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Neukirchen-Vluyn
Omas Pflegeseife hat Museumsreife

Neukirchen-Vluyn: Omas Pflegeseife hat Museumsreife
Günter Fischer vom Museumsverein und Mitarbeiterin Michaela Kraushaar im Interieur des Frisiersalons Kühn, der nun Teil des Museums ist. FOTO: dieker
Neukirchen-Vluyn. Ein Teilbereich des Neukirchen-Vluyner Museums öffnet am Sonntag wieder für die Öffentlichkeit. Zu den neuen Exponaten gehört ein wundervoll erhaltener Frisiersalon. Ein besonderer Höhepunkt ist die Multimedia-Station. Von Stefan Gilsbach

Wer dieses Kabinett betritt, der fühlt sich wie durch Zauberhand Jahrzehnte zurück versetzt. Große Frisierspiegel, Möbel mit 50er-Jahre-Charme, Vitrinen mit Schönheits- und Hygiene-Artikeln, die zu Omas Zeiten im Trend lagen, von Kölnisch Wasser bis zum "Bac"-Deo. Dieses Interieur ist nun Teil des Neukirchen-Vluyner Museums und gehört zu jenem Teil, der bereits am kommenden Wochenende der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Das Ehepaar Kühn hat die Einrichtung ihres Friseursalons dem Museumsverein zur Verfügung gestellt. Bei den Besuchern dürften viele Erinnerungen wach werden.

Dreieinhalb Jahre mussten die Bürger darauf warten, dass nach den Veranstaltungsräumen der Kulturhalle auch das Museum wieder öffnet. Auch wenn es angesichts der Umstände ein wenig frivol klingt: Die Pause durch die Brandschutzsanierung hat dem Museum gut getan. Die Abteilung, die nun wieder zu sehen ist, präsentiert sich optisch deutlich frischer. "Der Landschaftsverband hatte seine Förderung davon abhängig gemacht, dass wir einen professionellen Ausstellungs-Gestalter hinzuziehen", berichtet Günter Fischer, der Vorsitzende des Museumsbeirats. Gewählt wurde jener Gestalter, der auch für das Schokoladenmuseum in Köln verantwortlich zeichnet. Einen Schokobrunnen gibt es zwar im wiedereröffneten Museum in Vluyn nicht, aber dafür eine multimediale Station, wie sie, das versichern die Verantwortlichen, bislang kein anderes Museum in Deutschland hat. "Wir hatten die Museumsmesse in Köln besucht, um nach Anregungen zu schauen", berichtet Jutta Lubkowski. Dabei stießen sie und ihre Mitarbeiterin Michaela Kraushaar auf die Produkte einer französischen Firma, mit der Karten, Bilder, Texte und Geräusche auf einem Bildschirm per Hand rasch aufgerufen werden können. Diese Station befindet sich nun im Eingangsbereich des Raums und wirkt wie ein riesiges Smartphone. Das sei nicht als technischer Gag gedacht, versichert Günter Fischer. "Es ist schwierig, Stadtgeschichte so darzustellen, dass es nicht langweilig wird." Mit der Station kann jeder Besucher sich individuell auf Entdeckungsreise begeben, beispielsweise damit beginnen, seine eigene Straße zu suchen und zu schauen, was vor zweihundert Jahren dort stand. 26 Punkte im Stadtgebiet können angeklickt werden, zwölf in Vluyn, 14 in Neukirchen. "Wir haben einige Schüler des Julius-Stursberg-Gymnasiums dafür gewinnen können, die Station zu betreuen und sie den Besuchern zu erklären", sagt Jutta Lubkowski. Geblieben ist der Einkaufsladen des ehemaligen Göschel-Hauses, der den hinteren Bereich des Raums einnimmt. Neu ist, wie der Frisiersalon der Kühns, eine Kaffeerösterei. Und auch an die Kinder ist gedacht worden: Es gibt Hörstationen, an den "Ludwig", der Kranich von Schloss Bloemersheim den kleinen Besuchern Geschichten aus der Geschichte von Neukirchen-Vluyn erzählt.

Schönheitsartikel aus früheren Jahrzehnten werden nicht nur bei Damen Erinnerungen wecken. FOTO: Dieker Klaus
Quelle: RP
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