte.

(heko)
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