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Neukirchen-Vluyn
Frische Produkte aus erster Hand

Neukirchen-Vluyn: Frische Produkte aus erster Hand
Die Kreisbauernschaft hatte eingeladen, fünf Betriebe der Region zu erkunden. Dazu gehörte auch historisches landwirschaftliches Gerät wie hier bei Schloss Bloemersheim. Dabei erfuhren die Besucher auch, mit welchen Problemen die Landwirte zu kämpfen haben. FOTO: Nein
Neukirchen-Vluyn. Die Tour de Flur macht das erste Mal in Neukirchen-Vluyn halt. Geschätzte rund 10 000 Besucher schauten sich am Wochenende fünf Betriebe vor Ort an. Von Peter Gottschlich

Die Besucher erlebten "Landwirtschaft zum Anfassen", wie das Motto dieser Aktion der Kreisbauernschaft lautete. Das stieß auf reges Resonanz, zumal die Sonne lachte und es angenehm warm war, aber nicht zu heiß. Geschätzte 10 000 Besucher kamen. Die meisten davon radelten die insgesamt 15 Kilometer von Hof zu Hof, um Blicke hinter Tore und Türen zu werfen, die sonst verschlossen sind.

Der größte Besuchermagnet war Schloss Bloemersheim. Dort begann die 13. Tour de Flur mit einem ökumenischen Gottesdienst. "Der Mensch soll mit einem offenen Herz die Schönheit der Natur sehen", sagte Franz Anstett als katholischer Pfarrer. Der evangelische Pfarrer ergänzte: "An einem Tag wie heute können die Besucher die unberührte Natur als Schöpfung Gottes entdecken. Die Schönheit im Garten Eden leuchtet auf. Sie ist zu bewahren. Der Mensch soll sich an dieser Schönheit orientieren."

Allerdings orientiert sich der Mensch nicht nur an dieser Schönheit, sondern auch am Profit. Das konnten die Besucher erfahren, wenn sie die fünf Höfe anfuhren, beispielsweise den Löpelmannshof an der Vluynbuschstraße in Sichtweite der Eyller Kirche. "Zurzeit mache ich einen Verlust, wenn ich Milch produziere", berichtete Landwirt Gerd Luyven. "Ich bekomme 29 Cent pro Kilo. Meine Kosten liegen höher." Zwischen 35 und 40 Cent pro Kilogramm Milch, die etwa einem Liter Milch entsprechen, benötige er, wenn er die Investitionen einrechne. Damit liege er im Durchschnitt der 380 Milchviehbetriebe im Kreis. "2013 und 2014 gab es noch bis zu 45 Cent pro Kilo Milch", erläuterte der staatlich geprüfte Landwirt. "Zurzeit lebe ich von diesen beiden guten Jahren. Aber das geht nur ein gewisse Zeit lang. Der Preis muss wieder steigen, um existieren zu können." Mit der Forderung, Preise zu erhöhen, stand Gerd Luyven nicht alleine da. Auch Harald Lenßen schloss sich dieser Forderung an, als er bei Eröffnung der Tour de Flur nach dem Gottesdienst auf Schloss Bloemersheim sprach. "Die Preise müssen die Preise sein, die die Landwirte verdient haben", sagte der Neukirchen-Vluyner Bürgermeister. Er wohnt mitten im Gebiet der Tour de Flur und kennt das Problem aus erster Hand, das vor allem Landwirte haben, die Milch oder Fleisch produzieren. Einer davon ist zum Beispiel Christoph Neckritz. Dessen Schweinemastbetrieb auf dem Bergshof an Vluynbuscher Straße gehörte zu den fünf Betrieben, die von den Besuchern besichtigt werden konnte.

Er und Gerd Luyven können ihre Produkte nur an Endkunden vermarkten, wenn sie sehr viel Geld investieren würden, um die gesetzlichen Forderungen an die Hygiene zu erfüllen. Da haben es landwirtschaftliche Betriebe leichter, die ihre Produkte selbst an den Endkunden bringen, zum Beispiel an die Reiter auf dem Reiterhof Imminghorsthof an der Vluyner Straße. Oder Betriebe, die Äpfel, Erdbeeren und vieles produzieren mehr, das sie direkt vermarkten, wie Petra und Arne Weißenfels vom Monterkampshof, der zwischen Rayen und Hochkamer liegt. Wie auf Schloss Bloemersheim konnten die Besucher dort auch selbst verkosten.

Quelle: RP
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