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Neukirchen-Vluyn
Neue Debatte um Markt auf Niederberg

Neukirchen-Vluyn: Neue Debatte um Markt auf Niederberg
Blick über den Förderturm der Zeche Niederberg auf die fertiggestellten Wohnquartiere. Südlich der Niederrheinallee soll ein Vollversorger entstehen. Die Vorstände der Heimatvereine meinen dagegen, über die neuen Nord-Süd-Achsen (rechts im Bild) seien die Geschäfte im Süden Neukirchens gut erreichbar. FOTO: Chr. Reichwein
Neukirchen-Vluyn. Auf Kritik stößt die Auffassung der Heimat- und Verkehrsvereine, die Einwohner der neuen Siedlung könnten im Süden von Neukirchen einkaufen. Die Heimatfreunde fürchten die Folgen eines Vollsortimenters an der Niederrheinallee. Von Stefan Gilsbach

Kein Vollversorger auf Niederberg, stattdessen ein Nachfolger für den schließenden Edeka-Markt im Süden von Neukirchen - mit diesen Forderungen haben die Vorstände der Heimat- und Verkehrsvereine deutliche Kritik herausgefordert. Der baupolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Gerd Lück, hat sich in einer Facebook-Gruppe geäußert: "Um das mal klarzustellen: Meine Meinung als Mitglied des HVV Neukirchen vertritt der Vorstand mit dieser Stellungnahme nicht!" Die Meinung der Mitglieder sei, soweit er wisse, auch nicht erfragt worden, schreibt Lück.

Die Art und Weise, wie sich die Vorstände der Heimatvereine in die politischen Entscheidungen einmischten, fordert Lücks Spott heraus. Da erübrige sich ja die kommunale Selbstverwaltung: "Alles viel zu kompliziert - die Vorstände richten das schon alles." Man könne ja ein politisches Zwei-Kammer-System mit dem Stadtrat einerseits und den HVV andererseits einführen, dies komme dem Selbstverständnis der führenden Personen offenbar entgegen.

Die Forderungen der beiden HVV war in einem Schreiben an die Verwaltung und die Fraktionen erhoben worden, das die Vorsitzenden Hans Dehlisen (Vluyn) und Hans-Peter Burs (Neukirchen) unterzeichnet hatten. Kern der Stellungnahme ist die Sorge um den Einzelhandel in den Ortskernen von Neukirchen und Vluyn. Ein großer Laden mit zentrenrelevantem Sortiment auf Niederberg könne sich negativ auf die Geschäfte in den Kernen auswirken. Ähnliche Sorgen haben die Fraktionen von CDU und Bündnis 90/Grüne, beide wollen allerdings die Größe des Marktes auf Niederberg lediglich beschränken.

Thomas Stralka, Vorstandsmitglied des HVV Neukirchen und CDU-Politiker, spottet über Lücks Stellungnahme: "Da gab es vorher auch keine SPD-Mitgliederversammlung." Man müsse sich darüber klar sein, sagt Stralka, dass ein Markt auf Niederberg "eine eklatante Verschiebung in der Einzelhandels-Landschaft" bedeuten würde. Die Heimat- und Verkehrsvereine wollten sich um den Bestand an Geschäften kümmern, den die Stadt noch hat. Stralkas Fazit: "Jetzt sollten wir erst einmal abwarten, was das neue Gutachten bringt. Und wir sollten herausfinden, ob es die Möglichkeit gibt, einen Nachfolger für den Edeka-Markt an der Ernst-Moritz-Arndt-Straße zu finden."

Timo Glantschnig, ehemaliger SPD-Ratsherr und Initiator des "Niederberg-Netzwerkes", sieht in einem größeren Markt auf Niederberg "eine Chance für die Stadt". Zwar werde kein Bürger von Niederberg darben müssen, wenn der Markt nicht komme, "aber ich denke, wir würden da eine Gelegenheit für die Stadt verpassen". Schließlich verliere Neukirchen-Vluyn rund ein Drittel seiner Kaufkraft an andere Kommunen. "Außerdem sind wir Siedler hier mit dem Versprechen guter Einkaufsmöglichkeiten gelockt worden", gibt Glantschnig zu bedenken. Sollte das neue Einzelhandelsgutachten freilich zu dem Schluss kommen, dass ein Markt auf Niederberg verhängnisvoll für andere Ortsteile sei, "dann lasse ich mich gern eines Besseren belehren".

Quelle: RP
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