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Nettetal
Studentinnen üben sich in Venlo als Unternehmer

Nettetal. An der Fontys "University of Applied Sciences" müssen sich Studierende in zwei Semestern als erfolgreiche Firmengründer beweisen Von Hannah Ringendahl

Ein Produkt ist gefunden und wird bereits produziert, der Businessplan ist geschrieben und die Vermarktung läuft auf Hochtouren. Der Verkauf hat begonnen: Der Alltag der 21-jährigen Studentinnen Linda Schleier und Annika Kellershohn hat sich seit September 2015 ziemlich verändert. Student sein und schon das eigene Unternehmen gründen - wem würde das nicht gefallen? Für Studenten der Fontys University of Applied Sciences in Venlo wird dieser Traum im zweiten Studienjahr wahr. Während des dritten und vierten Semesters entwickeln sie ein eigenes Produkt, das sie anschließend vermarkten und verkaufen.

Linda Schleier und Annika Kellershohn studieren im vierten Semester "International Marketing" an der Fontys. In Gruppen von sieben bis zehn Studenten aus verschiedenen Studiengängen gründen sie "Mini-Companies", die sie in ihrer Freizeit leiten müssen. Geschäftssprache ist Englisch, da die Gruppen aus internationalen, niederländischen und deutschen Studenten bestehen. Man lernt, "im Team zusammenzuarbeiten und gemeinsam eine Idee durchzusetzen", so Kellershohn. Betreut werden sie dabei von zugeteilten Dozenten.

Schleier verkauft in ihrem Unternehmen "Reecojar" recycelte, zu Trinkgläsern umfunktionierte, Marmeladengläser namens "Jamglasstic". Es galt, die Ideen von neun, sich völlig fremden Studenten, unter einen Hut zu bringen und dabei ein innovatives Produkt zu entwerfen, das zudem nachhaltig, umweltfreundlich und handgemacht sein sollte.

Die Gruppe von Kellershohn hat mit den gleichen Problemen zu kämpfen. Gemeinsam mit sieben weiteren Studenten gründet sie das Unternehmen "Lavado" und verkauft handgemachte "Shampoo Blocks". Auch hier wird Nachhaltigkeit großgeschrieben: Es werden ausschließlich Bio-Produkte verwendet. Weitere Gemeinsamkeiten der beiden Unternehmen liegen in der Umsetzung. Die Aufgaben werden innerhalb der Gruppen aufgeteilt und nach dem ersten Semester werden die Rollen getauscht, um zwei Abteilungen kennenzulernen. Danach steht der Produktion nichts mehr im Wege - aber woher das nötige Geld dazu nehmen?

"Es ist festgelegt, dass man als Mini Company eine Aktiengesellschaft gründet", erklärt Kellershohn. So finanzieren sie sich in der Gründungsphase selbst. "Aktionäre sind dabei Familie und Freunde." Doch zum nötigen Umsatz fehlt noch die Vermarktung. Hier kommen die beiden Studentinnen zum Zug: Beide sind für das Marketing zuständig. "Unsere eigene Facebook-Seite ist momentan unser Hauptstandbein", berichtet Schleier. Der anschließende Verkauf fand hauptsächlich über die Weihnachtsmärkte im Winter statt. Auch auf kommenden Frühlingsmärkten in Roermond, 23. April, und Kaarst, 8. Mai, bieten sie ihr Produkt an. Auch Kellershohn nutzt Facebook zur Vermarktung. Wie viel sie einnehmen, bleibt jeder Gruppe selbst überlassen. Ein Unternehmen gilt dann als erfolgreich, wenn es den Aktionären der Gründungsphase das Geld zurückzahlen kann. Die darüber hinaus erwirtschaftete Summe steht zur individuellen Verwendung zur Verfügung. Die Gruppe von Schleier spendet es.

Am Ende des Projektes werden die Studenten benotet: Das Projekt zählt als vollständiges Studienfach über zwei Semester. Kellershohn: "Man kann das Wissen aus dem Studium in der Praxis anwenden. Ich sehe darin einen Vorteil gegenüber deutschen Studenten, die solch ein Projekt nicht haben".

Quelle: RP
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