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Nettetal
"Verdient man als Künstler viel Geld?"

Nettetal: "Verdient man als Künstler viel Geld?"
Interessierte Zuhörer hatte Loni Kreuder, als sie in ihrem Atelier Sechstklässlern der Gesamtschule Nettetal ihre Arbeiten und ihre Arbeitsweise erläuterte. FOTO: Burghardt
Nettetal. Kurz vor Beginn der Ferien erfuhren Sechstklässler der Gesamtschule Nettetal im Ateliergespräch mit Loni Kreuder, wie man Bildhauerin wird und wie Kunstwerke entstehen. Von Joachim Burghardt

Die Frage musste ja kommen: "Verdient man als Künstler viel Geld?", wollte Joshua wissen. Loni Kreuder lachte: "Naja, ich kann von meiner Arbeit leben." Die Hinsbeckerin stellte sich geduldig Fragen von Schülern der Klasse 6c der Gesamtschule: Sie waren im Rahmen ihres Kunstunterrichts zum Atelierbesuch nach Hinsbeck geradelt und bekamen Einblicke in Leben und Werk der Künstlerin.

Einige von Kreuders Werken waren den Jungen und Mädchen durchaus bekannt. Sie zählten ihre Skulpturen in Nettetaler Stadtteilen auf, etwa den Wenkbüll in Lobberich oder den Zigarrenmacher in Kaldenkirchen. "Wir haben uns vorhin noch Ihre Jüüte-Figur auf dem Marktplatz in Hinsbeck angesehen", berichtete Kunstlehrer Rolf Römgens. Und schon waren die Künstlerin und die Schüler im Gespräch: Die jungen Leute erfuhren, dass ein Jüüt ein Spaßvogel war, dass er Leinen bleichte und als Symbolfigur den typischen Hinsbecker darstellt - und dass ein Kunstwerk einen geschichtlichen Hintergrund haben kann.

"Wir wollen Kunst nicht nur theoretisch vermitteln. Die Schüler sollen erfahren, wer und was hinter Kunstwerken steckt, wie Künstler arbeiten", erklärte Römgens das Projekt Ateliergespräch. So hatten die Schüler mit Römgens und Klassenlehrerin Sonja Herdieckerhoff zuvor bereits die Künstlerin Nicole Terstappen in Kaldenkirchen sowie eine Keramikwerkstatt in Mönchengladbach besucht, und nun war Kreuder dran.

Wie man Bildhauerin wird, wollten die gut vorbereiteten Sechstklässler wissen. Sie staunten, dass an der Kunstakademie auch Anatomie gelehrt wird: "Man muss ja wissen, wie man einen Kopf oder eine Hand darstellt", erläuterte Kreuder. Fleiß allein reiche nicht zum Erfolg, Talent sei die erste Voraussetzung für ein erfolgreiches Künstlerleben, und Ideen müsse man haben. Als sie erzählte, dass eine große Bronzeplastik mehrere Tonnen wiegt, kam natürlich die Frage auf, wie zum Beispiel der Jüüt auf den Marktplatz kommt: "Mit einem Kranwagen!"

Leicht ein großes Brunnenmodell im Atelier, weil aus Styropor, schwer eine kleine Plastik, weil aus Bronze: Kreuder erklärte ihre Arbeitsweise, wie sie eine Figur entwirft und ein Negativmodell für den Guss entwickelt, wie die Skulptur aus der Gießerei noch geschliffen und patiniert wird. Was die Kinder im Atelier an den Plastiken testeten, die sie behutsam berührten, beinahe ehrfürchtig befühlten.

Für die Künstlerin, sagte sie, steht "der Mensch im Mittelpunkt", doch angefangen habe sie mit Tierplastiken. "Wir haben jetzt auch Tiere geformt, aus Pappmaché", meinte eine Schülerin und nannte damit ein Beispiel, dass sich das Kunstverständnis an der Gesamtschule nicht auf ein Fach beschränkt: Laut Römgens ging's um Tiere sowohl im Religions- als auch im Kunstunterricht, die Arche Noah als biblisches Thema hier, Tierplastiken als praktische Kunst da.

So groß das Interesse an Kreuders Arbeit auch war, die Frage nach dem Geld und ob Künstler eine aussichtreiche Berufswahl sei, ließ die Schüler nicht los. Sie staunten sehr, als Kreuder erzählte, so eine überlebensgroße Skulptur könne durchaus einen Preis von über 100 000 Euro haben, wovon der Künstler aber auch die Gießerei bezahlen müsse. Ein Schüler flüsterte: "Sie hat 19 große teure Figuren gemacht!" Dann rief er: "Sind Sie eigentlich Millionärin?" Worauf Kreuder schmunzelte, davon träume sie noch.

Quelle: RP
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