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Neuss
Außergewöhnliches "Stabat Mater" des Marienberg-Gymnasiums

Neuss. Mit einer imposanten Aufführung des "Stabat Mater" von Antonín Dvorák haben Chor und Orchester am Erzbischöflichen Gymnasium Marienberg nahtlos an ihre Tradition der Interpretation großer geistlicher Kompositionen angeschlossen.

In großer sinfonischer Wucht beschreibt Dvoøák die Leiden der schmerzhaften Mutter Maria, die unter dem Kreuz ihren Sohn beweint, in zehn Sätzen mit dem Text des "Stabat Mater dolorosa" von Jacopone da Todi (1306). Das abendfüllende Werk - bis heute das umfangreichste tschechischer geistlicher Musik - hatte für den Komponisten auch eine ganz persönliche Bedeutung: In den beiden Jahren vor der Komposition (1877) waren drei seiner Kinder gestorben. Ohne diese Tragödie ist die vorwiegend elegische Musik nicht zu verstehen. Behutsam leitet das Orchester des Gymnasiums, verstärkt durch Mitglieder des Neusser Kammerorchesters und befreundete Instrumentalisten, die große Exposition ein.

Mehr als 100 Choristen schildern im ersten "Stabat Mater" das große Leid der Gottesmutter. Der Chor, einstudiert von Hiltrud Richter, Michael Köhne und Arno Zimmermann, der die Aufführung exzellent sicher leitete, war in der gut besuchten Marienkirche vollkommen auf der Höhe, auch in den vergleichsweise wenigen Männerstimmen. Sie gestalteten den sechsten Satz mit dem Tenorsolo zu einer innigen Kantilene.

Dem standen die Frauenstimmen mit trotz der Fülle reinem Sopran und enorm präsentem Alt nicht nach. Andreas Post (Tenor) war kurzfristig für einen erkrankten Kollegen eingesprungen und glich seine heldenhafte Stimme dem Solistenquartett an, glänzte aber in seinen Soli überragend. Sabine Schneider (Sopran) hatte bereits im Vers "O, wie traurig" mit verinnerlichter Lyrik angerührt und steigerte sich im "Mach, dass ich trage Christi Tod" emphatisch in die orchestrale Einbettung. Sebastian Klein (Bass) artikulierte sich machtvoll lyrisch im vierten Satz über ruhigem Blech (vier Hörner, Trompeten, Posaunen) und feinen Holzbläsern. Die einzige an Oratorien Händels und Bachs erinnernde Arie - "Entflammt und entzündet" - singt Martina Zimmermann (Alt) zu elegischem Hörnerklang mit wahrhaft flammendem Enthusiasmus. Mit nochmals die virtuose Strahlkraft des Chores fordernder "Amen-Fuge" schließt das Werk.

Für Kurzentschlossene: Die glanzvolle Interpretation wird heute (18 Uhr) in der Klosterbasilika Knechtsteden wiederholt.

(Nima)
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